Der drahtlose Wozniak

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Wheels of Zeus will sowohl Lizenzen für seine Technologie verkaufen als auch seinen Dienst Endkunden anbieten und dafür Abogebühren nehmen. Im Januar lizenzierte man erstmals an Motorola. Der Elektronikkonzern soll die wOzNet-Hardware herstellen und vertreiben. Ende des Winters war allerdings noch nicht klar, wann die ersten Geräte auf den Markt kommen. "Es könnte noch in diesem Jahr sein", sagt Wozniak. Wieder versucht er, komplizierte Technik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das hat er schon einmal mit großem Erfolg getan, dafür ist Wozniak bekannt.

Auch mit 53 Jahren ist Wozniak noch immer als der bärtige Junge erkennbar, der Mitte der 1970er Jahre im berühmten US-Rechnerbastlerverein Homebrew Computer Club auftauchte und dort sein intuitives Ingenieurstalent ausspielte. Sein Büro bei Wheels of Zeus zeigt seine Begeisterung für clevere Technik: So hat ein "Segway Scooter", eine Erfindung seines Freundes Dean Kamen, an einer Wand seinen Ehrenplatz.

Auf seiner Website und auf Papier gibt sich Wozniak gern warmherzig und offen. Persönlich wirkt er ernster und konzentrierter. Er beklagt den Zeitdruck, unter dem er steht: Unzählige Fragen und E-Mails gehen jede Woche ein. Sobald man ihn nach seiner Meinung über grundlegende Themen wie Innovation und Erfindungsgeist fragt oder gar nach einer Analyse seines bisherigen Lebens, weiten sich seine Augen. Er wirkt überrascht und fast erschrocken, als habe er sich nie mit diesen Themen beschäftigt.

Seit dem Beginn seiner Karriere gilt Wozniak als Genie, wenn es etwa um das Herunterbrechen eines Schaltdiagramms auf das Wichtigste geht - ohne Performance-Einbußen selbstverständlich. "Als ich in der sechsten oder achten Klasse war, habe ich schon kapiert, was Effizienz bedeutet: mehr Output bei geringerem Input", sagt er. "Und Effizienz treibt Technik auf dieser Welt."

Diese Ideen stammen bereits aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, in denen einer Pioniergeneration von Computerbauern klar wurde, welche Auswirkungen billigere Rechnerressourcen haben würden. Wozniak, der das College noch nicht abgeschlossen hatte, als er die ersten Apple-Entwürfe fertig stellte, ließ sich von grauer Theorie nicht beeindrucken. Ihm war nur klar, dass die Chips etwa alle sechs Monate immer wieder besser wurden - und er reagierte. "Immer wenn es einen neueren und besseren Chip gab, fragte ich mich, wie ich diesen in meinen alten Designs anwenden könnte, um Komponenten zu sparen."

Wozniaks Ziel war immer, kleinere, schnellere und leichtere Geräte zu bauen. Das "Woz-Gesetz" lautet etwa so: "Immer zu niedrigen Kosten". Diese hartnäckige Suche nach Vereinfachung hat er sich antrainiert - jahrelang lernte er für sich selbst, was er als eine Art Wettstreit mit seinem eigenen Verstand betrachtete. "Das war wie ein Spiel. Du arbeitest härter und härter, und dein Gehirn denkt tiefer und tiefer. Gewonnen hast du, wenn du es schaffst, weniger Komponenten oder weniger Codezeilen zu verwenden. Der Wettbewerb mit anderen Menschen läuft anders. Da geht es nur darum, den besseren Job zu machen und sagen zu können, dass man gesiegt hat. Niemand ginge zurück und würde fragen, was er noch besser machen könnte."

Wozniak erkannte, dass kleinere und billigere Geräte Technik auch normalen Menschen näher bringen. "Wann können schlaue Dinge günstig hergestellt werden?", fragt er sich immer. Für ihn hat Wheels of Zeus mit seiner vernetzten GPS-Technik vor allem deshalb Charme, weil man Heimsysteme bald für ein paar hundert Dollar kaufen kann.

Normalen Kunden Produkte mit echtem Nutzen zu liefern, ist das Mantra fast aller Wozniak-Projekte. Das berühmteste Kind dieses Prinzips dürfte der Apple I sein, den Wozniak 1976 im Homebrew Club vorstellte. Damals gab es die Maschine nur als Blockdiagramm, das Schnittstellen für eine Tastatur und einen Bildschirm vorsah. Den Mikroprozessor des Rechners hatte Wozniak ausgewählt, weil er nur 20 Dollar kostete. Im Club reichte Wozniak die Schaltpläne herum, die so einfach waren, dass fast jedes Mitglied sie nachbauen konnte.