Klimawandel: Trockene Moorflächen vernässen – Bauern tragen die Konsequenzen
Seite 2: Neue Anbautechnik und Kulturen finden
In den Ministerien für Umwelt und für Landwirtschaft in Niedersachsen wird derzeit an Konzepten gefeilt. Moorbodenschutz müsse freiwillig, gemeinsam und kooperativ sowie gerecht erfolgen, heißt es in einer Stellungnahme aus beiden Häusern. "Fördertechnisch ist ein umfangreicher "Werkzeugkasten" erforderlich, der auf verschiedenen Ebenen ansetzt." Dabei wird auch an Flurbereinigungsmaßnahmen gedacht. Damit sollen Flächennutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Moorbodenschutz aufgelöst werden.
Den Moorschützern sei klar, dass die Veränderungen für die Landwirtschaft gigantisch seien, sagt Gaudig. Zum Beispiel dürfte die Zahl des Milchviehs in der Weser-Ems-Region deutlich zurückgehen. Stattdessen müssten Anbautechniken und Kulturen gefunden werden, die mit dem Moorschutz vereinbar sind. Etwa die Paludikultur, bei der zum Beispiel Torfmoose angebaut werden – ein gefragter Rohstoff für die Substrat- und Gartenbauindustrie, denn Torfmoose können Torf ersetzen. Auch der Rohrkolbenanbau könne ein neuer Erwerbszweig sein, sagt Gaudig. Durch sein Luftgewebe sei Rohrkolben sehr gut für die Herstellung von Dämmplatten geeignet.
Denkbar sei aber auch, dass die Landwirte Geld vom Staat oder aus dem Kohlenstoff-Zertifikate-Handel dafür bekommen, dass sie ihre Flächen wiedervernässen. "Es ist klar, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die Landwirtschaft klimagerecht umzubauen. Das kann man unmöglich auf die Landwirte alleine abwälzen", sagt Gaudig.
Auch Auswirkungen auf Siedlungen
Landvolk-Präsident Hennies macht auf einen anderen Umstand aufmerksam: In Niedersachsen gehe es nicht nur um einzelne landwirtschaftliche Flächen. Teils müssten im Nordwesten des Landes große Flächen wiedervernässt werden, was auch Auswirkungen auf die Siedlungen habe. "Das heißt, Sie brauchen ganz andere wasserbauliche Konzepte in Niedersachsen." Betroffen seien 100.000 Menschen. Welche Flächen sich zur Renaturierung der Moore eignen und wie sich das wasserbaulich umsetzen lasse, dafür müsse das Land Konzepte entwickeln. Die Aufgabe sei gigantisch. "Eigentlich brauchen wir eine Landesmoorgesellschaft, die sich um diese Konzepte kümmert."
Welche Kosten auf das Land zukommen, lasse sich derzeit nicht konkret abschätzen, heißt es aus dem Umwelt- und dem Landwirtschaftsministerium. Vieles sei noch ungeklärt – das Land wisse zum Beispiel noch gar nicht, welche Flächen für mögliche Klimaschutzmaßnahmen in Mooren relevant seien. Auch den Zeitbedarf für diese Klimaschutzmaßnahmen kann die Landesregierung noch nicht konkret abschätzen.
Dabei drängt die Zeit. "Im Moorschutz gilt das Motto: "Das Moor muss nass – und zwar sofort"", sagt Gaudig. Je mehr Zeit verstreiche, desto mehr Kohlendioxid-Emissionen gingen in die Luft.
(tiw)