Die Fahrzeugarchitektur des autonomen Fahrens
Seite 4: Fazit
Die Anforderungen an die Architekturen für das autonome Fahren sind deutlich komplizierter geworden. Durch die Kombination von Aspekten wie Standardarchitekturen, funktionale Sicherheit, Informationssicherheit, Mehrkernsysteme und Verfügbarkeit ist es aber möglich, zuverlässige Systeme ("dependable systems") zu entwerfen und die einzelnen Systemaspekte je nach Anwendungsfall ideal zu gewichten und zu kombinieren.
Eine Kernkompetenz, die bei allen Beteiligten in der automobilen Zulieferkette aufzubauen ist, ist das Systems Engineering und damit das fachübergreifende Verständnis von der Physik über die Elektronik bis zur Software.
Für (Software-)Entwickler heißt dies, dass er in Zukunft mehr Systemverständnis mitbringen muss, um das Systemverhalten in entsprechenden Tools mit verknüpften Codegeneratoren zu modellieren. Die klassische Softwareentwicklung fokussiert sich auf die Entwicklung für Tooling und Codegeneratoren sowie Standardfunktionen, die als wiederverwendbare Produkte eingekauft werden. Für die Integration der Software werden weiterhin Spezialisten benötigt, die Fehler auf allen Ebenen von deeply-embedded bis serviceorientiertes Verhalten verstehen, analysieren und beheben können.
Neue Fahrzeughersteller und Zulieferer werden in den nächsten Jahren auf dem Automobilmarkt auftauchen. Insbesondere IT-Firmen setzen diese Technologien seit Jahren in anderen Bereichen ein und folgen der Vision, das Auto als Smartphone auf Rädern zu betreiben. Denn durch das autonome Fahren haben die Fahrzeuginsassen wesentlich mehr Zeit zur Verfügung, die sie beispielsweise zum Telefonieren, Lesen oder auch online Einkaufen nutzen können. Durch die Umwandlung von Fahrzeit in Internetnutzungszeit entstehen ganz neue Geschäftsmodelle.
Auch die Business Cases der OEMs werden zunehmend nicht nur durch den Verkauf, sondern durch den Betrieb des Fahrzeugs bestimmt. In der Diskussion sind beispielsweise neuartige Miet- und Leasingkonzepte, die nicht mehr das Auto als Produkt, sondern die Dienstleistung "Mobilität" zum Gegenstand haben. In Zukunft könnte es also sein, dass der Mietpreis der autonomen Transportkapsel, die einen zur Arbeit bringt, zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich ausfällt.
Rudolf Grave
studierte Elektrotechnik an der TU Hamburg-Harburg. Seit 2005 arbeitet er bei Elektrobit und betreut AUTOSAR-Projekte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Themengebieten Multicore und funktionale Sicherheit.
(ane)