Klartext: Wie wir einen alten Clio kauften
Ich weiß nicht, wie ich so ein komplett falsches Bild des Clio entwickeln konnte, oder halt, nein, eigentlich weiß ich es genau: Indem ich nie einen gefahren bin. Renault hat damals zur Modelleinführung gesagt, sie wollen im Kleinwagensegment die Annehmlichkeiten anbieten, die sonst den Reisesegmenten vorbehalten sind, also Kompaktklasse aufwärts. Ich sah jedoch nur die jungen Damen ohne jegliches Autointeresse, die einen Clio wollten, weil er bequem, preiswert und irgendwie niedlich war. Dann ließen sie ihn ohne jede Wartung verrotten.
Zielgruppe: Damen, die nicht warten wollen
Man muss Renault zugute halten, dass sie ihre Zielgruppe vorher kannten. Bei jedem Start zeigt der Clio zum Beispiel auf dem Dashboard den Ölstand an. Mit dem Peilstab messen dagegen ist zumindest beim 1,6-Liter-Sauger nicht vorgesehen. Der Peilstab steckt ganz unten im Ölsumpf. Wollte man ihn bequem erreichen, müsste man den Radiator und die Einspritzung abbauen. Obwohl ich mit meinen Chirurgenfingern den Peilstab irgendwann ohne derartige Demontagen erreichte, indem ich sie mir fast brach, knackte es dann kurz und der Ölpeilstab tat das, was die Finger vermeiden konnten. Es ist seitdem ein Ölsumpfdeckel. Aber egal, dann tun wir eben das, was Renault will: im Cockpit gucken. Genauso geht es im Handbuch weiter. Wer sich mit einem Clio wehtun möchte, muss sich schon a) ziemlich anstrengen und b) das ohne die Hilfe des Herstellers tun.
Dieser Clio hat sich über den Alltag und eine erste Urlaubsfahrt als so unerwartet wundervoll erwiesen, dass ich mich frage, was man im Renault-Gebrauchtenmarkt wohl erhielte, wenn man unsere Investition verdoppelte (also 1000 Euro zahlte). Wahrscheinlich einen Mégane mit Initiale Paris voller funktionierender Elektrik, aber ohne Rost. Sicherlich wird es sein wie bei allen anderen Herstellern auch, dass es gute Modelljahre genauso wie schlechte gibt. Nur kenne ich anderswo eben auch die guten Nachrichten. Aus Frankreich filterten irgendwie eher die schlechten herein.
Deshalb lässt mich der kleine Clio an einem Kernpunkt meines Auto-Weltbilds zweifeln: an Peugeot. Denn der Grund, warum ich nicht verstehe, wieso jemand jemals einen Peugeot kaufen würde (ich meine: Immerhin kann er den ja auch in niedlich bei Citroen haben), ist derselbe wie beim Clio: Ich habe stets peinlich vermieden, Peugeot zu fahren. Wahrscheinlich würde ich mich wundern. (cgl)