Gaia-X: Große US-Hyperscaler wollen in EU-Cloud kräftig mitmischen
Seite 2: Langsamer Staat
Klynge kündigte zugleich im Lichte des "Schrems-II-Urteils" des Europäischen Gerichtshofs erweiterte Schutzvorkehrungen für den Transfer von Daten in die USA an. Dabei werde es etwa darum gehen, auf rechtlichem Weg staatliche Ersuchen zur Informationsherausgabe zu hinterfragen.
Microsoft hatte voriges Jahr zunächst verhalten auf Wirtschaftsminister Peter Altmaiers Anregungen für Gaia-X reagiert. Eine staatlich vorangetriebene Technik dauere zu lange und werde am Markt nicht erfolgreich sein, wenn Nutzer mit Schwächen leben müssten. Im Januar bekundete Microsoft aber offiziell Interesse an einer Teilnahme.
"Noch viel Arbeit"
Die Mitstreiter hätten noch viel Arbeit vor sich, gab Klynge zu bedenken. Potenzielle Nutzer verlangten neben Souveränität Zugriff auf die volle Palette an Cloud-Diensten auf dem Stand der Technik. Der Microsoft-Vertreter riet dazu, das Identitätsmanagement für Cloud-Plattformen zu dezentralisieren.
Ähnlich machte sich Max Peterson, Vertriebschef von Amazon Web Services (AWS) bei Gaia-X für "einen offenen Zugang zu den weltweit besten Technologien" stark. AWS biete hier höchste Standards für Datenschutz, IT-Sicherheit, Verfügbarkeit und Kosteneffizienz bei einfachen Authentisierungsmöglichkeiten. AWS werde 2022 und im Folgejahr Datenzentren in der Schweiz und Spanien eröffnen. Erklärtes Ziel sei es, von 2025 an klimaneutrale Technik einzusetzen.
OVHcloud-Chef Michel Paulin und Maximilian Ahrens, Cheftechnologe T-Systems International, bekräftigten, im Rahmen ihrer im September angekündigten Zusammenarbeit Anfang 2021 die erste Cloud anzubieten, die "Gaia-X by Design" implementiere. Kunden könnten die grundlegende Stack-Technik kontrollieren und würden nicht "in Haft" genommen. Aspekte wie Nachhaltigkeit und ID-Verwaltung für eine Multi-Cloud-Umgebung würden berücksichtig. "Wir entwickeln unsere eignen Server und Datenzentren", hob Paulin hervor. "So können wir die ganze Lieferkette kontrollieren."