Liebe Leserinnen und Leser,
exponentiell ist das neue Trendwort der Tech-Szene. Weil Disruption nicht mehr reicht, gesellt sich der Glaube an einen sich exponentiell beschleunigenden Fortschritt hinzu. Er ruht auf einer schlichten Grundlage: Moore's Law für Computer wird auch alle anderen technologischen Felder erfassen.
Daraus folgt für die Deuter des digitalen Zeitalters eine prägnante Botschaft: Seid schneller, sonst seid ihr schnell gar nichts mehr. Doch die Beweislage ist erstaunlich dünn. Immer taucht Apples iPhone als Beispiel auf. Es hat zweifellos ganze Branchen verändert. Aber das iPhone ist zehn Jahre alt. Google? 1997 gegründet, seit 2001 in der Gewinnzone. Amazon? 1994 gestartet.
Wer rasenden Wandel belegen will, sollte neuere Beispiele anführen können. Wem keine einfallen, sollte die zugrunde liegende These anzweifeln. Genau das hat unsere Autorin Eva Wolfangel getan. Sie fragte Ökonomen, Trendforscher bei Daimler und SAP sowie Experten für künstliche Intelligenz und wollte wissen: Was steckt hinter der Behauptung vom rasanten Wandel? Die Antworten finden sich ab Seite 28.
Bestehen bleibt natürlich: Den Letzten beißen die Hunde. Aber um vorn dabei zu sein, muss man nicht schneller laufen – sondern früher starten. Seit 14 Jahren begleitet Technology Review die Entwicklung neuer Technologien, und immer wieder zeigt sich: Keine Innovation kommt so überraschend, dass sich niemand darauf vorbereiten kann. Die synthetische Biologie etwa – der Versuch, Lebewesen zu konstruieren wie Maschinen – ist durchaus eine gewagte Idee. Und doch ist jetzt schon absehbar, welches Potenzial sie birgt. Wir sollten vorbereitet sein, wie unser Fokus ab Seite 66 zeigt.
Vor diesem Hintergrund möchte ich Sie auf ein besonderes Event hinweisen: Am 28. Juni stellen wir unsere besten „Innovatoren unter 35“ des Jahres 2017 in Berlin vor. Erfahren Sie, welche Ideen die Zukunft prägen werden. Kostenlose Anmeldung unter www.heise-events.de/tr35
Ich begrüße Sie in unserer Juni-Ausgabe.
Ihr
Robert Thielicke