ENERGIEEFFIZIENZ
Durchsichtiger Aktionismus?
Bill de Blasio, Bürgermeister von New York City, will Hochhäuser mit Glasfassade verbieten, weil sie mit ihrem hohen Energieverbrauch stark zum Klimawandel beitragen.
Das klingt nach Aktionismus. Ist es aber nicht. De Blasio hat es geschafft, die Aufmerksamkeit auf einen der größten Energieverbraucher – in den USA wie in Deutschland – zu lenken: den Gebäudebestand.
Und im Gegensatz zu Deutschland packt de Blasio die Dinge an. Ein jüngst verabschiedetes Gesetz legt für jedes Gebäude den erlaubten Treibhausgasausstoß pro Fläche fest. Um den in Zukunft einzuhalten, sind laut Experten Investitionen von bis zu vier Milliarden Dollar nötig. Das Empire State Building etwa muss seine Emissionen bis 2030 um fast 28 Prozent senken, sonst droht eine Millionenstrafe pro Jahr.
Die Ankündigung bedeutet gerade nicht, dass kein Glas mehr verbaut werden dürfe, betont Mark Chambers, Leiter des Bürgermeisterbüros für Nachhaltigkeit. Tatsächlich lässt sich auch mit Glas sehr klimafreundlich bauen. Neben immer besserem Isolierglas gibt es Wärme- und Sonnenschutzglas. Außerdem lassen sich die Glasflächen optimal mit Photovoltaiksystemen kombinieren. Die Drohung, generell Glasfassaden zu verbieten, war also wohl ein PR-Trick, entweder um auf das neue Gesetz aufmerksam zu machen, oder um auf seine Überlegungen zu einer Präsidentschaftskandidatur hinzuweisen.
Ein bisschen mehr dieser Art von Aktionismus täte dem selbsternannten Klima-Primus Deutschland ganz gut. Hierzulande gibt es keinerlei Pflicht zur energetischen Sanierung von Altbauten, selbst bei Umbau und Renovierung nicht.