Erster Blick auf auf die OpenSolaris-Distribution Projekt Indiana
Das Sun-Projekt Indiana, das auf Basis der OpenSolaris-Quellen eine Distribution bauen möchte, hat mit der OpenSolaris Developer Preview eine erste Version vorgelegt.
Mit der OpenSolaris Developer Preview ist jetzt die erste Version von Projekt Indiana erschienen. Das CD-Image enthält ein Live-System, das von CD läuft und über einen grafischen Installer die Einrichtung auf der Festplatte erlaubt. Die Live-CD startet einen aktuellen Gnome-Desktop (Version 2.20), wenn auch mit weniger Anwendungen als aktuelle Linux-Live-CDs; gemäß dem Indiana-Programm ist die Bash, nicht die traditionelle Korn Shell von Solaris, die voreingestellte Shell, und die GNU-Tools stehen im Suchpfad.
Daneben findet sich in der OpenSolaris Developer Preview natürlich viel Solaris-spezifisches. Dazu gehört das leistungsfähige Dateisystem ZFS, das RAID-Funktionen, Volume Management und ein robustes Dateisystem integriert. Enthalten ist auch die Virtualisierungsumgebung Zones, mit der mehrere Benutzerzumgebungen gegeneinander abgeschottet unter einem OpenSolaris-Kernel laufen. Der System-Tracer DTrace erlaubt tiefe Einblicke in das System, wie sie sich mancher Linux-Admin schon lange gewünscht haben mag; die Service Management Facility (smf), Suns Ersatz fürdie klassischen System-V-Init-Skripte, sorgt für einen schnellen Start der Systemdienste.
Im Einsatz
Die Indiana-Live-CD benötigt mindestens 512 MByte RAM. Das Auto-Login funktionierte auf einem von zwei Testsystemen nicht; die in den Release Notes beschriebene Lösung (Einloggen mit Username "jack" und Passwort "jack") klappte. Der Start in einer virtualisierten Umgebung wollte allerdings nicht gelingen – weder mit Xen noch unter VirtualBox.
Für eine Festplatteninstallation empfehlen die Entwickler 20 GByte freien Platz; 4 GByte sollten es minimal sein, von denen das installierte System 1,8 GByte belegt. OpenSolaris lässt sich parallel zu anderen Betriebssystemen installieren, allerdings muss zuvor eine Solaris-Partition angelegt werden – das Partitionierungswerkzeug im Installer ist deaktiviert. Eine Anleitung für die Multiboot-Installation findet sich auf den Solaris-Seiten.
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Erster Blick auf auf die OpenSolaris-Distribution Projekt Indiana
Am einfachsten ist die Installation, wenn man OpenSolaris eine ganze Platte überlässt, in der der Installer einen großen ZFS-Pool für das System anlegt. Ansonsten ähnelt die Installation einer typischen Linux-Installation: Zeitzone und root-Passwort festlegen, Benutzer anlegen, Tastatureinstellungen – fertig.
Das erste Booten nach der Installation dauert recht lange, da die Service Management Facility die zu startenden Dienste registrieren muss; danach fährt das System sehr schnell hoch. Diese Prozedur wiederholt sich, wann immer man einen neuen Dienst nachinstalliert, der ein Init-Skript mitbringt.
Die Hardware-Erkennung schlug sich auf unseren beiden Testsystemen ordentlich, lediglich ein Onboard-Netzwerkchip (Intel 82562EZ) wurde nicht erkannt – allerdings steckte auch keine allzu exotische Hardware in den Rechnern. Generell ist die Hardwareunterstützung von OpenSolaris schlechter als die aktueller Linux-Distributionen; mit gängiger Hardware kann OpenSolaris im Allgemeinen jedoch umgehen. OpenSolaris führt beim Booten keine erneute Hardware-Erkennung durch; über das Tool devfsadm lässt sich das System jedoch anweisen, Treiber für neu eingebaute Hardware nachzuladen. Einige Plug'n'Play-Geräte wie USB-Massenspeicher werden beim Anstecken am laufenden Betrieb erkannt – hier kommt der Gnome-Unterbau HAL zum Zuge.
Das frisch installierte System weist zwar eine deutsche Tastaturbelegung auf, präsentiert sich ansonsten jedoch komplett in Englisch. An einer Lokalisierung arbeitet die OpenSolaris-Community noch. Sun stellt Lokalisierungspakete lediglich für die eigene OpenSolaris-Variante Solaris Express bereit.
Im Betrieb nervt die schlechte Terminal-Anpassung im Gnome-Terminal. Viele Dinge, an die man sich unter Linux längst gewöhnt hat, funktionieren nicht: Pos1- und Ende-Taste lösen lediglich einen Piepser aus, in man-Pages lässt sich nicht mit den Bildlauftasten blättern und so weiter – man fühlt sich in alte Unix-Zeiten zurückversetzt. Interessanterweise ist die Terminalanpassung im xterm besser gelungen als im Gnome-Terminal – das lässt auf kommende Verbesserungen in der Desktop-Umgebung hoffen. Schade, dass /usr/X11/bin nicht im Suchpfad eingetragen ist, so muss man das xterm erst suchen.
Die Softwareverwaltung erfolgt über das Tool pkg mit dem Image Packaging System (IPS), das im Rahmen des OpenSolaris-Projekts weiterentwickelt wird. Das Ziel ist, Software-Pakete wie mit den in der Linux-Welt üblichen Werkzeugen wie apt-get aus Repositories übers Netz nachzuinstallieren und dabei Anhängigkeiten zwischen den Paketen automatisch auflösen zu lassen. Ein Paket-Depot für OpenSolaris ist unter pkg.opensolaris.org eingerichtet; es enthält allerdings nur die Software, die sowieso von der CD installiert wird. Kurioserweise befindet sich keine Java-Version darunter.
Fazit
Wer aus der Linux-Welt kommt, muss trotz Gnome-Desktop und GNU-Tools in vielen Dingen umlernen: Je näher man dem System kommt, desto größer werden die Unterschiede. Werkzeuge wie ifconfig und route haben eine leicht, fdisk bereits eine deutlich unterschiedliche Syntax. Für Hardware- und System-nahe Aufgaben wie das Laden von Treibern, die Verwaltung des ZFS, die Software-Management und so weiter sind unter Solaris andere Tools zuständig, wie auch viele Geräte einen anderen Namen tragen. Dafür gewinnt man mit ZFS oder Dtrace faszinierende Möglichkeiten, die es unter Linux so nicht gibt. Linux-Kennern steht hier allerdings eine Menge Forschungsarbeit bevor. Solaris-Administratoren erhalten mit der OpenSolaris Developer Preview eine komfortable Solaris-Version, die viel Solaris-Technik unter einer angenehmen, schon fast Desktop-tauglichen Oberfläche bereitstellt. (odi) (odi)