MIT Technology Review 1/2016
S. 15
Aktuell

Medizin

Echolot-Brille für Blinde

Orientierung durch Tonsignale: „vOICe“. Foto: vOICe

Ein Wissenschaftlerteam am California Institute of Technology (Caltech) hat eine Brille entwickelt, die Sehbehinderten mehr Bewegungsfreiheit verschaffen soll. Das Gerät enthält eine Minikamera, deren Aufnahmen an einen kleinen Computer weitergeleitet werden. Dieser setzt über eine spezielle Software die Bilder in Tonsignale um, die der Träger wiederum über Kopfhörer ins Ohr übertragen bekommt.

Das „vOICe“ betitelte System soll den Forschern um Noelle Stiles und Shinsuke Shimojo zufolge schnell erlernt werden können. Sie hoffen, dass sich im Gehirn des Trägers Muster aufbauen, die die Töne dem natürlichen Lokalisierungssinn zuordnen.

BEN SCHWAN

materialien

Graphen-Papier faltet sich von selbst

Foto: Mu et al. Sci. Adv. 2015;1:e1500533

Blätter aus Papier verändern sich in der Sonne. Ähnlich ist es bei hauchdünnem Papier aus Graphen, das sich unter Wärmestrahlung wie von selbst zu einem Würfel falten kann. „Dieses selbstständige Falten ist programmierbar, sodass sich das Material nicht nur in vorher festgelegte Strukturen verformen, sondern auch fortbewegen kann“, sagt Hongzhi Wang von der Donghua University in Shanghai. Mit seinen Kollegen fertigte er ultradünne Schichten aus Graphenoxid, die sie in einem nasschemischen Verfahren mit einem Kunststoff verbanden. Nun kann ihr Papier, das in feuchtem Zustand flach bleibt, auf einer Seite Wasser aufnehmen. Wird es mit Wärmestrahlung im Infrarotbereich angetrocknet, faltet sich das Blatt in zwei Sekunden entlang vorher definierter Knicke auf und entfaltet sich in feuchter Umgebung wieder. Dank einer geschickten Anordnung konstruierten die Forscher daraus bereits eine einfache lichtgesteuerte Greifhand. Als Anwendung können sie sich eine bewegliche Unterlage für Solarzellen vorstellen, die sich auf den Lauf der Sonne ausrichten. JAN OLIVER LÖFKEN

datenschutz

Telekom und Fraunhofer arbeiten an Volksverschlüsselung

E-Mails fließen meist ohne Schutz und unverschlüsselt durchs Netz. Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) will daher nun zusammen mit der Deutschen Telekom den Nutzern das Anwenden von Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen erleichtern.

Bei dieser Technik können nur Sender und Empfänger eine Nachricht lesen. Unterwegs kann niemand den Inhalt abgreifen: Die sogenannte Volksverschlüsselung soll kostenlos sein und sich im Gegensatz zu anderen Verfahren einfach bedienen lassen.

Dazu wird sowohl die Software zur Erzeugung sicherer Schlüssel als auch das vom Nutzer verwendete E-Mail-Programm passend vorkonfiguriert, sodass die privaten Nutzer gleich losmailen können. Unterstützt werden die Programme Outlook und Thunderbolt unter Windows, später sollen auch OS X Mail sowie Anwendungen für iPhone, Android und Linux hinzukommen.

Verwendet wird derzeit der in vielen E-Mail-Programmen bereits vorhandene Standard S/MIME, künftig soll aber auch die Nutzung des professionelleren OpenPGP möglich sein. Zur Schlüsselerstellung werden sich die Nutzer entweder mithilfe der Telekom identifizieren oder mit dem elektronischen Personalausweis authentifizieren. BEN SCHWAN