Mond, Mars und Raumstationen: Die weltweiten All-Pläne 2022

Seite 2: Europa

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Bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA erwartet man 2022 möglicherweise spektakuläre Ergebnisse laufender Missionen und hofft auf einen gelungenen Start neuer Reisen ins All. Auch für die europäischen Astronauten soll es ein spannendes Jahr werden. So soll die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti im April ihre zweite Weltraummission starten und Kommandantin der ISS werden. Möglicherweise gibt es an Bord der Station noch ein Treffen mit dem deutschen Astronauten Matthias Maurer, der im April seinen halbjährigen Forschungsaufenthalt rund 400 Kilometer von der Erde entfernt beenden soll.

Im März wird sich der 2020 gestartete Solar Orbiter bis auf 50 Millionen Kilometer der Sonne nähern und damit dem Zentrum des Sonnensystems so nah sein wie keine Raumsonde zuvor. Dann soll es auch neue Aufnahmen von dem Stern geben. Bereits im Juni 2020 war die Sonde bis auf 77 Millionen Kilometer an die Sonne herangeflogen und hatte Aufnahmen von rätselhaften "Lagerfeuern" auf dem Stern gemacht. Nach einem geglückten Start erhoffen sich die Europäer ab Mitte des Jahres vom neuen, in Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern und Kanadiern entstandenen Weltraumteleskop James Webb erste Beobachtungen.

Auch neue Missionen stehen auf dem Terminplan der Europäer. So soll im Februar die Mission "Artemis 1" mit dem europäischen Servicemodul an Bord starten. Die unbemannte Mission um den Mond dauert 20 Tage und dient als Vorbereitung für eine künftige bemannte Mondlandung zusammen mit der NASA.

Im September soll der zweite Teil der Exomars-Mission mit einem Rover an Bord Richtung Nachbarplanet starten. Mit Exomars soll der Frage nachgegangen werden, ob es jemals Leben auf dem Mars gegeben hat. Und bis Mitte oder Ende des Jahres soll feststehen, wer von den vielen Bewerbern kĂĽnftig als Astronautin oder Astronaut fĂĽr die ESA an Missionen teilnimmt.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate, eines der reichsten Länder der Welt, treiben ihr Raumfahrtprogramm ehrgeizig voran. Aktuelle Ziele unter anderem: Mondlandung bis 2024, Erforschung der Venus ab 2028 und Landung mit einer Sonde auf einem Asteroiden bis zum Jahr 2033. Eine Asteroiden-Landung gelang bisher nur bei jeweils zwei Missionen der USA sowie Japan. Im Februar hatte eine emiratische Raumsonde den Mars erreicht – den das Land in weniger als 100 Jahren besiedeln will.

Ähnlich wie bei der Weltausstellung Expo, die im Oktober in Dubai öffnete, geht es den Emiraten auch um das Image eines modernen und fortschrittlichen Staates, der buchstäblich nach den Sternen greift. Das Budget ist allerdings noch überschaubar. Es beträgt etwa ein Fünftel der umgerechnet 20 Milliarden Euro, die im aktuellen Haushaltsjahr der US-Raumfahrtbehörde NASA zur Verfügung stehen.

Mitmischen will auch Saudi-Arabien, das inzwischen eigene Satelliten bauen und in die Umlaufbahn setzen lässt. Auch Riad setzt darauf, dass sich im Weltraum bald viel Geld verdienen lässt. Nach Schätzungen könnte die Raumfahrtindustrie ab 2040 jährlich mehr als eine Billion US-Dollar erwirtschaften.

(mho)