Aufbruch in die dritte Dimension
Bei Cinemaxx sind in der Regel zwei Säle je Kino-Komplex 3D-tauglich. "Wir wollen natürlich in diesen Sälen auch 3D-Filme zeigen", erklärt Reichert. "Nur dann können wir den Eintritt um bis zu drei Euro erhöhen." Binnen kürzester Zeit ist so ein ganz neuer Markt für 3D-Filme wie "Avatar" entstanden, auf dem die kontinuierliche Nachfrage durch die Kinobetreiber den 3D-Boom noch mehr verstärkt.
Dabei ist die Thematik nicht einmal neu. Die erste Stereografie-Welle schwappte in den fünfziger Jahren durch die Kinos. 160 Filme wurden gedreht, schon damals mussten die Zuschauer Brillen für den 3D-Effekt tragen. Perfekt war das Bild freilich nie, denn die zwei Projektoren liefen nur selten absolut synchron und waren kaum gleich hell. Viele Zuschauer bekamen daher vom längeren Zuschauen Kopfschmerzen, worauf 3D schnell aus den Kinos verschwand.
In den Achtzigern und Neunzigern gewann es durch Dutzende im Imax-Format produzierte Filme erneut an Aufmerksamkeit, jedoch wieder nur von kurzer Zeit. Nun jedoch soll 3D dank Digitaltechnik richtig durchstarten – so versprechen es zumindest die Hardware-Hersteller. Denn unscharfe Bilder und eingeschränkte Farben könne man ausschließen, wenn die Bilder für das linke und rechte Auge digital projiziert würden.
In praktisch allen Kinosälen wird dabei mit polarisiertem Licht gearbeitet. Ein Beamer wirft die Bilder für das rechte und das linke Auge an die Leinwand. Spezielle Folien vor der Linse polarisieren dabei die beiden Bilder unterschiedlich. Das Licht für das eine Auge schwingt in einer anderen Ebene als das für das andere. Weil die Zuschauer Brillen mit Polarisationsfiltern tragen, erhält jedes Auge nur das für es bestimmte Bild. Dessen Qualität ist bestechend. Dank einer Auflösung von rund 2000 mal 1000 Pixeln erscheinen selbst feinste Details extrem klar, was bei herkömmlichen Streifen in 2D nicht garantiert ist. Analoge Filmkopien auf 35 Millimeter sind nicht selten unscharf oder sogar zerkratzt.
Die Nachfrage nach 3D-Filmen könnte daher auch den lange angekündigten Systemwechsel von analogen 35-Millimeter-Projektoren hin zu leistungsstarken, in hoher Auflösung darstellenden Beamern beschleunigen. Das würde auch herkömmlichen Filmen zugutekommen. Statt als teure und empfindliche Filmrolle könnten somit sämtliche Streifen künftig via Datenleitung in das Kino gelangen. Verleiher würden so viel Geld für den Transport sparen, Kinos könnten ihr Programm flexibler gestalten und im Extremfall sogar in allen Sälen denselben Film zeigen.
Laut einer Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers werden 2014 in Europa 15 bis 25 Prozent der Kinosäle 3D-tauglich sein, in den USA sogar bis zu 30 Prozent. Und auch in den Wohnzimmern sehen die Marktforscher eine schnelle Verbreitung der 3D-Technik: 15 bis 25 Prozent der US-Haushalte und bis zu 15 Prozent der europäischen Haushalte sollen in vier Jahren darüber verfügen.
Die 3D-Technologie innerhalb der eigenen vier Wände wird dabei aber auf einer anderen Technologie basieren. Fast alle TV-Geräte-Hersteller setzen auf sogenannte Shutterbrillen, deren Gläser aus Flüssigkristallbildschirmen bestehen und abwechselnd lichtdurchlässig und lichtundurchlässig geschaltet werden. Dies geschieht synchron zum Fernseher, vorausgesetzt, er besitzt eine Bildwiederholrate größer/gleich 120 Hertz und stellt abwechselnd ein Bild für das rechte und linke Auge dar.
Ein weltweit einheitlicher Standard für 3D-Fernsehen existiert bislang nicht, doch es ist klar, dass dieser nichts anderes sein wird als eine Erweiterung des HD-Standards auf zwei parallel übertragene Bilder. Die Aufbereitung der digitalen Daten für den Fernseher übernimmt dabei eine 3D-fähige Set-Top-Box, sodass im Grunde egal ist, in welcher Kodierung die Bilder aus dem Kabel oder vom Satelliten kommen.
Der Vorteil der Shutter-Technik besteht darin, dass jedes Auge die volle Bildschirmauflösung sieht, was beim Standard Full HD ähnlich beeindruckend ist wie im 3D-Kino. Zudem liefern die Fernseher auch ein exzellentes 2D-Bild. Allerdings drücken die batteriebetriebenen Brillen auf der Nase und sind mit über 100 Euro pro Zuschauer ein zusätzlicher Kostenfaktor. Wer zehn Freunde zum 3D-Filmabend nach Hause einladen will, wird sich das daher wohl zweimal überlegen. Für Computerspiel-Freaks, die in der Regel allein vor dem Monitor sitzen, ist die Anschaffung einer Brille dagegen weniger problematisch.