MOBILFUNK
Auch Gratis-Streams haben ihre Kosten – für alle
Es ist ein vergiftetes Geschenk: Die Deutsche Telekom offeriert für bestimmte Mobilfunktarife seit Kurzem den kostenlosen Zusatzdienst StreamOn. Das Streamen von Musik und Filmen wird damit nicht mehr auf das Datenvolumen angerechnet. Für die betroffenen Kunden mag das eine gute Nachricht sein, für alle anderen eher nicht. Denn das sogenannte „Zero Rating“ gilt nur für die Inhalte von knapp zwei Dutzend handverlesenen Partnern, darunter Amazon, Netflix, Napster, Sky, YouTube, Spiegel Online und das ZDF. Spotify und viele andere bleiben außen vor.
Damit wandelt sich die Telekom vom neutralen Provider zu einem Türsteher, der bestimmte Inhalte bevorzugt und andere ausbremst. Das bedroht die Vielfalt im Netz. Inhalte-Anbieter, die es – aus welchen Gründen auch immer – nicht in solche Zero-Rating-Angebote schaffen, dürften ein zunehmendes Problem bekommen, weiterhin Kunden zu finden. Und für Kunden wird die Welt der Mobilfunkverträge noch unübersichtlicher. Dazu kommt: In einer Mobilfunkzelle müssen sich alle Nutzer die zur Verfügung stehende Bandbreite teilen. Streamen ein paar privilegierte Kunden, was das Zeug hält, verlangsamt sich der Netzzugang für die anderen.
Die Bundesregierung hätte mit der Novelle des Telekommunikationsgesetzes Ende April die Chance gehabt, das Zero Rating zu untersagen und damit ein klares Signal für die Netzneutralität zu setzen. Aber die Hoffnung darauf war wohl naiv. Schließlich hält der Bund immer noch knapp ein Drittel der Telekom-Anteile.