E-Autos: Wie kommt Recycling in Deutschland voran?

Seite 2: Kreisläufe und Sozialstandards

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Wie für Benziner und Diesel gelte auch bei E-Autos, dass die Wahl des Fahrzeugs seine Ökobilanz beeinflusse: „Kleinere und leichtere Fahrzeuge benötigten kleinere und leichtere Akkus.“ Eine ausreichende, aber möglichst geringe Reichweite senke den Bedarf an Rohstoffen, erklärt Strobelt.

Auch andere Autohersteller sehen im Recycling neue Geschäftsmöglichkeiten. BMW arbeitet ebenfalls mit Northvolt sowie mit der belgischen Firma Umicore zusammen. Der Konzern wolle eine „komplette, nachhaltige Wertschöpfungskette für Batteriezellen“ in Europa aufbauen, die sich von der Entwicklung über die Fertigung bis zum Recycling erstreckt – inklusive „umfassender Wiederverwertung der Rohstoffe“.

Bisher sind die gängigen Verfahren beim besonders wichtigen Lithium für normale Autobatterien aber noch ziemlich aufwendig. Varta-Chef Herbert Schein sagte im Herbst 2019 der Augsburger Allgemeinen: „Die Recycling-Quoten sind noch niedrig. Der Recycling-Vorgang für Lithium ist heute teuer, und die saubere Trennung der Materialien ist schwer umzusetzen. Das muss sich künftig ändern, wenn die Nachfrage steigt.“ Varta beteiligt sich an Forschungsprojekten. Der Entwicklungschef für Batteriezellen bei VW, Matthias Ullrich, glaubt: „Das Recycling von Batterien wird sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickeln.“

Continental beschäftigt sich mit der Weiternutzung von Lkw-Reifen, 24 Prozent werden inzwischen mit neuen Laufflächen ausgestattet. Es geht auch um Techniken, wie sich Industrieruß recyceln lässt, der anschließend in die Reifenherstellung zurückfließt. Im November 2019 startete Conti ein Projekt mit der Firma Pyrolyx: Fünf Jahre lang sollen die Reifenwerke jährlich 10.000 Tonnen Ruß erhalten, der aus mehr als drei Millionen Altreifen stammt. Beim Recycling von Elektronikteilen gilt ein „Gesamtverwertungsziel“ von 95 Prozent. Die Umsetzung wird dabei von Standort zu Standort überprüft, denn die Menge an Wertstoff-Abfällen und Art der Verwertungsketten kann lokal sehr unterschiedlich sein.

BASF und weitere Mitgliedsfirmen der Global Battery Alliance wollen bis Ende 2022 einen internationalen „Batteriepass“ fertig entwickelt haben. Dieser soll Daten zu bestimmten Kriterien, Standards und Schwellenwerten enthalten, die für die Ausstellung eines „Qualitätssiegels“ für nachhaltige Batterien erforderlich sind. Verbraucher sollen so beim Kauf von Elektroautos mehr Auskunft über eine umweltbewusste Herstellung erhalten. Es soll zertifiziert werden, dass zum Abbau wichtiger Bestandteile wie Kobalt keine Kinderarbeit geleistet sowie Sicherheits- und Gesundheitsstandards eingehalten wurden.

(von Jan Petermann und Teresa Dapp, dpa)

(mfz)