MIT Technology Review 1/2016
S. 14
Aktuell

gesundheit

App gegen Tinnitus

Foto: Tinnitracks

Immer mehr Menschen leiden an einem Klingeln oder Geräusch im Ohr, medizinisch auch Tinnitus aurium genannt. Die Entstehung kann stressbedingt sein, aber auch körperliche Ursachen haben. Das Hamburger Start-up Sonormed hat nun eine App für iOS- und Android-Geräte entwickelt, mit der sich die Symptome verringern lassen sollen.

Die Anwendung namens Tinnitracks filtert in vom Nutzer vorgegebener Musik jene Frequenzen heraus, in denen der Tinnitus für den Betroffenen besonders stark ist. Das regelmäßige Hören der gefilterten Musik soll dann im Anschluss die für die unschönen Geräusche verantwortlichen überaktiven Nervenzellenareale im Hörzentrum beruhigen – und das laut Sonormed „nachhaltig“.

Allerdings benötigt man dafür etwas Zeit: Betroffene müssen die Tinnitracks-Anwendung über vier Monate mindestens 90 Minuten täglich nutzen, um erfolgreich zu sein. Anwenden können die Therapie nur Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, wobei die dominante Tinnitus-Frequenz unter 8500 Hz liegen muss.

Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie arbeitet Sonormed darüber hinaus an einer verbesserten Therapie für Menschen, die zusätzlich zum Tinnitus an Hörverlust leiden. Dazu soll es ab 2016 eine individuelle Hörunterstützung geben.

BEN SCHWAN

UMWELT

Schockwellen säubern das Wasser

Auch Fracking-Wasser (im Bild: ein Sammelbecken) kann durch das neue Verfahren gereinigt werden. Foto: M.I.T.

Die Entsalzung von Meerwasser kostet normalerweise viel Energie. Das Massachusetts Institute of Technology hat nun ein sparsameres Verfahren entwickelt (DOI: 10.1021/acs.estlett.5b00303). Dabei fließt das Wasser durch eine Röhre mit porösem Material, etwa kleinen Glaskügelchen. Legt man über Elektroden eine Spannung an, wandern die Salz-Ionen zum entsprechenden Pol. Elektrisch erzeugte Schockwellen bauen eine Art flüssige Barriere auf, sodass sich die Ströme von salzigem und sauberem Wasser trennen lassen. Anders als bei herkömmlichen Verfahren müssen dazu weder Wassermoleküle noch Ionen durch Membranen wandern, die gern verstopfen oder verschleißen.

Ein Prototyp entfernt nach Angaben der Forscher um Martin Bazant bis zu 99,99 Prozent der Salze. Genaue Angaben über die eingesparte Energie machen sie allerdings nicht. Nun wollen sie eine größere Versuchsanlage bauen. In nächster Zeit, räumen sie ein, wird ihr Verfahren wohl keine Konkurrenz zu den großen Entsalzungsfabriken sein. Aber da es wenig Aufwand erfordere, sei es auch gut für die mobile Wasserbehandlung geeignet, etwa nach Katastrophen. GREGOR HONSEL

geben die 20 größten Volkswirtschaften der Welt jährlich für die Förderung fossiler Brennstoffe aus fast viermal so viel wie für Erneuerbare. Das geht aus einer Studie des britischen Overseas Development Institute hervor. Mehr als die Hälfte besteht aus Investitionen staatlicher Unternehmen. Den Rest machen Steuervergünstigungen, Subventionen und öffentliche Finanzierung aus.