Aufbruch in die dritte Dimension

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Ein echtes Hologramm kann man nämlich von links, rechts, oben und unten betrachten – ähnlich wie ein reales Objekt im Raum. Für jede denkbare Position des Kopfes vor dem Bildschirm müsste damit ein holografischer Fernseher die passenden Bildinformationen berechnen und simultan ausgeben. Dann würde der Betrachter tatsächlich etwa ein Molekül von schräg rechts oben sehen, wenn er seinen Kopf dorthin bewegt. Doch wegen der Vielzahl der gleichzeitig zu erzeugenden 3D-Bilder ist dies praktisch unmöglich.

Die SeeReal-Entwickler bedienen sich jedoch eines Tricks, um das Problem radikal zu vereinfachen. Sie lassen von den Wellenmustern nur diejenigen berechnen, die sich tatsächlich in der Perspektive des Betrachters befinden. Das hochkomplexe Hologramm wird so auf kleine Teilhologramme reduziert, deren Rechenaufwand sich in Grenzen hält. "Wenn die sogenannte Wellenfront perfekt gemacht ist, kann das Gehirn nicht mehr unterscheiden, ob das Objekt real ist oder nicht."

In seinem Labor demonstriert das Dresdner Unternehmen an einem 20-Zoll-Monitor, was mit der Technologie prinzipiell möglich ist. Das Bild flimmert, auch die Farben kann man nur erahnen. Doch dreidimensionale Objekte lassen sich bis auf Armabstand heranholen und extrem weit nach hinten schieben. Die Illusion ist nicht perfekt, aber das Problem der eingeschränkten Tiefendarstellung hat der Prototyp tatsächlich nicht. Nicht nur computergenerierte Inhalte kann das Holodisplay darstellen, sondern auch mit Stereokameras aufgenommenes Filmmaterial.

Allerdings müssen zuvor aus den stereografischen Daten Bildpunkt für Bildpunkt die zugehörigen Tiefeninformationen berechnet werden. Dafür gebe es entsprechende Software, erklärt Stolle, dies sei kein Problem. Dennoch bleiben die SeeReal-Entwickler bisher den Beweis schuldig, ob ihr Ansatz jemals so kristallklare Videobilder liefern wird, wie sie die Systeme mit Brille bereits bieten. "Wir sind mit diversen Display-herstellern in Asien im Gespräch", berichtet Stolle. Es gebe konkrete Projekte mit zwei Unternehmen. Für Ende des Jahres kündigt er einen Prototypen von deutlich besserer Qualität an.

Der potenzielle Zuschauer auf dem Sofa wird dafür tief in die Geldbörse greifen müssen. "Der erste Holo-Fernseher wird teuer, aber das war bei den Plasma- und Flüssigkristallbildschirmen auch nicht anders", erklärt Stolle. Er setzt ganz auf den Wettbewerbsvorteil seiner technisch vermeintlich besseren Lösung: "Geräte mit Shutterbrille hat doch inzwischen fast jeder im Programm."

3D-Monitore ohne Brille haben freilich einen womöglich entscheidenden Nachteil: Sie funktionieren bislang am besten, wenn genau eine Person zentral vor ihnen sitzt. Und beim Display von SeeReal muss der Abstand ziemlich genau zwei Meter betragen. Bei Computerspielen und Konstruktionsarbeiten am Computer ist das kein Hindernis, für den TV-Markt wird dies jedoch die nächste Herausforderung darstellen. Aber wer weiß: Vielleicht finden 3D-Tüftler ja schon bald einen neuen Gauklertrick, um auch dieses Problem zu lösen. (bsc)