Tesla Model 3 startet
Kann es passieren, dass Tesla bei diesem Rennen die Rolle des Ausreißers zufällt, der lange vorneweg fährt - um am Ende vom restlichen Feld verschluckt zu werden? Oder schafft Musk es doch, nicht einfach nur einen Trend zu setzen, sondern kann sich auch gegen die Goliaths der Branche behaupten? Die Branchenexperten sind gespalten. Diese Woche senkte Goldman Sachs den Daumen über der Tesla-Aktie und riet Anlegern, das Papier zu verkaufen. Der Absatz im ersten Halbjahr, bei dem die untere Grenze der selbstgesetzten Spanne von 47.000 bis 50.000 knapp erreicht wurde, lasse vermuten, dass das Interesse an den bisherigen teuren Wagen Model S und Model X abflaue. Die Aktie verlor am Mittwoch (5. Juli 2017) gut sieben Prozent und weitere sechs Prozent am Donnerstag. Damit fiel der Börsenwert von Tesla wieder hinter den von General Motors zurück.
Model 3 wird nicht profitabel
Analyst Max Warburton von der Investmentfirma Sanford Bernstein hält den Kursrutsch für angemessen. Er glaubt nicht an Musks Versprechen: „Das Model 3 wird nicht profitabel sein und der Markt anfangen zu realisieren, dass Tesla nicht in der Lage ist, das erhoffte Wachstum zu liefern“. Die Firma habe mit vielen neuen Rivalen zu kämpfen und keinen klaren technologischen Vorsprung aufbauen können, weder bei Batterien, die sie bislang Zellen von Panasonic beziehe, noch bei selbstfahrenden Autos, wo Teslas Fähigkeiten überschätzt würden.
Andere Finanzprofis sind hingegen zuversichtlich. Die Berenberg Bank etwa hob ihr Kursziel für die Tesla-Aktie jüngst an. Analyst Alexander Haissl hält die Elektroauto-Bemühungen der etablierten Branchengrößen für halbherzig und sieht keine ernsthafte Konkurrenz für Tesla. Er geht davon aus, dass die Firma aus dem Silicon Valley in den kommenden fünf Jahren knapp 33 Milliarden Dollar investieren wird. Das sind rund 40 Prozent mehr als Daimler und Volkswagen zusammen für Elektroantriebs-Projekte in die Hand nehmen wollten.
Wettbewerbsvorteil für Tesla
Accenture-Experte Schmidt sieht einen wichtigen Wettbewerbsvorteil für Tesla: Die eigene Batteriefertigung. „Zwar sinken die Batteriepreise derzeit, doch könnte sich das Angebot wegen steigender Nachfrage durch Massenproduktion von E-Autos in den kommenden Jahren stark verknappen. Tesla wäre dann mit seiner eigenen Batterieproduktion unabhängiger von nachfragebedingten Schwankungen bei Verfügbarkeit und Preis.“
Für die Autoindustrie sind das keine einfachen Zeiten, weil grundlegende Entscheidungen darüber gefällt werden müssen, in welche Richtung entwickelt werden muss. Ein Fehltritt kann fatale Folgen haben, denn Entwicklungsprozesse lassen sich nicht innerhalb kurzer Zeit verändern. Doch wie immer birgt jeder Umbruch auch Chancen. Zumal kaum anzunehmen ist, dass Tesla einen möglichen Massenansturm auf batterieelektrischen Autos allein befriedigt.
(Andrej Sokolow und Hannes Breustedt, dpa) (mfz)