Carsharing und Peak Unfähigkeit

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Das Problem ist ein systemisches des Carsharings, und zwar eines, das irgendwann an eine Grenze kommen wird, an der es gelöst werden muss, weil alle Fuhrparkautos mit verbrannter Kupplung quer über drei Parkplätze stehen, die Reste unglückseliger Fahrräder noch im Kühlergrill. Eine neue Kupplung einbauen wird sich nicht lohnen, weil wir alle den linken Fuß während der Fahrt auf der Kupplung abstellen. Den Unterschied zwischen Automatik und Handschaltung haben wir genauso vergessen wie den zwischen links und rechts, Bus und Bahn, Fahrzeugführer und Passagier. Es wird diesen Punkt geben, an dem Politiker darüber diskutieren werden, ob sie Carsharing nicht der heiligen Sicherheitskuh wegen verbieten sollten. Wie, diese Firma leiht nachweislich Motorikbehinderten mit faustdicken Hornhäuten, aber ohne Fahrpraxis ein AUTO? Denkt denn keiner an die Kinder?!

Dieser Ereignishorizont der Unfähigkeit war von vornherein absehbar, und man kann davon ausgehen, dass jede Carsharing-Firma dieses Problem in etwa so auf dem Schirm hat, wie Hersteller von Hubkolben-Verbrennungsmotoren den Zeitpunkt von Peak Oil. War der schon? Kommt der noch? Auf jeden Fall nichts, was einen heute konkret anficht. Meistens entwickeln sich Dinge jedoch nicht linear, sondern exponentiell – wenn man eine komplex-chaotische Entwicklung überhaupt auf eine einzelne Kurve auftragen will. Entwicklungen beschleunigen sich selbst. Es hat einen Grund, dass wir Cars sharen: Wir benutzen so selten ein Auto, dass sich ein eigenes nicht lohnt. Das ist der externe Anschub. Doch der interne Beschleuniger folgt sogleich: Wir fahren immer seltener Auto, weil jeder Fahrt eine exakte Rechnung folgt, während man sich Fahrten in eigenen Fahrzeugen ausgezeichnet billig lügen kann. Ich tanke ja eh immer nur für zehn Euro.

Experten wie ich vermuten, dass autonome Autos eine Entwicklung sind, die sich in der letzten Zeit derart beschleunigt hat, dass wir sie mit einiger Wahrscheinlichkeit alle noch erleben. Ich persönlich hoffe für die Kinder und für meine Nerven, dass der Advent der Roboterautos vor dem Abgrund der Unfähigkeit kommt. Denn im Prinzip mag ich Carsharing. Es müsste nur der Nichtmalsonntagsfahrer aus der Gleichung entfernt werden. (cgl)