DLR-Mission Mascot: Asteroid Ryugu könnte Erde gefährlich werden

Seite 2: Ryugu könnte Erde gefährlich werden

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Es geht dabei nicht nur um Grundlagenforschung. Ryugu zählt zu den potenziell gefährlichen, erdnahen Objekten, die die Bahn der Erde kreuzen und mit ihr kollidieren können. Auf seinem gegenwärtigen Orbit kann er sich uns bis auf 95.400 Kilometer nähern, gut ein Viertel der Entfernung zum Mond. Ein Einschlag dieser Größenordnung könnte ein Land wie Deutschland komplett verwüsten. Das 20 Kilometer durchmessende Nördlinger Ries ist auf solche Weise vor 14,5 Millionen Jahren entstanden.

"Man will natürlich wissen", so Jaumann, "wie die Zusammensetzung solcher Körper ist, falls es notwendig wird, – wenn so ein Asteroid der Erde nahe kommt – Gegenmaßnahmen ergreifen zu müssen." Die könnten darin bestehen, ihn anzuschieben, abzulenken oder seine Rotation zu verändern. "Dafür muss man aber wissen, wie die der Asteroid aufgebaut ist, wie porös oder wie wie fest er ist, wie das Gestein der Oberfläche Wärme aufnimmt. Alles Faktoren, die wir mit der Hayabusa2-Mission und Mascot messen."

Ein Modell des Rovers, der auf Phobos und Deimos abgesetzt werden soll. Ob er am Ende wirklich mit Rädern ausgestattet, wie Mascot über die Oberfläche hüpfen oder zwischen Fahren und Laufen wechseln wird, ist derzeit noch offen.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske/heise online)

Bislang hat Mascot 19 Bilder zur Erde übermittelt. Bis die kompletten Daten in der Bodenstation angekommen sind, wird es einige Tage dauern. Aber schon jetzt sind die beteiligten Raumfahrtagenturen von dem Ergebnis ihrer Zusammenarbeit so angetan, dass sie auf dem IAC die Vereinbarung für eine neue Mission unterzeichneten. Diesmal soll es in Richtung Mars gehen, aber nicht zum roten Planeten selbst, sondern zu seinen beiden Monden Phobos und Deimos: MMX (Martian Moon Explorer) lautet der Name der Mission, die im Jahr 2024 starten und nach fünf Jahren mit Bodenproben zur Erde zurückkehren soll.

Bei der Pressekonferenz war auch bereits das Modell eines Rovers zu sehen, der auf MMX mitfliegen soll. Im Unterschied zu Mascot hat der allerdings vier Räder. Nun sind die unregelmäßig geformten Marsmonde mit Durchmessern von 10 bis 27 Kilometern zwar deutlich größer als der knapp einen Kilometer durchmessende Ryugu. Aber ob die Schwerkraft tatsächlich groß genug ist, um sicher über die Oberfläche fahren zu können? Das sei noch nicht endgültig entschieden, sagte ein DLR-Mitarbeiter. Denkbar sei auch eine hybride Lösung, bei der die Räder nach Bedarf fixiert werden, um den Roboter über unebenes Gelände laufen zu lassen. Die Erfahrungen mit Mascot auf Ryugu werden zweifellos in das Design des MMX-Rovers einfließen. (mho)