Planetenforscher-Konferenz EPSC 2020: Theorien zu heißen Jupitern und Supererden
Seite 2: Sehr heißer Jupiter
Die Supererde LHS 3844b hat etwa den 1,3-fachen Durchmesser der Erde. Der 2018 entdeckte Exoplanet WASP-189b dagegen hat den 1,6-fachen Durchmesser des Jupiter und umkreist seinen Heimatstern einmal alle 2,7 (Erden-) Tage. Der jetzt vom ESA-Observatorium CHEOPS (CHaracterising ExOPlanet Satellite) noch einmal genauer beobachtete Planet ist unter den heißen Jupitern ein besonders heißer Kandidat: Mit 3200 Grad Celsius übertrifft er sogar manchen Roten Zwerg. Diese von CHEOPS präzise bestimmte Temperatur ist nicht seine einzige Besonderheit: Er rotiert zudem so schnell, dass sein Radius am Äquator deutlich größer ist als an den Polen, wodurch er an den Polen auch heißer ist und heller leuchtet. Vor allem aber umkreist WASP-189b seinen Stern nicht in dessen Äquatorebene, wie es bei einer Entstehung aus der protoplanetaren Scheibe zu erwarten wäre. Vielmehr verläuft sein Orbit im rechten Winkel dazu über die Pole des 326 Lichtjahre entfernten Sterns. Wissenschaftler vermuten, dass er sich ursprünglich in größerer Entfernung gebildet hat, dann aber entweder von anderen großen Planeten oder durch einen vorbeiziehenden Stern ins Innere des Planetensystems und auf den polaren Orbit gedrückt wurde.
Übrigens ist nicht nur WASP-189b so heiß, sondern auch sein Heimatstern strahlt an der Oberfläche mit 8000 Grad Celsius etwa 2000 Grad heißer als unsere Sonne. "Es ist nur eine Handvoll Planeten um so heiße Sterne herum bekannt, und dieses System ist bei weitem das hellste", sagt Monika Lendl (Universität Genf), leitende Autorin der Studie, die in Astronomy & Astrophysics erschienen ist. "WASP-189b ist auch der hellste 'heiße Jupiter', den wir beobachten können, wenn er vor oder hinter seinem Stern vorbeizieht, was das ganze System wirklich faszinierend macht."
"Es ist eine fremde, seltsame Welt", ließ David Lynch einst in dem Film "Blue Velvet" (1986) seinen jungen Protagonisten Jeffrey immer wieder aussprechen. Angesichts der mittlerweile beobachteten Exoplaneten liegt die Frage nahe: Wieso nur eine?
(olb)