Wo bleibt der europäische Hybrid?

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Der Otto-Hybrid wird schon aus KostengrĂĽnden die vorherrschende Variante sein. Insbesondere im US-amerikanischen Markt, wo gleichzeitig und durchaus konkurrierend die EinfĂĽhrung von Diesel-Pkw beginnt, ist in absehbarer Zeit mit einem Dieselhybrid nicht zu rechnen. Anders in Europa: Hier arbeiten Automobilfirmen ernsthaft an der Entwicklung von Dieselhybridfahrzeugen [3, 4, 5].

Über die zu erwartenden Stückzahlen für die nächsten Jahre liegen keine verlässlichen Daten vor. Die Automobilhersteller antworten sehr zögerlich und sprechen davon, alle Szenarien von einer Randerscheinung bis hin zu einer Marktdurchdringung von 50 Prozent zu betrachten. Etwas konkreter wurde Prof. Ferdinand Dudenhöffer [6]: Er prognostiziert für den US-amerikanischen Markt 3,0 Mio. Hybridfahrzeuge im Jahre 2015, was einem Marktanteil von annähernd 18 Prozent entspricht.

Schritte in die richtige Richtung
Der Hybridantrieb ist sicher nicht die einzige Lösung der durch Kraftfahrzeuge verursachten Umweltprobleme. Er ist aber vielleicht der erste Schritt in eine neue Richtung. Der Elektroantrieb wird in ferner Zukunft sicher eine größere Rolle spielen, wenn die Brennstoffzelle die größte Schwäche der heutigen Elektrofahrzeuge, den Energiespeicher, weitgehend ersetzt. Bis dahin wird man mit den heutigen und zukünftigen Hybridfahrzeugen so viel Erfahrung gesammelt haben, dass die benötigten elektrischen Bauteile im „Automobil-Standard“ vorliegen und auch der Umgang mit hohen Spannungen kein unlösbares Problem mehr ist.

Doch auch bis dahin können die Hybridfahrzeuge einen Beitrag für umweltschonenderes Autofahren leisten. Richtig ausgeführt haben sie einen Verbrauchsvorteil gegenüber dem konventionellen Fahrzeug, der in Anbetracht ständig steigender Kraftstoffpreise und schärferer CO2-Anforderungen immer entscheidender wird. Die Hybridtechnik ist keine Konkurrenz für den Verbrennungsmotor, sie fordert jedoch neue Ansätze und neue Wege in seiner Entwicklung. Die Hybridtechnik macht den Weg frei für mehr Elektrifizierung im Auto. Auch das nahezu konventionell motorisierte Fahrzeug profitiert mit einem hocheffizienten Generator und einer weiterentwickelten Starterbatterie von den Fortschritten der Hybridentwicklung.

Ein guter Hybrid braucht Zeit
Eine Hybridisierung verändert die gesamte Fahrzeugentwicklung, weil sie in vielen Details Änderungen und Anpassungen am Fahrzeug erfordert. Ein neues Hybridfahrzeug wird die Kunden auf längere Sicht nur überzeugen können, wenn die technischen Anforderungen und Möglichkeiten kompromisslos umgesetzt werden – und das kostet Zeit. So lässt sich der Vorsprung von Toyota erklären, aber auch die scheinbare Zögerlichkeit der Europäer. Ein Hybridfahrzeug lässt sich nicht schnell nebenher entwickeln – umso spannender ist es, welche Hybridkonzepte von europäischen Herstellern zu erwarten sind.

Literatur
[1] Pischinger, S. et al: Optimierte Auslegung von Ottomotoren in Hybrid-Antriebssträngen. In: MTZ 7-8/2007
[2] VoĂź, B. et al: Anforderungen an die Serienentwicklung von Hybridfahrzeugen. In: ATZ 6/2006 und 7-8/2006
[3] Predelli, O. et al: Auslegung von Dieselmotorsteuerungen in Pkw-Hybridantrieben. Tagung „Hybridfahrzeuge und Energiemanagement“. Braunschweig, 14. und 15.02.2007
[4] Blumenröder, K. et al: Dieselmotor und Hybrid: Widerspruch oder sinnvolle Alternative? 28. Internationales Wiener Motorensymposium. 26. – 27. April 2007
[5] Nietschke, W: Interview: Kommt der Diesel-Hybrid? In: heise Autos, Juni 2007
[6] Dudenhöffer, F.: Die Marktentwicklung von Hybrid-Fahrzeugkonzepten. In: ATZ 04/2005

(Dr. Burghard VoĂź, IAV GmbH) (ggo)