"Ein Misserfolg war das nicht"
Seite 2: "Ein Misserfolg war das nicht"
TR: Sehen Sie noch Probleme bei der eigentlichen AusfĂĽhrung der Mission, also dem Aussetzen der Satelliten?
Musk: Das ist nicht kompliziert. Dem Vehikel wird einfach ein "Release"-Kommando ĂĽbermittelt und das wars.
TR: Sie haben selbst rund 100 Millionen Dollar aus Ihrem Privatvermögen in SpaceX investiert. Wie lange halten Sie noch durch, bevor ordentlich Geld in die Kasse kommt?
Musk: Lange genug. Ich kann mich nur nochmals wiederholen: Für mich war die letzte Mission ein Erfolg. Sollte bei unserem ersten Satellitenstart etwas danebengehen, also der Satellit nicht in die Umlaufbahn gelangen, wäre das natürlich sehr unschön.
TR: Welche Satelliten soll SpaceX bei seinen ersten Missionen ins All befördern?
Musk: Der erste Satellitenstart ist für den Spätsommer geplant. Das ist ein Satellit des US-Verteidigungsministeriums für die amerikanische Marine. Auch die ersten beide Teststarts von Falcon 1 wurden von der US-Regierung mitfinanziert. Sie ist sozusagen unser Beta-Kunde. Diesem müssen wir außerdem beweisen, dass wir mit unseren Raketen sehr schnell ins All gelangen können.
Der Plan ist, sie innerhalb einer Stunde betanken und dann ins All schießen zu können. Die Idee dabei ist, dass das US-Militär bei Satellitenfehlern oder dem Abschuss eines Satelliten diesen sehr schnell ersetzen kann. Das kann bislang keine andere Weltraumfirma leisten.
TR: Bislang haben Sie nur die kleinere Falcon 1 getestet. Wird die wesentlich traglaststärkere und damit kommerziell attraktivere Falcon 9 parallel entwickelt?
Musk: Ja. Allerdings bauen beide Systeme auf den gleichen Komponenten auf. Die Falcon 9 nutzt eben neun der Raketenmotoren der ersten Stufe der Falcon 1 und einen Falcon-1-Raketenmotor der ersten Stufe in ihrer zweiten Stufe. Ein erster Teststart einer Falcon 9 wird aber noch eine gewisse Zeit brauchen.
TR: Sie selbst haben die NASA und andere Weltraumagenturen gerne wegen Ihrer Bürokratie belächelt – und versuchen nun, ähnliche Aufgaben wesentlich effizienter zu lösen. So benötigen Sie für Ihre Starts erstaunlich kleine Teams. Inzwischen haben Sie ja genügend Erfahrung gesammelt. Wird sich Ihre Vision der kostengünstigen Weltraumfahrt also tatsächlich verwirklichen lassen?
Musk: Durchaus. Wobei ich die NASA hier in Schutz nehmen muss – auch dort kauft man seine Starts und Raketen ja bei Boeing oder Lockheed ein. Die NASA ist außerdem ein wichtiger Kunde von uns und sehr an unserer Arbeit interessiert.
Uns ist es gelungen, die Kostentreiber in nahezu allen Bereichen kleiner zu bekommen – vom Raketenmotor über die notwendigen Gebäude, die Luftfahrtelektronik, die Launch-Teams, die Organisation und vieles mehr. Wir fahren einen sehr geringen Overhead und gehen überall so innovativ wie möglich vor.
Der wichtigste Punkt auf lange Sicht ist aber, dass die Falcon 9 die erste wiederverwendbare Rakete zum Erreichen der Erdumlaufbahn sein wird. Wenn wir das schaffen, ist uns einer der größten Durchbrüche in der Geschichte der Raketentechnik gelungen. (bsc)