20 Jahre ISS: Wie lange macht's die Internationale Raumstation noch?

Seite 2: Ramponierte Raumstation

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Bei einem seiner Außeneinsätze sei ihm plötzlich aufgefallen, wie ramponiert die ISS schon sei, schreibt Astronaut Kelly. Kosmische Teile und Weltraumschrott hätten kleine Vertiefungen und Kratzer verursacht, in die Handläufe seien Löcher mit scharfkantigen Rändern geschlagen worden.

Vorfälle wie dieser brachten die Crew bisher noch nie in ernsthafte Gefahr. Konsequenzen für die Zukunft der ISS könnten aber zwei Notfälle haben, die noch immer nicht im Detail geklärt sind.

Seit im Sommer ein kleines Leck in der russischen Sojus-Kapsel einen Druckabfall in der ISS auslöste, kursieren wilde Spekulationen über die Ursache. War es Pfusch, Sabotage oder einfach ein Unglück? Wenige Wochen später kam es erneut zu einem ernsthaften Zwischenfall: Ein Raketenfehlstart mit zwei Raumfahrern an Bord endete zwar glimpflich, brachte aber den ganzen Zeitplan von Gersts Mission durcheinander. Wieder zweifelte man weltweit an der Sicherheit des Projekts.

Kritiker bezeichnen die ISS gerne als das teuerste Gebäude der Welt – die Gesamtkosten seit 1998 liegen nach Schätzungen bei weit über 100 Milliarden US-Dollar (über 87 Milliarden Euro). Zu den exakten Ausgaben halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Mehr als drei Milliarden Dollar zahlen allein die USA Berichten zufolge jedes Jahr für den Betrieb.

Alexander Gerst zum zweiten Mal auf der ISS (20 Bilder)

Gerst und seine beiden Kollegen zurĂĽck auf der Erde
(Bild: NASA/Bill Ingalls)

Die Europäische Weltraumorganisation ESA gibt an, bisher zehn Milliarden Euro in die ISS investiert zu haben – davon vier Milliarden in die Entwicklung und sechs in ISS-Operationen zwischen 2008 und 2018. Die größten ESA-Geber-Länder für die Station sind Deutschland, Italien und Frankreich, wie die Agentur mitteilt.

Die große Errungenschaft sei die Einigung auf den gemeinsamen Bau der ISS, auf einen "Plan für all diese Länder, gemeinsam langfristig erfolgreich zu arbeiten", gewesen, sagte Lynn Cline, die damals für die NASA die Verhandlungen geleitet hatte. "Ich hoffe, dass dieser Plan in Zukunft ein Meilenstein in der Wissenschaft, der bemannten Raumfahrt und bei der Entwicklung hin zur nächsten Stufe sein wird."

Bislang ist der Betrieb des Raumlabors bis 2024 gesichert. Die ESA hält es für möglich, dass die Mitgliedsstaaten das Projekt bis 2028 verlängern. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump allerdings strebt bei der ISS einen Schnitt an und will eine Privatisierung vorantreiben. ESA-Chef Jan Wörner glaubt aber nicht an ein solches Engagement von Unternehmen. Der Gesamtbetrieb der Raumstation sei einfach zu teuer, sagte er einmal. Will niemand mehr den 450-Tonnen-Koloss nutzen, soll die ISS stufenweise – wie schon der russische Vorgänger Mir – kontrolliert in den Pazifik stürzen.

Ob der politische Konflikt zwischen den beiden großen Finanzgebern USA und Russland den gemeinsamen Betrieb möglicherweise schon vor 2024 enden lässt, ist derzeit unklar. Im nächsten Frühjahr wollen die USA und Russland über die Perspektiven verhandeln.

Bilder des deutschen Astronauten Alexander Gerst aus der ISS (20 Bilder)

Die Kuppel war einer der liebsten Aufenthaltsorte Gersts.
(Bild: ESA/NASA)

Dabei ist die ISS einer der wenigen Bereiche, bei der abseits der großen Politik gemeinsam erfolgreich Projekte realisiert werden. Hunderte Kilometer über dem Boden könnte sie ein Beispiel für die Erde sein, meint Gerst. "Wenn wir über Kontinente hinweg so zusammenarbeiten können, dann können wir noch viel mehr zusammen erreichen", so der Astronaut. "Wir müssen es nur versuchen." (mho)