Roboter im Atomkraftwerk: Radioaktivität ist nicht leicht zu erkennen
Seite 2: Schwierigkeitsgrad erhöhen – realistischere Anforderungen
Das italienisch-schwedische Team Brokk, das beim gestrigen Testlauf wegen eines gebrochenen Datenkabels passen musste, trat gleich mit drei Operatoren an, die auf fünf Monitoren die Bewegungen vom Roboter und dessen Kameras steuerten, die gemessenen Strahlungswerte im Auge behielten und manuell in eine Umgebungskarte eintrugen. Aufgrund der Größe des Roboters war das Manövrieren besonders in den Kurven nicht ganz einfach.
Zurück in die Transportwanne
Als er den Bereich erreichte, wo einige der dünnen Zylinder verstreut lagen, die möglicherweise radioaktives Material enthielten, war das Greifen dieser kleinen Objekte die nächste Herausforderung. Einmal ging der Griff schief und der Zylinder wurde aus der Reichweite katapultiert. Wenn ein Objekt sicher gegriffen war, bewegte der Operator es zum Gammadetektor. Einige Teammitglieder machten schon Bemerkungen, dass es wohl nicht radioaktiv sei, als mit mehreren Sekunden Verzögerung auf einmal doch die Messwerte nach oben schnellten.
Zwei heiße Proben konnten im dafür vorgesehen Eimer deponiert werden, dann musste der Roboter den Rückweg antreten. Die Regeln verlangen, dass sich die Roboter am Ende der Laufzeit wieder in der Transportwanne befinden, um vom Kran wieder nach unten gebracht zu werden.
Größere Entfernung wäre realistischer
Bei Enrich sind die Kontrollstationen für die Roboter im Eingangsbereich des Kernkraftwerks untergebracht. Das ist angesichts von Außentemperaturen über 30 Grad Celsius und einem schätzungsweise 15 bis 20 Grad kühleren Wind, der aus dem Kraftwerk heraus weht, eine erhebliche körperliche Belastung, ansonsten aber ein für einen Störfall eher unrealistisches Szenario.
Roboter durchsuchen das "sicherste Atomkraftwerk der Welt" (7 Bilder)

Blyweert geht davon aus, dass im Ernstfall die Rettungskräfte in der Lage sein müssen, die Roboter aus einer Entfernung von fünf bis zehn Kilometern zu steuern. Als größte Herausforderung sieht er daher die Aufrechterhaltung der Kommunikation. In Frankreich werde gerade mit Ballons experimentiert, um den Kontakt zum Kraftwerk herzustellen. Für die Verbindung zu den Robotern innerhalb des Kraftwerks müsse dort ein Netzwerk aus Relaisstationen errichtet werden. Eine verlässliche Lösung dafür gebe es jedoch noch nicht.
Höhere Anforderungen bei weiteren Wettbewerben
Bei Enrich können die Teams auf ein vorab installiertes WLAN zurückgreifen. Auch sonst sind die Bedingungen noch eher moderat. Am Rande der Veranstaltung war aber schon zu hören, dass es Fortsetzungen geben könnte, bei denen der Schwierigkeitsgrad nach und nach angehoben werden dürfte, etwa durch mehr herumliegende Trümmerhaufen oder den Wegfall des WLAN. Blyweert hat noch andere Ideen. Die Strahlung sei nicht die einzige Herausforderung bei einem Kraftwerksunfall. Wenn ihm Sensoren angeboten werden, frage er immer: Funktionieren die auch bei hohen Temperaturen und dichtem Dampfnebel? Meistens sei die Sache damit erledigt. (kbe)