MIT Technology Review 1/2019
S. 19
Aktuell

energie

Genug Platz für 100 Prozent Erneuerbare

In Deutschland gibt es genug Flächen, um den Strombedarf zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Öko-Institut und Prognos im Auftrag des WWF durchgeführt haben. Rund 2,5 Prozent der Landesfläche wären danach im Szenario 1 nötig, wenn sich der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter wie bisher entwickelt und ein Schwerpunkt auf der Windenergie an Land liegt. Die Windenergieerzeugung an Land nehme dann von heute 41 Gigawatt (GW) auf 178 GW im Jahr 2050 zu, die Offshore-Windenergie von 3 GW auf 51 GW und Photovoltaik von heute 39 GW auf 154 GW. Der Einsatz von Biomasse ginge von heute 8 GW auf 6 GW zurück. Wasser bliebe bei 6 GW.

Im Szenario 2 liegt der Schwerpunkt des Ausbaus auf der Photovoltaik. Dafür wären sogar nur zwei Prozent der Landesfläche nötig. Die Windenergieerzeugung an Land stiege dabei nur auf 115 GW im Jahr 2050, die Photovoltaik dagegen auf 313 GW. Die anderen Erneuerbaren blieben gleich. Für das Solar-Szenario nahmen die Experten an, dass fast alle Dachflächen in Deutschland mit PV-Modulen ausgebaut werden. „Wir haben in Deutschland genug Platz für ein sauberes Energiesystem, es ist günstig und naturverträglich zu realisieren“, sagte Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. KARSTEN SCHÄFER

App des Monats

Auf Funklochjagd

Auch 27 Jahre nach dem Start des deutschen Mobilfunknetzes gerät man im ländlichen Raum immer noch in Funklöcher. Die neueste Version der App „Breitbandmessung“ kann weiße Flecken nun automatisch bei der Bundesnetzagentur melden.

Ursprünglich diente die App zur Messung der Datenübertragungsrate. Seit dem Update im Oktober ermittelt sie auch alle 10 bis 50 Meter, ob das Gerät eine Netzverbindung hat. Die Ergebnisse werden auf einer Karte und in einer statistischen Übersicht festgehalten. Ist der Nutzer online, wandern die Daten zur Zafaco GmbH, welche die App im Auftrag der Bundesnetzagentur entwickelt hat und die Ergebnisse auswerten soll. Welche konkreten Konsequenzen sich daraus ergeben, ist offen. Die Bundesnetzagentur will lediglich mit den Mobilfunk-Anbietern darüber „sprechen“, wo die Netze noch weiter verbessert werden müssen. Wer die App nutzt, muss darauf vertrauen, dass die Anbieter wie versprochen keine Bewegungsprofile erstellen.

Nach der Installation zeigen sich lästige Schwächen: Bei unseren Tests gingen einmal die Daten verloren, zudem verbrauchte die App mehr als doppelt so viel Strom wie WhatsApp. Auch andere Nutzer berichten in den App Stores von Startproblemen, Abstürzen, Datenverlust und unerkannten Funklöchern.

Funktioniert die App, ist der Nutzen überschaubar. So zeigt sie lediglich den Betreiber des Netzes an, in dem das Gerät eingebucht ist. Die Signalstärke und Informationen über Netze anderer Betreiber fehlen. Nutzer brauchen also viel Idealismus und die vage Hoffnung, dass sie auf irgendeine Weise zur Verbesserung des Funknetzes beitragen. MALTE KANTER

MEDIZIN

Warnung bei epileptischen Anfällen

Nightwatch-Armband schlägt Alarm bei Epilepsie-Attacken. Foto: Livassured

Epileptiker leben in ständiger Angst. Jederzeit kann ein Anfall auftreten, und besonders gefährlich ist es in der Nacht: Dann kann eine unentdeckte Attacke den plötzlichen, unerwarteten Tod nach sich ziehen. Entsprechend wichtig ist es, solche Anfälle rechtzeitig zu erkennen. Dann kann medizinisch eingegriffen werden.

Neurologen von der Technischen Universität im niederländischen Eindhoven ist es nun gelungen, mit Nightwatch ein Armband zu entwickeln, das Anfälle entdeckt. Im Rahmen einer Studie testeten sie das Armband an 28 geistig behinderten oder pflegebedürftigen Probanden, die in einer Einrichtung lebten. Das Armband erkannte den Forschern um Johan Arends zufolge 85 Prozent aller ernsten epileptischen Anfälle in der Nacht, bei besonders schweren Attacken sogar 96 Prozent. Dabei reagiert das Armband auf zwei wichtige Begleiterscheinungen der Anfälle: eine ungewöhnlich schnelle Herzfrequenz und rhythmische Körperbewegungen. Erkennt Nightwatch einen Anfall, lassen sich über das System Betreuer oder Pflegekräfte alarmieren. BEN SCHWAN

Umwelt

Weniger Feinstaub aus dem Ofen

Die Abscheiderbox macht Holzfeuer umweltfreundlich. Foto: IZES

Biomasseheizungen haben eine bessere Ökobilanz als Öl- und Gasheizungen, produzieren aber mehr Feinstaub. Gerade beim Verfeuern alternativer Brennstoffe wie Pellets aus Altholz oder Rinden droht ein Überschreiten der Grenzwerte der Bundesimmisionsschutzverordnung. Um schädlichen Staub aus dem Rauchgas zu filtern, entwickelten Forscher des gemeinnützigen IZES (Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme) und des Heizkesselherstellers Hoval mit Fördermitteln des Bundes einen nachrüstbaren Staubabscheider. Er eignet sich für kleinere Biomasse-Heizkessel bis zu einer Nennwärmeleistung von 160 kW. Der Abscheider macht sich die Elektrostatik zunutze: Eine Hochspannungskathode lädt die Partikel im Rauchgas zunächst elektrisch auf. Anschließend passiert das Rauchgas die Abscheide-Anode, an der die ionisierten Partikel haften bleiben. Das System soll bis zu 99 Prozent des Feinstaubs aus dem Rauch abscheiden können. Für dauerhaft hohe Abscheidegrade ist eine regelmäßige Reinigung der Elektroden nötig.

Je nach Heizanlage lässt sich das System direkt in den Kessel integrieren oder mittels einer Abscheiderbox unabhängig von Hersteller und Heizkesseltyp an den Kessel anbauen. ANTON WESTE

watchlist politik

Eigenverbrauch erleichtert

Der EU-Rat hat einer Änderung der Erneuerbaren-Richtlinie zugestimmt, die bis 2021 in nationales Recht umzusetzen ist. Sie hebt unter anderem die Ziele für Energieeffizienz sowie für den Anteil Erneuerbarer bei Strom, Wärme und Verkehr an. Dies soll unter anderem durch bessere Bedingungen für Eigenverbrauch und Mieterstrom geschehen.

Gesichtserkennung in Sachsen

Der Entwurf des Sächsischen Polizeigesetzes sieht eine automatische Gesichts-, Kennzeichen- und Bewegungserfassung auf öffentlichen Straßen vor. Betroffen ist ein 30 Kilometer breites Grenzgebiet.

Abschlüsse anerkennen

Ausländische IT-Spezialisten sollen auch ohne formale Ausbildung nach Deutschland einwandern können. So sieht es das Fachkräftezuwanderungsgesetz der Bundesregierung vor. Zudem will sie die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse erleichtern. Gut integrierte Ausländer, die bereits einen Job haben, dürfen unter Umständen bleiben, auch bei abgelehntem Asylantrag.

Mehr Offshore-Windkraft

Ein stärkerer Ausbau von Offshore-Windkraft, Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaik- Freiflächenanlagen sowie eine geringere Senkung der Einspeisevergütung für Solarstrom – dies steht im neuen „Energiesammelgesetz“.

Aus fürs Fax

Die britische Gesundheitsbehörde NHS darf ab Januar 2019 keine neuen Faxgeräte mehr anschaffen. Bis 2020 sollen auch die rund 8000 bestehenden Geräte verschwunden sein. Damit will das Gesundheitsministerium die Digitalisierung beschleunigen.