Schwierigere Lage für Handyspenden – NABU & Umwelthilfe arbeiten an Fortführung

Seite 2: Wiedernutzung statt Schreddern

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Ob NABU, Umwelthilfe oder die Sammlung der Telekom – in der Regel will man dort die Wiederverwendung der Handys und Smartphones erreichen. Geräte, die offensichtlich beschädigt und nicht mehr nutzbar sind, dürfen aber trotzdem noch bei NABU und Umwelthilfe abgegeben werden, damit sie dem Gewinnen von Ersatzteilen, dem Recycling und somit der Rückgewinnung von Rohstoffen zugeführt werden können.

Unter anderem die Umwelthilfe bekennt sich auch weiterhin zu dieser Form der Altgeräte-Annahme, da es zwar mittlerweile aufgrund von gesetzlichen Änderungen ein leichter anzunehmendes Rücknahmeangebot für Verbraucherinnen und Verbraucher gibt – etwa mit der Rücknahme in größerem Supermärkten – , dieses aber immer noch nicht zu einer guten Wiederverwendungsquote führt.

Laut Marieke Hoffmann von der Umwelthilfe werden nur 1,6 Prozent der Geräte aus Altgerätesammlungen von Handel und Wertstoffhöfen einer Wiederverwendung zugeführt. Rechtlich gäbe es eigentlich einen Vorrang für die Wiederverwendung im Elektrogesetz, aber dies werde in der Praxis meistens nicht angewandt. Eine Klausel lässt zu, dass so nur verfahren werden muss, wenn es wirtschaftlich praktikabel ist.

Till von Pidoll, Gründer von Mobile-Box und Green2B, sieht hier auch deutliche Schwächen im bisherigen Abfallsystem. Bei Wertstoffhören gesammelte Geräte werden an Firmen der Abfallwirtschaft versteigert – und das nicht nach Nachhaltigkskriterien, sondern lediglich nach Preisgebot. So erhielten nicht die Firmen den Zuschlag, die möglichst viele Geräte retten oder viele Rohstoffe rückgewinnen wollen, sondern die, die am günstigsten entsorgen und beseitigen können.

Die Aktionen fortführen wollen sowohl NABU als auch Umwelthilfe. Bis eine Lösung gefunden ist, kann es für Spendenwillige aber noch etwas dauern.

Während die Versandoption des NABU für die Aktion gerade entfällt, ist zumindest die Abgabe bei einigen Sammelstellen des Verbands noch möglich. Interessierte können Adressen hierzu über die Eingabe ihrer Postleitzahl oder unter Angabe ihres Bundeslandes auf der Aktionsseite des NABU finden. Falls es keine Möglichkeit der Zwischenlagerung gibt, sollen defekte Mobiltelefone beim örtlichen Wertstoffhof, Fachgeschäften oder in größeren Supermärkten abgegeben werden.

Unternehmen und Vereine, die noch Sammelboxen von Mobile-Box bei sich einsetzen, sollen die Boxen, Informationsmaterialien und die zuletzt gesammelten Handys an Mobile-Box schicken. Die Umwelthilfe will die Handysammelaktionen baldmöglichst wieder aufnehmen.

Seit 2011 arbeitet Telefónica mit dem NABU beim Umweltschutz zusammen. Bis einschließlich 2022 wurden ungefähr 1.140.000 Handys gesammelt. Während es in den ersten Jahren eine Zuwendung gerechnet auf jedes einzelne Handy für die Aktion gab, zahlt Telefónica nun einen jährlich gebündelten Beitrag für eingereichte Mobiltelefone. Dem NABU zufolge wurden hierdurch bisher 911.000 Euro für den Insektenschutzfonds eingenommen.

Laut eigener Angaben setzt sich die Umwelthilfe seit dem Jahr 2003 für die Sammlung alter Mobiltelefone ein – über 3 Millionen Mobiltelefone seien seitdem mit Partnern gesammelt worden. Seit 2018 bestand die Zusammenarbeit mit Mobile-Box. Für jedes wiederaufbereitete Mobiltelefon wurden 2 Euro, für jedes recycelte Handy 40 Cent in Umweltschutzprojekte in Deutschland investiert.

Ăśber Mobile-Box sollen innerhalb von 11 Jahren 750.000 Mobiltelefone umweltgerecht verwertet worden sein. Zudem wurden durch das Recycling von ĂĽber 40.000 Handys sechs Tonnen Rohstoffe fĂĽr die Wiederverwendung gewonnen.

Der Telekom zufolge wurden im Jahr 2022 rund 95.000 Geräte gespendet. Der Großteil – 83.952 – wurden recycelt, 10.975 wurden wieder verkauft. Im Jahr 2021 sollen es noch 203.000 gebrauchte Mobiltelefone gewesen sein, von denen Verwertungs-Partner Teqcycle 40.473 für den Weiterverkauf aufbereitet hat. Der Recyclingprozess umfasst auch den Ausbau bestimmter Teile für die Wiederverwendung als Ersatzteile: Das betrifft unter anderem Displays, Kameras, Rückseitenabdeckungen, Flexkabel, Tasten und auch Batterien.

Bevor ein gebrauchtes Mobiltelefon in der Schublade landet, können weitere Verwendungszwecke geprüft werden. Die Umwelthilfe rät zunächst: Nutzen Sie ihr Mobiltelefon solange es funktioniert. Steht doch ein Wechsel an, sollte eine Option gewählt werden, die eine Weiterverwendung ermöglicht: also zum Beispiel die Weitergabe in Familie und Bekanntenkreis. Ist ein Gerät beschädigt, sollte auch die Reparatur geprüft werden, bevor es entsorgt wird.

Ein Tipp aus dem heise-Universum: Maker und Bastelfreudige können ältere Endgeräte auch für Make-Projekte nutzen oder alternative und noch gepflegte Betriebssysteme installieren, wie etwa LineageOS.

(kbe)