iPhone-Akkutausch – Service-Anbieter im Test

Was verlängert das Leben des Akkus im iPhone, wann muss man ihn tauschen, wer übernimmt die Arbeit? Und: Was steckt hinter Apples Leistungsdrosselung? Mac & i ist diesen Fragen nachgegangen und hat Dienstleistern beim iPhone-Batteriewechsel auf die Finger geschaut.

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Inhaltsverzeichnis

Ein Ladezyklus entspricht bei Apple immer einer vollständigen Entladung des Akkus. Diese muss aber nicht in einem Zuge erfolgen, sondern zusammen 100 Prozent ergeben.

Benutzt man also zum Beispiel vier mal sein vollgetanktes iPhone, bis es nur noch einen Ladezustand von 75 Prozent hat, ist ein Zyklus abgeschlossen (4 x 25% = 100%). Dass nicht bei jedem Laden ein Zyklus anfällt, liegt an der Lithium-Ionen-Technik. Diese Akkus muss man vor dem nächsten Befüllen nicht möglichst weit entladen, da kein kapazitätsreduzierender Memory-Effekt auftritt, wie bei Nickel-Metall-Hydrid-Technik (NiMH).

  • Hinweise auf ein von iOS unter Umständen automatisch vorgenommenes Heruntertakten des iPhone-Prozessors liefert zum Beispiel die App „CPU DasherX“ von GreenGames Studio. Unter „Current Frequency“ nennt sie den aktuellen MHz-Wert der CPU. Liegt er weit unterhalb von der „Max Frequency“, ist das iPhone betroffen. Bei einem 6s von uns zeigte die App die erwartbaren 1848, bei einem anderen 1200 und bei einem dritten 911 MHz. In der Kälte sackte der Wert teilweise kurzfristig von 911 auf 600 MHz ab. Vor der Messung sollte der Akku geladen, alle Apps beendet und das iPhone neu gestartet worden sein.
  • Eine weitere Möglichkeit zum CPU-Check ist es, die App Geekbench laufen zu lassen und das Ergebnis mit der zugehörigen Datenbank zu vergleichen. Betroffene Geräte schneiden oft mit 30 bis 50 Prozent niedrigeren Werten ab. Geekbench 4 kostet 1,09 Euro. Fühlt sich Ihr iOS-Gerät langsamer an, liefert aber bei Geekbench Normalwerte, ist ein anderes Phänomen als das Heruntertakten durch Apples iOS-Updates der Grund.

Im Mac-Programm CoconutBattery sehen Sie die Zahl der Ladezyklen und die Restkapazität von iOS-Geräte-Akkus.

Hält der Akku keinen ganzen Tag mit normaler Benutzung durch, empfiehlt sich ein Wechsel auf jeden Fall. Bei neueren Modellen tauscht Apple den Akku derzeit für knapp 30 Euro, für iPhones vor dem 6 veranschlagt der Hersteller 89 Euro. Ältere iPhones einschließlich dem 4er-Modell repariert Apple nicht mehr.

Viele Besitzer älterer iPhones können ein Lied davon singen: Der Akku ihrer Geräte hält nur noch wenige Stunden durch und macht oft ausgerechnet dann schlapp, wenn sie das Smartphone zum Chatten, Telefonieren oder Fotografieren brauchen. Immer öfter schalten sich iPhones einfach ab.

Im Dezember kam nun heraus, dass Apple den Prozessortakt in einigen iPhones sogar bewusst reduziert, wenn der Akku einen gewissen Abnutzungsgrad erreicht. Frecherweise hat das Unternehmen dies anfänglich verschwiegen und dann nicht als Fehler kommuniziert, sondern als Feature angepriesen.

Etliche Besitzer der iPhones 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus und SE beklagten bis Anfang letzten Jahres, dass ihre iPhones sich gelegentlich einfach abschalten, insbesondere beim Wechsel von warmer in kalte Umgebung. Apple reagierte mit einem Update: iOS 10.2.1 brachte Verbesserungen mit, um das Auftreten von unerwartetem Ausschalten zu reduzieren. Stolz berichtete das Unternehmen von einem Rückgang des Effektes um 70 bis 80 Prozent, verschwieg aber, zu welchem Preis: Erst im Dezember 2017 wurde bekannt, dass diese „Verbesserungen“ vor allem darin bestanden, die Prozessorleistung der betroffenen iPhones zu reduzieren. Nur durch den Einbau eines neuen Akkus gelangen sie wieder zur ursprünglichen Performance zurück.

Weil Apple seine Kunden im Unklaren über die Verlangsamung gelassen hat, haben sich einige von ihnen möglicherweise ein neues Gerät statt eines neuen Akkus gekauft. Besonders pikant: Manche waren vorher mit ihrem erlahmten iPhone im Apple Store, wo eine Diagnose-Software festgestellt hat, dass der Akku noch nicht getauscht werden muss und somit auch nicht von Apple getauscht wird.

Unser iPhone 6s fiel in der Kälte auf verheerende 600 MHz CPU-Takt ab, wie die App CPU DasherX meldet.

Immerhin hat sich Apple entschuldigt. Nicht nur für das Heruntertakten selbst, sondern auch für die mangelnde Kommunikation. Apple beteuert, niemals absichtlich etwas getan zu haben oder zu tun, was die Lebensdauer eines seiner Produkte verkürzt, um neue Geräte zu verkaufen.

Das klingt glaubwürdig und nimmt all jenen Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln, die Apple grenzenlose Gewinnsucht unterstellen. Als kleine Wiedergutmachung bietet Apple bis Dezember 2018 für alle betroffenen iPhones den Akkutausch für 29 statt 89 Euro an – dazu gleich mehr.

iPhones arbeiten mit Lithium-Polymer-Akkus, die wie andere Lithium-Ionen-Akkus einem chemischen Alterungsprozess unterworfen sind. Mit der Benutzung sinkt nicht nur die Kapazität (also die Menge des gespeicherten Stroms), sondern steigt auch der Innenwiderstand (Impedanz) eines Akkus, wodurch dessen maximale Entladungsstromstärke abnimmt.

Der Akku kann dann eventuell nicht die Leistungsspitzen liefern, die CPU und GPU kurzfristig (etwa bei Spielen, bei der Bildbearbeitung oder beim Foto-Blitz) einfordern. Der Innenwiderstand eines Akkus nimmt bei geringer Ladung oder bei kalten Temperaturen ebenfalls zu – allerdings nur vorübergehend.

Bekommt der Prozessor nicht genug Power geliefert, schützt iOS die Komponenten vor dem Spannungsabfall, indem es das ganze Gerät herunterfährt. Damit es nicht zu einer solchen Situation kommt, reduziert Apple die Taktrate bei betroffenen Geräten, wenn der Akku schwächer wird. Diese „Energiesparfunktion“ wurde im Januar 2017 mit iOS 10.2.1 für die Geräte iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus und SE eingeführt. Für das iPhone 7 und 7 Plus kam sie mit iOS 11.2.0.

Doch wann ist ein Akku so schwach, dass die Bremse greift? An der Zahl der Ladezyklen oder den prozentualen Kapazitätseinbußen allein liegt es nicht, wie unsere Tests ergeben haben: Ein iPhone 6s mit 301 Ladezyklen und 1393 (von ursprünglich 1715) mAh Restkapazität war nicht betroffen, ganz anders als ein Gerät gleichen Typs mit nur 235 Zyklen und verbliebenen 1505 mAh.

Apple legt nach eigenem Bekunden eine Kombination aus der internen Temperatur, der Restkapazität und dem Innenwiderstand des Akkus als Auslöser zugrunde. Die Impedanz bekommt man aber mit keinem uns bekannten Programm angezeigt, womit dem Anwender nicht alle notwendigen Parameter offenliegen.

Hat die Verlangsamung bereits stattgefunden, erkennt man sie subjektiv an einer gewissen Klebrigkeit beim Scrollen und App-Handling. Neben allgemein trägeren Reaktionen, längeren App-Startzeiten, Ruckeln beim Scrollen und etwas geringerer Lautsprecherlautstärke kommt es zu allgemein niedrigerer Rechenleistung bei Spielen und anspruchsvollen Apps.

Nicht betroffen sind laut Apple die Mobilfunk-, GPS- und Ortungsdienste, die Sensoren wie Gyroskop, Beschleunigungsmesser und Barometer, die Foto- und Videoqualität sowie Apple Pay.

Auch das Anstöpseln eines leistungsstarken iPad-Ladegeräts bringt keine Besserung. Der von uns zu dem Thema befragte iOS-Code-Experte Guilherme Rambo erklärt das so: „Auch während des Ladens bezieht das Gerät seinen Strom vom Akku.“ Dieser ist für das Abfangen von Spannungsspitzen immer selbst verantwortlich.

Erst nach zahlreichen Sammelklagen hat Apple mit iOS 11.3 nachgebessert: Das Update schaltet eine bereits gesetzte Drosselung erst einmal ab – bis der Schutz vor dem unerwarteten Abschalten wieder automatisch greift. Wird der Prozessor wieder gebremst, erhält der Nutzer nun eine Mitteilung und kann die Drosselung in den Einstellungen abschalten – ist der Akku schwach, kann die iPhone-Zwangsausbremsung aber jederzeit erneut aktiv werden.

Laut Apple ist das Heruntertakten gegenwärtig auf die Modelle iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus und SE ab iOS 10.2.1 sowie iPhone 7 und 7 Plus ab iOS 11.2 beschränkt. Man prüfe allerdings, ob das „Energiesparfeature“ auch auf weitere Geräte angewandt wird, heißt es in einer Erklärung vom 20. Dezember. Vermutlich geht es hier um spätere Modelle ab dem 8er, deren Akkus jetzt noch nicht die chemische Alterungsgrenze erreicht haben dürften.

Um Apples Aussage zu überprüfen, haben wir den ganzen im Laufe der Jahre angesammelten Mac & i-Geräte-Zoo auf Takteinbußen durchgetestet, darunter ein iPod touch 6, iPhones 4, 4s, 5, 5c, 5s, 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus, 7 Plus, 8 und 8 Plus sowie die iPads 2, 3, 3 UMTS, Air, 9,7" und Pro 12,9" 2017. Erfreulich: Außer den von Apple genannten Geräten fiel keines negativ auf.

Der bei der Entdeckung des Skandals beteiligte Guilherme Rambo lieferte uns auch dafür eine plausible technische Erklärung: „Vermutlich benötigen ältere Geräte ohnehin keine so dramatischen Spannungsspitzen“.

Ab dem iPhone 6 habe Apple zwar den Leistungshunger der CPU und GPU erhöht, aber nicht den Akku vergrößert. „iPads haben im Vergleich zu iPhone riesige Akkus“, wodurch sie weniger anfällig gegen Spannungsspitzen sind. Übrigens war in unseren Tests auch keines der vier Plus-Modelle betroffen, obwohl eines beachtliche 544 Ladezyklen hinter sich hatte: Ihre Akkus haben erheblich mehr Kapazität als die der Geräte ohne Plus im Namen.

Bei iPhone X, iPhone 8 und iPhone 8 Plus hat Apple offenbar Verbesserungen vorgenommen, die ein unerwartetes Abschalten der Geräte verhindern sollen. Diese "Hardware-Updates" ermöglichen ein verbessertes Power-Management, durch das iOS ein unerwartetes Abschalten "vorhersehen und vermeiden" betonte der Hersteller im Februar gegenüber US-Politikern.

Apple hat den Preis für Ersatzakkus für jeden Kunden mit einem iPhone 6 oder neuer außerhalb der Garantiezeit von 89 um 60 auf jetzt 29 Euro gesenkt. Die Aktion ist bis Ende 2018 gültig. Zum Teil kommen noch Versandkosten hinzu. Wir haben es ausprobiert.

Um den Akku bei Apple austauschen zu lassen, geht man auf die Webseite „getsupport.apple.com“. Wer vorab noch seinen Anspruch auf Garantie oder Apple Care prüfen will, startet auf „checkcoverage.apple.com/de“ und gibt die Seriennummer seines Gerätes ein. Zur Eingrenzung des Problems wählt man „Batterie, Stromversorgung & Aufladen“ und dann „Battery replacement“.

Nun muss man entscheiden, ob man das iPhone lieber bei Apple vorbeibringen oder per Post einsenden möchte, und sich spätestens jetzt mit seiner Apple-ID anmelden. Will man sein Gerät selbst zur Werkstatt bringen, gibt man als nächstes seinen Standort ein und wird aufgefordert, einen Anbieter auszuwählen.

Verwirrenderweise stehen hier zunächst die Telefon-Provider O2, Vodafone und Telekom zur Auswahl. Erst im nächsten Schritt erscheint eine Karte mit in Frage kommenden Service-Providern und zum Teil auch den nächsten freien Terminen. Diese sind auch abhängig von den vorhandenen Ersatzteilen; eine sofortige Reparatur zum Termin ist aber nicht garantiert.

Schon beim Online-Auftrag erscheint eine Karte von Service-Providern samt freien Terminen.

Wir entschieden uns hier für den Apple Store Hannover, der zwei Tage später einen Termin frei hatte. Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man unbedingt ein Backup seiner Daten anfertigen – entweder auf seinem Computer per iTunes oder mit Hilfe von iCloud. Unser Tipp: Bevorzugen Sie das lokale verschlüsselte Backup. Das geht am schnellsten und alle Passwörter werden mit übertragen, sodass Sie nach einer Wiederherstellung nahtlos weiterarbeiten können.

Außerdem repariert Apple ein iPhone nur, wenn „Mein iPhone suchen“ für den Reparaturzeitraum vom Besitzer deaktiviert wurde (in den Einstellungen ganz oben mit dem User-Namen unter „iCloud“ zu finden).

Im Store kamen wir sofort dran und mussten nur kurz an der Genius Bar auf einen Techniker warten. Der verzichtete auf jede weitere Diagnose über den Akku-Zustand und fotografierte mit seinem iPad die Seriennummer unseres iPhone 6s aus dem Info-Dialog der allgemeinen Einstellungen ab. Dann erklärte er uns, dass es für unser Gerät noch ein Qualitätsprogramm für den Akku gebe (gilt für alle 6s-iPhones bestimmter Seriennummern). Der Wechsel würde uns also nichts kosten. Am nächsten Tag konnten wir das iPhone abholen und es lief wieder mit voller Taktrate.

Wollen Sie einen kostenlosen iPhone-Batteriewechsel innerhalb der beschränkten Ein-Jahres-Garantie, muss Ihr Akku bei Apples Diagnosetest durchfallen: Das ist der Fall, wenn er mindestens 20 Prozent seiner Anfangs-Kapazität verloren und dabei nicht mehr als 500 Ladezyklen hinter sich hat (mehr dazu später).

Hat man keinen Service-Provider in der Nähe oder keine Zeit für einen Ausflug dorthin, wählt man „Einsenden“. Auch diesen Weg haben wir ausprobiert: Hier erschien für unser zweites 6s nach Eingabe der Seriennummer zunächst ein „Kostenvoranschlag“ von 24,37 Euro, wobei noch die Mehrwertsteuer und Versandkosten fehlten. Zusammen kamen wir auf 40,90 Euro, obwohl auch dieses Gerät laut der zugehörigen Webseite noch unter das Qualitätsprogramm für den kostenlosen Austausch fällt.

Schließlich wurde uns mitgeteilt, dass wir sechs bis zehn Tage auf unser Gerät warten müssten. Zur Abholung kam UPS am nächsten Tag vorbei und nahm nur das Gerät ohne Zubehör und Verpackung mit. Alternativ kann man sich auch eine Transportbox zuschicken lassen und gibt diese mitsamt seinem iPhone bei einer Filiale des Versandunternehmens ab.

Zwei Werktage später meldete sich Apple per Mail und forderte uns auf, unsere Reparatur auf der Webseite zu „aktualisieren“. Wir staunten nicht schlecht, denn dort stand: „Schaden: Beschädigt, Typ: Hauptplatine“. Die nötige Reparatur sollte stattliche „294,87 Euro + Steuer“ kosten – insgesamt also 350,90 Euro, wohlgemerkt, statt dem uns kostenlos zustehenden iPhone-Akkutausch – das wollten wir freilich nicht bezahlen. Insbesondere, weil das iPhone bis zum Schluss korrekt – wenn auch zu langsam – funktionierte.

Statt eines kostenlosen Akkutauschs forderte Apple für unser iPhone 350,90 Euro wegen einer angeblich kaputten Hauptplatine.

Das zurückgeschickte iPhone 6s war so schlecht zusammengebaut, dass die Gummidichtung herausquetschte. Es funktionierte aber weiterhin. Vom tschechischen Dienstleister wurden uns 100 Euro Gebühr angedroht, wenn wir mit der gleichen Sache noch einmal zu Apple kämen. Für einen Protest war es bis zum Redaktionsschluss dann zu spät. Wie die Geschichte schließlich zu einem guten Ausgang kam, haben wir in Mac & i Heft 2/2018 in einem Test des Apple-Supports beschrieben.

Wer im Jahr 2017 bei iPhone 6, 6s oder 7 sowie der jeweiligen Plus-Modelle für einen Akkutausch bei einer autorisierten Apple-Werkstatt oder dem Hersteller die üblichen 89 Euro bezahlt hat, soll nun eine Rückerstattung des Differenzbetrages zum aktuellen 29-Euro-Angebot erhalten – sprich eine Gutschrift über 60 Euro. Die Gutschrift erfolgt im Idealfall automatisch auf das Bankkonto oder die Kreditkarte, die zur Zahlung des iPhone-Akkutauschs eingesetzt wurde, erklärt Apple, darüber wird per E-Mail informiert.

Sollten Nutzer bis Ende Juli keine derartige E-Mail erhalten haben, müssen sie Apple für eine Gutschrift selbst kontaktieren und einen Nachweis über die Ausführung des Akkutauschs durch Apple oder einen autorisierten Partner vorlegen. Bei einem Akkuwechsel durch unabhängige Service-Anbieter gibt es keine Gutschrift. Eine Anforderung der Rückzahlung ist noch bis Ende des Jahres 2018 möglich.

Wer seinen Akku bei einer freien Werkstatt hat tauschen lassen, geht bei der Rückerstattung leer aus. Es kann sogar noch schlimmer kommen: Ist auch der Drittanbieter-Akku so schwach geworden, dass iOS den CPU-Takt reduziert, gibt es für diese iPhones keinen Akkutausch mehr bei Apple – auch nicht zum vollen Preis. Apple verweigert gerne auch die Reparatur von Geräten, die unsachgemäß eingebaute Fremd-Displays oder andere Ersatzteile enthalten. Oftmals wollen die Techniker diese Teile dann (kostenpflichtig) mit tauschen.

Hat das iPhone auch nur einen kleinen Display-Riss oder ist der Rahmen leicht verzogen, wird der Akku für gewöhnlich von Apple-Technikern nicht getauscht, ohne auch die anderen Schäden zu reparieren. Hier werden aus den 29 dann schnell 190 Euro.

Für den Batterie-Service bei einem iPad verlangt Apple außerhalb der Garantiezeit 99 Euro. Das erste iPad und das iPad 3 werden nicht mehr unterstützt. Da Apple beim iPad die Akkus in das Gehäuse klebt, wird in der Regel das ganze Gerät ausgetauscht. Hier ist ein Backup also besonders wichtig. Eventuelle Gravuren gehen beim Tausch gegen ein anderes Gerät natürlich verloren. Für den iPod touch 6 kostet der Batterie-Wechsel zur Zeit 100,90 Euro bei Apple. Die Vorgänger werden hier nicht mehr repariert.

Nur mit Glück geht man nach dem Besuch einer zertifizierten Apple-Werkstatt sofort mit einem reparierten oder ausgetauschten Gerät nach Hause. Einkalkulieren sollte man ein bis vier Werktage Wartezeit. Bei dem Service per Paketdienst sollten Sie mit sechs bis zehn Tagen ohne Gerät rechnen. Auf alle Reparaturen gibt Apple 90 Tage Garantie.

Wer ein älteres iPhone oder ein anderes iOS-Gerät besitzt, wird möglicherweise lieber zu einer unabhängigen Werkstatt gehen – insbesondere nach Ablauf der Garantiezeit oder wenn Apple sein Gerät gar nicht mehr repariert.

Die Preissenkung für den Akkutausch bei iPhones ab dem 6 auf 29 Euro hat den freien Dienstleistern mit ziemlicher Sicherheit in diesem Punkt das Geschäft 2018 verhagelt.

Aber sie sind meist billiger als Apple und führen den Eingriff meist schneller aus. Man muss also nicht lange auf sein Gerät verzichten und bekommt auch nicht eventuell ein Ersatz-Gerät im Austausch. Außerdem sehen die freien Werkstätten über kleine Schäden im Display und am Rahmen hinweg oder bessern sie sogar aus, wo Apple nur teuer austauscht.

Das Diagnoseprogramm Picea liefert unter Windows Details zum Akkustand des iPhones.

Allerdings weiß man als Kunde nicht, ob Ausführung und verwendete Ersatzteile die gleiche Qualität haben wie bei Apple. Originalersatzteile gibt es auf dem freien Markt kaum. Werkstätten geben immerhin eine kurze Garantie auf die Reparatur und Ersatzteile. Wir haben uns beispielhaft den iPhone-Akkutausch bei drei Geräten in zwei Betrieben angesehen.

In vielen Märkten von MediaMarkt und Saturn gibt es neben dem regulären Service-Center einen kleinen Reparatur-Tresen der Firma Tec Repair, die zur gleichen Holding gehört. Sie bietet zum Beispiel Sofort-Service für Display und Akku vieler iPhone-Modelle an, sofern Ersatzteile vorrätig sind oder mit genügend Vorlauf bestellt werden konnten. Kunden werden stets darauf hingewiesen, dass keine original Ersatzteile eingebaut werden.

Vor dem Auseinandernehmen unterziehen die Techniker das Gerät einem genauen Check (unter anderem von Kamera, Mikro, Lautsprecher, Kopfhörerbuchse, Home-Button, Einschalter, WLAN, Bluetooth) anhand einer Liste, die der Kunde quittieren muss. Das hauseigene Diagnoseprogramm „Picea“ für Windows liefert ihnen Zustandsdaten vom Akku.

Bei dem iPhone 6 eines Kunden kostete die Reparatur 59 Euro, zum Einsatz kam ein Akku der „Angela Gutzeit Industrievertretung Geesthacht“ (AGI) mit 6,88 Wattstunden (Original 6,91 Wh). Statt der originalen kaugummiartig dehnbaren Klebestreifen (nach Art der Tesa Power Stripes) verwendete der Techniker im Mediamarkt Hannover Wülfel doppelseitiges Klebeband von der Rolle. Beim nächsten Akkutausch wird man vergeblich nach den Anfassern für Stripes suchen, aber bis dahin klebt der Akku vermutlich ausreichend fest.

Bei unserem mitgebrachten iPhone 5 stellte der Techniker fest, dass der Power-Schalter schwergängig ist und versuchte noch etwa zehn Minuten ohne Geld dafür zu berechnen, ihn durch Ausbau und Pressluft wieder gängig zu bekommen – leider vergeblich. Dann bot er einen Tausch des Teils für 59 Euro an, was wir aber nicht wollten. Den Akku hebelte er vorsichtig mit einem Plastikspatel heraus. Für hartnäckige Fälle stand eine Flasche mit Isopropanol-Reiniger bereit, die aber hier nicht nötig war, um den Kleber zu lösen.

iPhone-Akkutausch bei Media Markt (4 Bilder)

Bei jedem Akkutausch wird vorsichtshalber vorab das gesamte Display ausgebaut, damit es keinen Schaden nimmt.

Der neue Akku stammte dieses Mal vom AkkuShop.de und hatte eine Nenn-Kapazität von 5,5 Wattstunden (Original 5,45 Wh). Zur Fixierung kam wieder doppelseitiges Klebeband von der Rolle zum Einsatz.
Nach dem Zusammenbau ergab der Endcheck, dass auf Fotos der eingebauten Kamera des iPhone 5 stets ein dunkler Bereich erscheint. Beim Versuch, den Power-Schalter gängig zu machen, war wohl ein Bauteil vor die Linse gerutscht. Um den Fehler zu beheben, brauchte der Techniker noch einmal fünf Minuten, berechnete dafür aber erneut nichts.

Zum Schluss bot er noch an, den Akku aufzuladen, da dieser mit niedrigem Füllstand aus der Packung kam. Derweil konnten wir durch den Markt schlendern. Insgesamt kostete die Reparatur wie versprochen 39 Euro – 50 Euro weniger als bei Apple. Seit dem 9. Januar bis Ende Februar bietet MediaMarkt übrigens den Akkutausch bei den iPhones 6 bis SE wie Apple auch für 29 Euro an – ohne Versandgebühren.

Unter den vielen iPhone-Doktoren, die es mittlerweile in den meisten deutschen Städten gibt, zählt der RepairExpress aus Hannover zu den Betrieben mit großem Repertoire und guter Geräte-Ausstattung. Ein Akku-Wechsel gehört für den Chef Abdul El-Chafei – unsere Stammleser werden ihn kennen – zu den leichteren Übungen.

Er erzählt uns, dass er selbst nach China geflogen ist, um sich nach Bezugsquellen für Apple-Ersatzteile umzusehen und dort Teile in „Original-Qualität“ gefunden hat, die angeblich „vom gleichen Fließband“ stammten. In der Tat sieht der Ersatz-Akku für ein iPhone SE genauso aus wie das Original. Außerdem verwendet der RepairExpress die gleichen Klebestreifen wie Apple. „Wenn ein Apple-Techniker ein iPhone mit einem von unseren Akkus öffnet, erkennt er in der Regel den Unterschied nicht“, behauptet El-Chafei. Das könnte bei Garantiefällen von Vorteil sein, wenn es stimmt.

iPhone-Akkuwechsel durch Repair Express (4 Bilder)

Zunächst wird im RepairExpress der gummiartige Klebestreifen unter dem alten Akku eines iPhone SE herausgezogen.

In den fünf Filialen des RepairExpress wird beim iPhone-Akkutausch das Display ebenfalls immer komplett ausgebaut, damit es keinen Schaden nimmt. Den Akku testen die Techniker mit einem kleinen Messgerät, das sie ebenfalls direkt in China gekauft haben (siehe Foto). Es zeigt unter anderem die Ladezyklen, Kapazitäten und das Herstellungsdatum an.

Für den Akku-Wechsel beim iPhone SE verlangte der RepairExpress bei unserem Besuch noch 49 Euro und gewährt sechs Monate Garantie darauf. Inzwischen hat er reagiert und bietet Kunden mit einem iPhone 6 bis SE den gleichen Preis an wie Apple, also in diesem Fall 29 Euro

Vom eigenhändigen Tausch des iPhone-Akkus raten wir aus folgenden Gründen ab:

  • Zum einen sind Akkus von iOS-Geräten stets verklebt.


  • Zweitens ist das Auseinandernehmen auch wegen der extrem kleinen Schrauben unterschiedlicher Länge und leicht reißenden Flachbandkabeln kompliziert und fehlerträchtig.



  • Viertens können fehlerhaft eingesetzte Akkus explodieren.


  • Zudem gibt es praktisch keine Originalersatzteile zum Nachkauf, da Apple diese nur selbst verbaut und für autorisierte Händler bereitstellt. Fälschungen und Nachbauten können eklatante Sicherheitsmängel aufweisen.

Resümee

Durch die Preissenkung für den Batteriewechsel ab dem iPhone 6 auf 29 Euro werden viele Anwender diese Modelle beim Apple-Techniker reparieren lassen. Wir haben – bis auf den Fall mit der vermeintlich defekten Hauptplatine und gewissen Wartezeiten – nur gute Erfahrungen damit gemacht und können den Wechsel dort empfehlen.

Seit iOS 11.3 zeigen die Einstellungen den Battteriezustand – und erlauben, die Drosselung wieder abzuschalten.

Freie Werkstätten bleiben für die anderen iOS-Geräte außerhalb der Garantie eine überlegenswerte Wahl, weil sie meist günstiger, flexibler und schneller arbeiten.

Die Qualität der Ersatzteile und der Arbeit lässt sich bei ihnen schlecht vorher einschätzen. Woher die Teile stammen, wird meist nicht offen kommuniziert. Schuld daran ist Apples restriktiver Ersatzteilverkauf, der offiziell lediglich über den Einbau bei zertifizierten Werkstätten abläuft. Schön, dass es für den Anwender trotzdem Alternativen gibt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass man einem iOS-Gerät mit einem neuen Akku oftmals wieder neue Kraft einhauchen und so vielleicht sogar den Kauf eines neuen iPhones oder iPads hinauszögern kann. Alle Besitzer der iPhones 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus, 7, 7 Plus und SE sollten den verbilligten Tausch bis Ende Dezember auf jeden Fall nutzen, wenn ihr Gerät sich verlangsamt.

Wer die Batterie des iPhone 8 oder iPhone X im ersten Jahr arg strapaziert hat, kann ebenfalls noch über einen schnellen Akkuwechsel bis Ende 2018 nachdenken. Bei der Entscheidung helfen die iOS-Einstellungen für Batterie: Dort führt Apple ab iOS 11.3 auch den Batteriezustand auf. (jes)