Digital Credentials: Universitäten arbeiten am E-Diplom

Seite 2: Universelles Digital-Zeugnis

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Aus Deutschland ist unter anderem das Hasso Plattner Institut Potsdam dabei.

(Bild: HPI/Dirk Laessig)

Neben einer vereinfachten Weitergabe setzen die Beteiligten auch auf eine erhöhte Verlässlichkeit der Zeugnisse. "Vor einiger Zeit hatten wir eine Anfrage von einer Firma aus Südafrika. Ein Bewerber hatte mit einem gefälschten Zertifikat angegeben, einen unserer Online-Kurse erfolgreich abgeschlossen zu haben.“ sagt Pongratz. "Für uns war das ein Augenöffner." Ein zertifiziertes digitales Zeugnis soll von Arbeitgebern und Universitäten einfach auf Echtheit geprüft werden können, ohne dass sich diese an die Ausbildungsstätte wenden müssen.

In Deutschland ist es bisher eher unüblich, dass sich Arbeitgeber über die Korrektheit der vorgelegten Zeugnisse eines Bewerbers erkundigen. Dennoch gelangen vereinzelt Fälle an die Öffentlichkeit, bei denen Angestellte wegen falscher Zeugnisse entlassen wurden. Ein Grund dafür ist, dass die gerade große Arbeitgeber immer mehr Wert auf praktische Fähigkeiten legen, die im Bewerbungsgespräch, in Assessment Centern und der Probezeit erprobt werden.

"Je länger ein Bewerber im Berufsleben ist, um so weniger Relevanz haben die einzelnen Noten in den Abschlusszeugnissen", erklärt Katharina Hain vom Personaldienstleister Hays. Insofern sieht sie bei Arbeitgebern derzeit wenig Bedarf nach einer reinen Digital-Lösung, die dann von von den Arbeitgebern erst einmal in ihre Personalgewinnung integriert werden müsste.

Eine unmittelbare Hilfe könnten die digitalen Zertifikate allerdings sein, wenn es darum geht, Bewerber aus dem Ausland einzustellen. "Wenn der Digital Credentials-Standard die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Berufsabschlüsse aus dem Ausland abbilden kann, wäre dies ein Gewinn", sagt Hain. Heute müssen Bewerber aus dem Ausland ihre Zeugnisse oft übersetzen und separat beglaubigen lassen, was mitunter viel Zeit und Geld kostet. Gerade im IT-Bereich, wo sich Arbeitgeber immer mehr nach Kräften aus dem Ausland umsehen, würde ein universelles Digitalzeugnis die Einstellung erleichtern.

Ein Problem kann der digitaler Standard jedoch nicht lösen: Die Qualität der Ausbildung soll bei den "Digital Credentials" noch nicht direkt abgebildet werden. So müssen sich die Arbeitgeber und Universitäten selbst versichern, dass die vorgelegten Abschlüsse ihren Ansprüchen genügen.

Gerade der Boom von Online-Kursen hatte in den vergangenen Jahren für eine verwirrende Vielfalt von Bildungsabschlüssen gesorgt – vom Online-Kurs, der im Auftrag einer angesehenen Universität von einem externen Dienstleister durchgeführt wird, über profitorientierte Anbieter mit zweifelhaften Qualitätsversprechen bis hin zu groß angelegten Betrugsunternehmen, die nicht nur Zeugnisse, sondern ganze Universitäten fälschen. (vbr)