Der Plastikfischer
Als Boyan Slat seine Idee eines gigantischen Plastik-Fangnetzes für die Weltmeere vorstellte, hielten viele die Idee für absurd. Nun installiert er einen zwei Kilometer langen Prototyp vor Japan.
Es mag öfters vorkommen, dass ein 18-Jähriger davon träumt, die Umwelt zu retten. Aber es ist selten, dass er es dann auch wirklich tut. Boyan Slat war 18, als er sich vornahm, die Weltmeere vom Plastikmüll zu säubern. 2013 gründete der junge Holländer an der TU Delft die Ocean Cleanup Initiative. Und jetzt, nach zahlreichen Tests, Expeditionen und Machbarkeitsstudien, steht nächstes Jahr die erste Nagelprobe für Slats ehrgeiziges Vorhaben an. Eine zwei Kilometer lange Filteranlage vor der japanischen Insel Tsushima soll der Welt beweisen: Es ist möglich!
Sie wird die größte schwimmende Struktur sein, die Menschen je gebaut haben – und könnte der erste Schritt zur möglichen Lösung eines gewaltigen Problems sein, vor dem schon viele kapituliert haben. Bis zu 150 Millionen Tonnen Plastik treiben in unseren Weltmeeren – es sind Schätzungen, genaue Zahlen hat niemand. Und jedes Jahr kommen weitere acht Millionen Tonnen hinzu – vom Wind verwehter Plastikmüll, über die Flüsse ins Meer gespült oder direkt aus Schiffen geworfen. Die Plastikteile konzentrieren sich in fünf gigantischen Meereswirbeln, wo sie über Jahrzehnte unter dem aggressiven Einfluss des Salzwassers und der Sonnen-UV-Strahlung in immer kleinere Stücke zerfallen. Das Plastik tötet nicht nur die Meerestiere, die es fressen. Er kommt auch über die Fischerei wieder zurück auf unsere Teller – und mit ihm jede Menge giftiger Chemikalien, die an das Plastik gebunden sind.