Schlapphund + Hasendingens = Anarchie: 30 Jahre "Sam & Max Hit the Road"​
Seite 3: Eindruck 30 Jahre später
Aber zurĂĽck zum Original: Ist "Sam & Max Hit the Road" heute noch spielbar? Kurze Antwort: Ist es. Und es macht SpaĂź. Meistens jedenfalls.
Die Steuerung wirkt weiterhin zeitgemäß, zumal sie auch Tastenkürzel unterstützt (siehe Handbuch). Etwas fies ist, dass Sam & Max in vielen Szenen rechts und links weitergehen können, worauf der Bildschirminhalt in die jeweilige Richtung scrollt. Hier hilft nur Ausprobieren.
Gegenüber modernen Adventures fehlt eine Hotspot-Anzeige – es ist also unabdingbar, mit dem Mauszeiger in jeder Szene einmal die gesamte Bildschirmfläche abzuwandern, um herauszufinden, wo die interaktiven Elemente stecken. Am besten eignet sich hierfür der Gucken-Modus: Kann Sam hier etwas machen, öffnet sich das Auge.
Wenn jemand prahlt, wie easy "Hit the Road" sei, nachdem er es schon mindestens fünfmal durchgespielt hat, ist das mit Vorsicht zu genießen. So fand ich die erste Viertelstunde schon fast zu einfach. Kurze Zeit später hing ich hoffnungslos fest – ich hatte gleich in der ersten Szene vergessen, Sam in ein Mauseloch greifen zu lassen. Anfängerfehler! Zum Glück gibt es im Netz zahlreiche Komplettlösungen.
(Bild:Â LucasArts)
"Hit the Road" hat mehrere Minigames, die fast ausnahmslos nur zum Spaß existieren: das Geschicklichkeitsspiel "Highway-Surfen" und das Denkspiel "Schiffeversenken", bei dem Sam gegen Max antritt. Beim dritten Minigame geht es darum, mit einem Holzhammer mindestens 20 Ratten auf den Kopf zu schlagen ("Wak-A-Rat") – glücklicherweise nicht weiter schwer.
Wie bei DOTT und anderen LucasArts-Adventures ist auch hier viel Um-die-Ecke-denken gefragt. Einige Lösungen sind wunderbar absurd, aber im Kontext sinnvoll – etwa Max auf eine Katze loszulassen, mit der Hund Sam nichts zu tun haben will. Andere sind ziemlich unfair: An einer Stelle hatte ich übersehen, dass sich jenseits des Bildrands ein dritter Magnet versteckt. Mitunter hakt auch die Steuerung, etwa wenn Max direkt vor einem wichtigen Gegenstand im Weg steht. Gegen Spielende gelang es nur mit den Pfeiltasten der Tastatur, einen entscheidenden Szenenübergang zu erreichen. Ach, das Alter.
Trotz allem Geholper – und mehreren empörten Blicken in die Komplettlösung – hinterließ "Hit the Road" beim erneuten Durchspielen das Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Gewiss, einige Gags kamen nicht mehr unerwartet, aber der Abschluss überraschte dann doch mit einem unerwartet zeitgemäßen Ende.
Es gibt Wahnsinnige, die das komplette Spiel innerhalb von 31 Minuten durchgeklickt haben; YouTube-"Longplays" kommen auf dreieinhalb Stunden. Spaß macht Sam & Max jedoch nur Spielern, die sich auf die mäandernde Handlung einlassen und Spaß daran haben, möglichst viel auszuprobieren.
Wenn Sie zu dieser Spielersorte gehören: Geben Sie Sam & Max eine Chance! (Kleiner Tipp: Versuchen Sie mal wiederholt, Sam dazu zu nötigen, etwas aufzuheben, was sich nicht aufheben lässt.)
Woher nehmen?
Eigentlich wäre ein 30-jähriges Jubiläum die ideale Gelegenheit, ein Remaster von "Sam & Max Hit the Road" zu veröffentlichen. Echte Hoffnung darauf gibt es jedoch nicht. Steve Purcell hält zwar die Rechte an den Hauptfiguren und allen Handlungselementen, die sich aus den Comics ergeben. Die Rechte am Spiel liegen hingegen bei LucasArts bzw. Disney Interactive.
Anfang des Jahres hat Limited Run Games zwar eine aufwendig gestaltete Collector's Edition von "Hit the Road" angekündigt, die aber trotz einem Preis von 100 US-Dollar und unbekanntem Erscheinungstermin bereits vergriffen ist und auch nur die Urversion des Spiels enthält. Die gibt es aber auch deutlich günstiger.
Aktuell ist "Hit the Road" sowohl bei GOG.com als auch bei Steam erhältlich – zu Preisen um die 6 Euro. Beide Releases greifen auf den Open-Source-Emulator ScummVM zurück.
Das ist kein Nachteil: Die ScummVM-Entwickler haben fĂĽr das Spiel extra Code hinzugefĂĽgt, der einige Fehlerchen im Ur-Release ausbĂĽgelt. GOG und Steam liefern "Hit the Road" zwar mit veralteten Versionen des Emulators aus, die aber auf den meisten Systemen stabil laufen.
FĂĽr die beste Performance empfiehlt sich der Einsatz der aktuellen Version 2.7.1 von ScummVM. Nach der Installation muss dem Emulator nur ĂĽber "Spiel hinzufĂĽgen" gezeigt werden, wo der GOG- bzw. Steam-Installer seine Dateien abgelegt hat. Wer schon mit dem Spielen angefangen hat, sollte unter "Spiel-Optionen > Pfade" noch das Verzeichnis der Savegames nachtragen, um nicht von vorn anfangen zu mĂĽssen.
Im Auslieferungszustand wirkt die Grafik etwas arg grobklotzig – schließlich bietet das Spiel nur VGA-Auflösung mit mickrigen 320 × 200 Punkten. Es empfiehlt sich daher, die Pixelgrafik ins richtige Seitenverhältnis zu zwingen (Spiel-Optionen > Grafik > Seitenverhältnis korrigieren) und mit dem PM-Scaler zu glätten (Skalierung > PM). Um das Bild weiter zu verschönern, eignet sich ein Shader wie "scalefx/scalefx+rAA" – oder "crt/crt-hyllian-multipass" für etwas Retro-Ambiente.
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Siehe auch:
- Die besten Adventure-Spiele fĂĽr den PC bei heise Download
(dahe)