Der drahtlose Wozniak

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Neben ernsthaften Anwendungen sollte der Rechner auch spielen können. Wozniak war schon damals in seiner Umgebung als Schlitzohr bekannt. Als junger Mann baute er so genannte Blue-Boxen, um den Leuten das kostenlose Telefonieren über die Netze des Telefonanbieters AT&T zu ermöglichen. Seinen Anrufbeantworter baute er zu einem telefonischen Witzeservice um, der in der Bay Area zur Legende wurde. Aus Ataris berühmtem "Pong" machte er innerhalb von vier Tagen ein wesentlich fortschrittlicheres "Breakout"-Spiel - für seinen Freund Steve Jobs, der damals für Atari arbeitete.

Wozniak gibt zu, dass er am besten in Umgebungen arbeitet, in denen er tun kann, was ihm gefällt - wie in den Anfangstagen bei Apple. "Ich entdeckte, wie man den Aufbau eines Rechners vereinfachen konnte - und durfte das dann sofort tun." So ist er oft schneller als das Team, in dem er arbeitet. Im Gegensatz zu seinen Freunden im Homebrew Club war er bereits in den Siebzigern ein Fan der Speichertechnik DRAM (Dynamic Random Access Memory) - weil sie billiger als statisches RAM war. DRAM erforderte allerdings viel mehr technisches Wissen, als die meisten Bastler hatten. Die letzten 30 Jahre der PC-Entwicklung gaben ihm aber Recht: DRAM ist heute die am weitesten verbreitete Speicherart in Computern.

Wheels of Zeus gibt Wozniak die gleiche Autonomie, wie er sie einst bei Apple genoss. Als Gründer darf er beschwingt sagen, dass die Firma bloß aus einer "coolen Idee" entstand. Das Konzept folgt aber konsequent dem "Woz-Gesetz": GPS so verpackt, dass es "kleiner, mobiler und billiger ist - zu einem erträglichen Preis". Interessant ist das Konzept aber auch, weil es clever und überzeugend klingt. "Das Ziel ist es, eine saubere Lösung zu entwickeln, die trotzdem Spaß macht."

Seitdem Wozniak Apple 1985 verlassen hatte, kann er nicht gerade viele Technologieerfolge vorweisen. Er grĂĽndete nur eine einzige weitere Firma - das erfolglose Unternehmen CL9, das eine Universalfernbedienung produzierte und nach ein paar Jahren aufgeben musste. Aber sowohl Wozniak als auch seine Investoren glauben an sein Talent, Technik auf ihre wesentlichen Elemente zurĂĽckzufĂĽhren.

Und das könnte aus seinem Projekt Wheels of Zeus einen Erfolg machen. Die echte Herausforderung wird sein, wOzNet am Markt zu platzieren. Der WLAN-Sektor, der dem, was Wozniak bauen will, noch am nächsten kommt, erwirtschaftete im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar. Zwei Drittel davon kamen von Endkundengeräten im Bereich der Heimvernetzung. Wozniaks Geldgeber glauben, dass sie die Unterschiede zu WLAN aufzeigen können - weil wOzNet speziell für GPS-Anwendungen gedacht ist und sich daher für solche Tracking-Dienste besser eignet.

"Ich mag die Idee eines Consumer-Geräts, das wenig Bandbreite braucht und GPS nutzt", sagt Greg Galanos, Top-Manager bei Mobius Venture Capital, das insgesamt 5,5 Millionen Dollar in Wheels of Zeus steckte. "Weil wir den Endkundenmarkt anstreben, werden wir die Produktionskosten wahrscheinlich stark drücken können. Außerdem kann Steve in diesem Bereich seine Stärken als Erfinder ausspielen."

Tim Barajin, Präsident der Marktforschungsfirma Creative Strategies, meint, dass es fraglos genügend Anwendungen für die Technik gäbe. "Bei all der Angst der Leute vor dem Kidnapping ihrer Kinder befriedigt sie unmittelbar ein urmenschliches Bedürfnis." Damit kann Woz gut leben. (sma)