Missing Link: Bundeswehr in Space

Seite 2: Eine neue alte Raumfahrtstrategie

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Die Frage ist, wie die Bundeswehr beim Thema "Weltraum" reagieren könnte angesichts der Tatsache, dass sie eben doch ein Behördenapparat ist, der nicht so schnell ist? Und welche Hindernisse müssten intern und extern dabei überwunden werden? Eine Presseanfrage beim Deutschen Bundeswehrverband wurde sehr zögerlich beantwortet: "Einen Experten für Ihr Thema habe ich noch nicht gefunden. Wenn sich das ändert, melde ich mich sofort." Tja.

Im Jahr 2010 hatte die damalige Bundesregierung eine Raumfahrtstrategie verabschiedet, dazu hieß es, dass "Raumfahrttechnologien Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen geben. Dies gilt für zentrale Herausforderungen wie Klimaschutz, Mobilität, Kommunikation und Sicherheit. Als Schlüsseltechnologie ist die Raumfahrt von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland." Das Thema Sicherheit stand also ganz am Ende.

Im September 2023 hat das Kabinett eine neue Raumfahrtstrategie beschlossen. Darin soll es um "um das Voranbringen von New Space, die Bekämpfung des Klimawandels, Verfügbarkeit und Nutzung von Daten sowie um einen verantwortungsvollen Umgang von Raumfahrtanwendungen" gehen. "Sicherheit, strategische Handlungsfähigkeit und globale Stabilität" stehen zwar nicht mehr ganz am Schluss, bilden aber auch erst den fünften von neun Schwerpunkten. Ein Kollege vom Deutschlandfunk nannte diese Strategie "diffus".

Wenn man den Offiziellen der Bundeswehr glauben kann, dann bedeutet die neue Strategie jedoch einen Fortschritt gegenüber der alten. Sie trägt der "Zeitenwende" Rechnung, weil die neue Strategie "überhaupt anerkannt hat, dass Raumfahrt und Sicherheit wie Yin und Yang miteinander verbunden sind: Ohne Raumfahrt gibt es keine Sicherheit, und ohne Sicherheit gibt es auch keine Raumfahrt", sagt Traut. So steht in der Raumfahrtstrategie, dass die "militärische Handlungsfähigkeit maßgeblich von der sicheren und ungehinderten Nutzung des Weltraums, vor allem von der Satellitenkommunikation und -navigation sowie von Erdbeobachtungsdaten", abhänge.

Dies, so der Chef des Weltraumkommandos, "ist eine durchaus signifikante Anerkenntnis: dass Raumfahrt und Sicherheit etwas miteinander zu tun haben, und dass Raumfahrt natürlich auch in Teilen zu unserer kritischen Infrastruktur gehört: Wenn das alles fehlt, dann brechen wesentliche kritische Systeme bei uns zusammen, ergo müssen diese Weltraumanwendungen beziehungsweise die Raumfahrtanwendungen geschützt und zur Not verteidigt werden." Diese Erkenntnis sei "schon mal ein großer Schritt nach vorne."

Allerdings, schränkt er ein, "haben wir an der Umsetzung dieser Erkenntnis noch ein bisserl zu tun." Außerdem sei die Strategie inzwischen eineinhalb Jahre alt und die außen- und sicherheitspolitische Lage habe sich weiter verändert. Und: Die Raumfahrtstrategie kommt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Traut verweist demgegenüber auf eine Weltraumsicherheitsstrategie, die mit dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium der Verteidigung und den anderen mit Raumfahrt befassten Ressorts abgestimmt sei, die zwar "durch unsere politische Situation mit dem Regierungswechsel etwas aufgehalten wurde", aber seines Wissens "in einem relativ weit fortgeschrittenen Entwurf" vorliege.

Bei der Bundeswehr rechnet man damit, dass es zu einer deutlichen Anhebung des Verteidigungsbudgets kommt, auch für die Raumfahrt, "gar nicht mal so wenig", sagt Traut, sein Kommando bekomme neue Kommunikationssatelliten, neue Weltraumüberwachungsradargeräte, Teleskope, und verschiedenes anderes mehr. Nicht schlecht, findet er, aber es könnte mehr sein, "das Glas ist halb voll".

Andreas Knopp nennt Zahlen: "Im Bereich der Aufklärung und Signalanalyse würde ich von einem mittleren einstelligen Milliardenbereich ausgehen", um konkurrenzfähig zu sein. Zwar könne man auch mit 100 Millionen schon "einzelne Aufgaben gut erledigen", aber wenn die Budgets viel kleiner würden, "dann lassen sich auch Einzelaufgaben nicht mehr vollumfänglich erledigen. Für die Forschung würde ich dabei mindestens 10-15 Prozent der Summen ansetzen." Im Bereich der Weltraumüberwachung und Wirkung im Weltraum könne man mit 100 Millionen einzelne Assets schützen, aber wenn es alle sein sollten, dann sei die Skala "nach oben offen".