Daten unter der Haube
Beim Thema „Manipulation“ trifft man auf grundsätzliche Probleme im Auto. So genügt die interne Datenverarbeitung zwar Industriestandards in Sachen Robustheit und Langlebigkeit, doch hinsichtlich Manipulationssicherheit werden niedrigere Maßstäbe angelegt. Das hat diverse Gründe.
So kann sich der Fahrzeughersteller auf die Gesetzeslage zurückziehen. Schließlich ist allgemein bekannt, dass bei Veränderungen am Fahrzeug die Betriebserlaubnis (schmerzhafter: der Versicherungsschutz) erlischt. Das gilt sehr wohl auch für elektronische Veränderungen, obwohl das anscheinend kaum jemanden interessiert. Das Tacho-Rückstellen (nebst Werbung dafür) ist zudem 2005 mit einem eigenen Gesetz gewürdigt worden, das bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe vorsieht. Google listet trotz allem auch heute noch rund 15.000 Einträge für „Tacho zurückdrehen“.
Strafen scheinen hier also niemanden abzuschrecken und ein Eigentümer kann ja im Verborgenen so ziemlich alles mit seinem Auto machen, was ihm gefällt. Selbst eine komplett gekapselte und verplombte Elektronik in versiegelten Kistchen vermag keinen Kriminellen davon abzuhalten, ein Fahrzeug zu kaufen oder zu stehlen, um es gewissenhaft zu analysieren.
Wenn es Wege zur ManipulaÂtion gibt, kann er sie auf diese Art finden. Er weiĂź dann etwa, ob und wie er die Elektronik ĂĽber den OBD-Port oder eine CAN-Bus-Anzapfung austricksen kann. Alles nur eine Frage des Aufwandes, der sich so lange rentiert, wie sich das gewonnene Wissen auf den schwarzen Märkten mit Profit absetzen lässt. Ăśberdies erleben die Autohersteller, die ja emsige Verfechter von Globalisierung sind, hier auch mal die Schattenseiten: Hierzulande sind 10 000 Euro ein Klacks, in Billiglohnländern jedoch ein Vermögen. DafĂĽr kann man dort Hacker engagieren oder gleich per Bestechung alles Wissenswerte einkaufen.
Dichtmachen
Angesichts solcher Szenarien könnte man annehmen, dass die arme Autoindustrie gar keine Chance gegen hochbegabte Gauner hat. Doch das stimmt nicht. Es ist lediglich aufwendig, ein Auto so gegen Manipulation abzudichten, dass die Manipulationen zumindest teurer werden als deren Nutzeffekt, wenn man nicht gleich zu nichtknackbaren Verschlüsselungen greifen will. Aufwendig heißt auf Herstellerseite teuer, und solange der Ärger von Kunden und Versicherungen keinen ernsthaften Leidensdruck erzeugt – sprich: seinerseits Geld kostet –, wird sich daran wenig ändern. Das ist ähnlich wie bei Geldautomaten: Die werden auch nicht kostspieliger abgesichert, als es der Schaden erfordert, den die Banken erleiden.