Digitale Souveränität: Kann Deutschland ohne US-Cloud-Anbieter überleben?
Seite 2: Mehr Server in der EU benötigt
In der EU nehme das gespeichertes Datenvolumen im Vergleich zur globalen Entwicklung aber ab, warnte Béla Waldhauser, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland. Dies liege daran, dass der Staat viel zu wenig in diesen Bereich investiere, die Stromkosten für Rechenzentren zu teuer, die Genehmigungsverfahren zu kompliziert und langwierig seien. Gebraucht würden für Smart-City-Konzepte, das Internet der Dinge und die Industrie 4.0 vor allem mehr Serverfarmen fürs sogenannte Edge Computing nah an den Datenverarbeitern. Kunden müssten aber auch bereit sein, hier für ein regionales oder lokales Produkt mehr zu bezahlen.
Die Gesetzgeber hierzulande und auf europäischer Ebene sind laut dem Bremer Informationsrechtler Dennis-Kenji Kipker dabei, etwa über Nachweispflichten, IT-Sicherheitskennzeichen oder Cybersicherheits-Zertifikate die Daumenschrauben bei Herstellern anzuziehen und den Verbrauchern mehr "digitale Mündigkeit" zu verschaffen. Bald griffen in diesem Bereich deutlich höhere Sanktionen analog zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), sodass IT-Sicherheit neben der Privatsphäre zum Verkaufsargument werde.
Laut einer eco-Umfrage bei 500 IT-Fachkräften sehen 32 Prozent der Teilnehmer eine große Abhängigkeit von Anbietern außerhalb Europas bei Endgeräten und Bürosoftware, 30 Prozent bei Netzwerk-Software und jeweils über 20 Prozent bei Cloud-Diensten. 52 Prozent wünschen sich offene Standards für einen besseren Datenaustausch, knapp 46 Prozent Schnittstellen und Apps zur "Softwareverknüpfung". Volle digitale Souveränität bezeichnete Oliver Dehning, Leiter der eco-Kompetenzgruppe Sicherheit, als "Utopie". Trotzdem sei es wichtig, diese anzustreben. (olb)