Warten auf den Sinn

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Bei uns dagegen verzweifeln Elektrofahrer, die auch mal woanders als daheim laden möchten. Die Panamera-Batterie kann man laden. Ich wollte das auch tun, als ich am Flughafen hielt, wo es eine Reihe von Ladesäulen gibt. Die stehen da nicht erst seit gestern, aber ich fuhr Benzin verbrennend davon, denn die EnBW lässt dort nur Leute mit Ladekarte laden. Kreditkarte? EC-Karte? Geldkarte? Bargeld? Sanifair-Bons? Nope. Das heißt, wer unterwegs Strom fürs Auto kaufen will, muss außer Reichweite auch diesen bescheuerten Wildwuchs planen, dass jeder Anbieter seine eigene Ladekarte verlangt. Wenn ich eine Förderung vorschlagen sollte, dann die: Macht es wie Tesla und verschenkt den Strom. Allein für das bisher verpulverte Geld können alle bisherigen und kommenden Elektro-KFZ-Fahrer fahren, bis jedem fünf Sätze Akkus verrottet sind.

Infrastruktur fördern heißt auch: Kabel verlegen. Wo stehen leistungsstarke Ladestationen derzeit? Wo es Starkstrom gibt. Die nächste bei mir um die Ecke liegt direkt an der Straßenbahn, weil die ebenfalls viel Strom braucht. Genauso sieht es an vielen Stellen im Stadtgebiet Stuttgart aus. Wir wollen aber nicht an der Straßenbahn oder dem Umspannwerk parken, sondern am Supermarkt oder dem Kino. Mehr Kabel in Tiefgaragen! Mehr Kabel aufs Land! Und dann legt gleich noch Glasfaser dazu, danke. Nächste Woche teste ich Renaults ZOE. Das wollte ich vor Jahren schon tun, aber es war einfach viel zu blöd mit dem Laden. Spoiler: Es ist nicht besser geworden, sondern schlimmer. Ich verfolge heimlich die Weblogs von ZOE-Besitzern in der Umgebung, und wenn ich lese, dass laden an einer EnBW-Säule ein oder zwei Mal von vier klappt, rupfe ich mir die Haare aus. Ich glaube deshalb, dass die beste Investition des Staates nur die in Infrastruktur sein kann. Man stelle sich nur einmal vor, es gäbe eines Tages eine induktive rechte Spur auf der Autobahn. Das in Vergessenheit geratene Rechtsfahrgebot würde wiederkehren!

Schließlich bleibt noch der Treiber "Gesellschaft", den auch der Staat fördern kann. Gruppenzwang. Manche Menschen fühlen sich heute schon schlecht, wenn sie tanken. Das kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber ich vermute, dass ihre Mitmenschen dieses Gefühl auslösen: "Da isser wieder, der Dieter. Tankt Autogas in seinen Z3. Drecksau. Werde ihn verächtlich ignorieren."

Ganz vorne in Sachen Gruppenzwang: die USA. Die Gesellschaft Nordamerikas erinnert mich immer ein bisschen an einen Militärkindergartenausflug nach Disneyland, und wie bei diesem Ausflug werden Abweichler am stärksten dadurch eingenordet, dass sich selbst so lange eichen, bis die unangenehme Verachtung der Gruppe an einem zumindest lokalen Minimum steht. Ich möchte gar nicht beurteilen, ob das jetzt gut ist oder schlecht. Es wirkt. "In den USA verkaufen wir viele Panamera als Hybrid", sagt Porsche, "Hybridantriebe gelten dort als chic."