Unterwegs mit dem Fabelwesen
Meine nächste Etappe führt mich mit vollem Akku über 163 Kilometer durch die Stadt, über Land und über die Autobahn. Freilich über ziemlich plattes Land zwischen Kopenhagen und Malmö. Unterwegs sind wir im Hybrid-Modus mit dem Fahrprogramm E+. Damit sollen die S-Klasse die Möglichkeiten des Hybridantriebs im Sinne maximaler Effizienz nutzen. So wird im Schubbetrieb nach Möglichkeit gesegelt oder beim Auflaufen auf ein vorausfahrendes Fahrzeug dank Radarunterstützung schon früh rekuperiert. Ist im Navigationssystem eine Route eingegeben, wird außerdem der Streckenverlauf genutzt, um die Batterie aufzuladen, bergab etwa.
Zahm gefahren 7,5 Liter: relativ gut oder relativ schlecht
Kraftvoll und leise gleite ich dahin und muss auf den Drehzahlmesser schauen, um zu sehen, ob der V6-Ottomotor mit 333 PS eigentlich läuft. Die Übergänge beim Umschalten zwischen den Motoren sind weich, Kraft hat der S 500 Plug-in-Hybrid mehr als genug. Eine Systemleistung von 442 PS beschleunigt den Wagen bei Bedarf in 5,2 Sekunden auf Tempo 100. Zugunsten eines möglichst niedrigen Verbrauchs verzichte ich auf Vollgas. Wer unbegrenzt über die Autobahn ballern will, sollte den S-Modus mit elektrischer Boost-Funktion aktivieren und sich überlegen, ob er sich nicht besser eine Diesel-S-Klasse besorgt. Trotzdem steht am Ende meiner Tour ein Wert von 7,5 Liter zu Buche. Sicherlich kein schlechter Wert für solch einen schweren und luxuriösen Brocken, noch einmal 200 Kilogramm schwerer als ein normaler S 500. Aber eben auch weit entfernt von den offiziellen 2,8 Liter respektive 65 Gramm CO2.
Mercedes selbst sagt, dass der Realverbrauch über diesem Wert liegt, hinzu käme ein Fahrerfaktor von 30 Prozent (sic!). Aber man sei ja nicht schuld an der Misere: Das NEFZ-Prüfverfahren bestimmen nicht die Autohersteller, sondern der Gesetzgeber. Wie es beim S 500 zu den Werten kommt, haben wir hier im Detail aufgeschlüsselt. Unglücklich ist sicherlich kein Hersteller über die resultierenden Fabelwerte, auch Porsche feiert die 3,1 Liter seines Panamera S E-Hybrid. Für die Elektroreichweite des S 500 Plug-in-Hybrid von 33 Kilometer darf Mercedes 56 Prozent von den 149 Gramm pro Kilometer des Verbrennungsmotors abziehen, macht unter dem Strich 65 Gramm.
In der deutschen Preisliste hat Mercedes den 500er Steckdosen-Hybrid clever positioniert. Mit 108.945 Euro kostet er exakt soviel wie der "normale" S 500 mit 455 PS in der Langversion. Wer nur auf den Verbrauchswert schielt, kann den S 350 Bluetec mit 258 Diesel-PS in Erwägung ziehen. Er ist nicht nur bei der Leistung weit entfernt von den 500ern, denn er steht verlängert schon für 86.454 Euro bereit. Aber: Einen stärkeren Selbstzünder gibt es nicht.
Anreise, Verpflegung und Probefahrt gingen auf Kosten des Herstellers