Neuer Ford Focus: erste Fahreindrücke

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Während es an der Materialgüte und der Verarbeitung im Cockpit nichts auszusetzen gibt, offenbaren sich ergonomische Schwächen. Der wuchtige Armaturenträger beschneidet mit seiner Keilform den Fußraum des Beifahrers, während Fahrer mit längeren Beinen dem Lichtschalter ziemlich nahe kommen. Hinzu kommt eine wuchtige Mittelkonsole, die in Verbindung mit der flachen A-Säule und den schmalen Seitenscheiben für ein beengtes Raumgefühl sorgt, obwohl es vorne genug Platz für Kopf und Arme gibt. Unpraktisch ist die Platzierung des Handbremshebels links neben der Schaltkulisse, beim Schaltvorgang wird durch die größere Entfernung eine raumgreifende Bewegung nötig. Etwas umständlich ist die Handhabung der vielen Knöpfe sowohl in der Mittelkonsole als auch im Lenkrad, deren Funktionen sich nicht sofort erschließen, zumal die Menüführung teilweise ablenkt. Immerhin ist ein Multimediasystem mit Touchscreen-Bedienung fest für den Focus eingeplant.

Zum Marktstart hält Ford für den neuen Focus jeweils vier Benziner und vier Diesel zur Auswahl bereit. Wir konnten die jeweiligen Top-Motorisierungen fahren. Bei den Ottomotoren ist dies der 1,6-Liter-EcoBoost, ein Reihenvierzylinder mit Direkteinspritzung, Start-Stopp-System und einer Leistung von 182 PS. Die Maschine weist ein maximales Drehmoment von 240 Nm auf, kurzzeitig sind auch 270 Nm möglich. Das Drehmoment-Maximum liegt zwischen 1600 und 5000 Umdrehungen an, was sich im Fahrbetrieb positiv bemerkbar macht. Gleichmäßig und kraftvoll zieht der Focus vom Start weg an, der breite Drehzahlgipfel ermöglicht ein schaltfaules Fahren. Dabei bleibt der Motor angenehm laufruhig, einzig unter Last dringt ein je nach Gusto sportlich-knurriger Sound ans Ohr. Auf der Autobahn wird diese Note um Windgeräusche erweitert. Keinerlei Probleme bereitet die leichtgängige und exakte Sechsgang-Schaltung mit Schaltpunktanzeige. Leider ist für den EcoBoost-Motor das Ford-eigene Doppelkupplungsgetriebe (DKG) namens "PowerShift" nicht erhältlich. Wer die Kombination Benziner und DKG bevorzugt, findet ab Sommer 2011 einen 125 PS starken 1.6er mitsamt PowerShift beim Händler vor.

Dieselfreunde können das PowerShift-Getriebe mit dem 2.0 TDCi kombinieren, der in Leistungsstufen von 115, 140 und 163 PS angeboten wird. Bei dem von uns gefahrenen stärksten Selbstzünder agiert die Schaltbox unauffällig, jedoch zieht jeder Wechsel der insgesamt sechs Stufen einen großen Drehzahlsprung nach sich. Die Folge ist aber eine spürbare Antrittsschwäche. Besonders bei Steigungen oder aus Kurven heraus nimmt sich die 163-PS-Maschine eine Gedenksekunde, um dann umso vehementer loszustürmen. Der Blick ins Datenblatt klärt auf: Erst zwischen 2000 und 3250 Touren steht das maximale Drehmoment von 340 Nm bereit. Weiter verbessert hat Ford die bereits beim Vorgänger gelobte Fahrdynamik. Neu ist eine elektrische Servounterstützung für die Zahnstangenlenkung. Sie sorgt für ein sehr präzises Einlenkverhalten und ein vorzügliches Handling. Letzteres wird durch ein gut abgestimmtes Fahrwerk prima ergänzt. Es folgt zwar auch der allgemeinen Tendenz zur Straffheit, ohne aber die Focus-Insassen zu malträtrieren. Lediglich bei groben Querfugen nimmt der Abrollkomfort ab.