Bonne Chance
Nach ausgiebigen Testfahrten darf Entwarnung gegeben werden: Die T120 ist fraglos die beste Bonneville aller Zeiten. Den Motor bezeichnet Triumph als 1200 HT, was für „High Torque“, also viel Drehmoment, steht. Ein kurzer Blick in die technischen Daten der alten 900er: Sie leistete in der letzten Variante 68 PS bei 7400/min und 68 Nm bei 5800/min. Da die T120 um gut ein Drittel mehr Hubraum besitzt, war zwar klar, dass sie kräftiger sein würde, aber was Triumph da aus den zwei Zylindern zaubert, verschlägt einem fast den Atem. Selbst im höchsten Gang marschiert der Paralleltwin aus dem Drehzahlkeller vorwärts, als würde er von einer Herde Elefanten angeschoben. 105 Nm – 54 Prozent mehr als bisher stemmt der Motor auf die Kurbelwelle und zwar schon bei 3100/min. Dass er „nur“ 80 PS bei 6550 /min leistet, interessiert dabei kaum, denn es ist diese gewaltige Drehmomentwoge, die die Faszination ausmacht. Mindestens ebenso verblüfft die Triumph mit ihrem absolut ruhigen Motorlauf – keine Selbstverständlichkeit für einen so großen Reihenzweizylinder mit 270 Grad Hubzapfenversatz. Vibrationen dringen so gut wie keine zum Fahrer durch, dafür ein satter Sound aus den Peashooter-Endschalldämpfern. Sehr basslastig, begleitet von einem dumpfen Grollen beim Hochdrehen. Wer hatte noch mal befürchtet, die Euro4-Norm wäre der Tod einer wohligen Klangkulisse?
Gediegenes Cruisen
Die Bonneville bringt vollgetankt 243 kg auf die Waage. Das ist nicht wenig, aber sobald sie in Fahrt kommt verliert sie gefühlt einen halben Zentner. Sie lässt sich problemlos in Schräglage bringen, lediglich in ganz engen Kurven wirkt sie etwas kippelig. Die Sitzposition in nur 785 Millimeter Höhe ist betont aufrecht und ausnehmend bequem, der Lenker liegt locker zur Hand. Selbst Fahrer unter 1,70 Meter kommen problemlos mit den Füßen auf die Erde, am anderen Ende der Skala fühlen sich auch gestandene Mannsbilder von 1,90 Meter wohl auf der Triumph.
Die Bonneville könnte noch viel flotter durch Kurvenkombinationen eilen, wenn die Fußrasten dem Übermut nicht früh die Grenzen mit einem hässlichen Kratzen aufzeigen würden. Egal, die Bonnie ist nicht zum Rasen gedacht, wer es flotter angehen lassen will, soll zum sportlichen Schwestermodell Thruxton greifen, deren Fußrasten höher angebracht sind. Das Fahrwerk der Bonneville ist, abgesehen von der Federvorspannung hinten, nicht einstellbar. Wozu auch? Es erweist sich als komfortabel abgestimmt und erfüllt seinen Zweck des gediegenen Cruisens damit bestens.