Locker durchgehangelt
Am Zielpunkt in Braunschweig, direkt auf dem Gelände von Volkswagen Financial Services, herrschte ebenfalls Andrang. Zwei von drei Säulen waren durch andere Stromer belegt – Glück gehabt. Hier gaben die Säulen der Firma efacec 50 kW Ladeleistung ab, also mithin mehr als das Doppelte der meisten anderen Punkte, an denen lediglich 20 kW geliefert wurden.
20 kW, 50 kW, 150 kW?
Nun könnte man meinen, dass es angesichts der beschränkten Batteriekapazität der aktuellen Elektroautos einen nur geringen Unterschied macht, ob mit 20 oder 50 kW geladen wird. Und in der Tat kann man mit einem e-Golf kaum mehr als zehn Minuten sparen. Gefühlt ist das aber schon eine Erleichterung. Jede Verkürzung der Wartezeit ist willkommen.
Schauen wir nun auf die Perspektive: Unabhängig vom Autohersteller werden für die Kompaktklasse im Jahr 2020 ungefähr 50 kWh Kapazität versprochen. Das entspricht gegenüber dem e-Golf der Jetztzeit einer Verdoppelung mit entsprechendem Aktionsradius. Zugleich werden viele der aktuell geplanten oder im Bau befindlichen CCS-Säulen für eine Ladeleistung von 150 kW vorbereitet. Bis Ende 2017 sollen mindestens 100 dieser Schnellstromsäulen aufgebaut sein; infrastrukturseitig wäre man also ungefähr auf einem Level mit Tesla Motors. Oder, rein rechnerisch: In einer Viertelstunde wäre der Akku eines E-Autos der Kompaktklasse zu 75 Prozent gefüllt.
Die Investitionen in Gleichstrom-Säulen mit 150 kW sind deutlich höher als bei denen mit 20 oder 50 kW. Aber wenn Tesla das kann, wieso sollte es dann ausgerechnet mit Mutterland von BMW, Mercedes, Porsche, Audi und Volkswagen nicht möglich sein, das notwendige Geld in die Hand zu nehmen?
Die realistische Entwicklungsperspektive von 50 kWh Batteriekapazität würde auch diese Testtour aus dem Oktober 2015 zur Makulatur werden lassen: Damit wäre es möglich, ohne Zwischenstopp von Hamburg nach Braunschweig zu fahren. Und falls sich der Saft doch dem Ende zuneigt, zum Beispiel weil Berlin das nächste Ziel ist, sollten bald einige German Supercharger an Raststätten verfügbar sein.
Bezahlproblem ungelöst
Im Hier und Heute allerdings gibt es noch andere Kämpfe auszufechten, Stichwort Bezahlsysteme. So versagten die Ladekarten: Volkswagen hatte dem e-Golf eine „Fuel & Charge-Card“ beigelegt, und der Autor hat eine Ladenetz.de-Karte besorgt. Wegen des Verkaufs der Stromnetze von Vattenfall zurück in die öffentliche Hand der Hansestadt war eine vorübergehende Identifikationslücke entstanden: Die Investition in die genannten Ladekarten war vergebens; ein Mangel, der mittlerweile behoben sein soll, für den konkreten Test aber ein Problem darstellte.