Ein Wunder jeden Tag

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Die Arbeit von rund 700 Forschern, die den Columbia-Supercomputer bereits nutzen, dreht sich nicht nur um die Technik - auch der Mensch im All ist für die NASA-Wissenschaftler und Kollegen anderer Institute ein zentrales Forschungsgebiet. So wird etwa am "Digitalen Astronauten" gearbeitet, mit dem sich die Leistungsfähigkeit während eines Weltraumflugs simulieren lassen soll. Ein virtueller Mensch soll einst bis auf die zelluläre und molekulare Ebene komplett modelliert und simuliert werden. Gegenwärtig arbeiten die Forscher an Fluiddynamik-Simulationen der Blutversorgung des Gehirns, um festzustellen, welchen genauen Einfluss veränderte Schwerkraft darauf hat, vor allem für künftige längere Aufenthalte im All.

Wenn sich Columbia gerade nicht mit Raumfahrt-Themen beschäftigt, geht das System auch mal Meteorologen zur Hand. Zusammen mit Forschern des internationalen ECCO-Konsortiums entwickelte die NASA zum Beispiel ein hochauflösendes (5 Kilometer) globales Ozean-Meereis-Zirkulationsmodell, das momentan nur mit Columbia berechnet werden kann. Zehn Tage Rechenzeit braucht die Maschine für ein simuliertes Jahr im 3D-Modells. Mit einem etwas geringer auflösenden Modell (28 Kilometer) kann bereits fünf Tage im Voraus prognostiziert werden, wo in den USA ein Hurrikan auf Land trifft. Bis dahin lag die Vorwarnzeit bei zwei Tagen. Insgesamt laufen derzeit rund 60 Projekte bei Columbia, darunter Forschung mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen, Molecular Modelling, über Einflüsse des Sonnenwetters auf Kommunikationssatelliten und die Formierung der Milchstraße.

(Entnommen aus Technology Review Nr. 9/2005; das Heft können Sie hier bestellen. (wst)