MIT Technology Review 1/2019
S. 32
Horizonte
Vorschau 2019

Charterflug ins All

Die USA bringen wieder aus eigener Kraft Menschen in den Orbit – diesmal mit Raumkapseln von privaten Firmen.

Ins All? Aus eigener Kraft? Die Amerikaner, scherzte Russlands Raumfahrtchef Dmitri Rogosin vor ein paar Jahren, könnten es ja mal mit einem Trampolin versuchen. Schließlich könnten – nach dem Ende der amerikanischen Space-Shuttle-Flüge im Juli 2011 – lediglich die Russen und die Chinesen Menschen ins All transportieren. Und China sei ja wohl keine Option.

Die Häme hat Wunden hinterlassen. Dass jüngst in einer der russischen Sojus-Kapseln ein Loch gefunden wurde, eine andere wegen Schlampereien an der Rakete notlanden musste, machte die Sache leider nicht besser. Denn amerikanische Astronauten sind trotzdem – ohne Überprüfung der Sicherheitskultur und ohne mit der Wimper zu zucken – in die Sojus-Kapseln geklettert.

Voller Mond

50 Jahre nach der ersten Mondlandung brechen wieder Länder zum Erdtrabanten auf. Das größte Ziel hat China: Es will eine permanente Mondstation errichten.

Im Jahr 1969 setzten die ersten, 1972 die letzten amerikanischen Astronauten ihren Fuß auf den Mond. Seither schickte die Nasa nur einzelne unbemannte Sonden zum Erdtrabanten, die aber nie landeten. Nun bevölkert sich der Mond wieder. Indien will mit Chandrayaan-2 im Januar starten und einen Lander sowie einen kleinen Rover absetzen. Sie und der Orbiter sollen das Gelände kartieren, die Bodenbeschaffenheit und extrem dünne Gashülle des Mondes untersuchen – vor allem aber will Indien Erfahrungen für künftige Missionen sammeln. Das israelische Unternehmen SpaceIL, hervorgegangen aus dem Google Lunar X-Prize, will ebenfalls am Jahresbeginn 2019 einen Lander zum Mond schicken – als erste private Initiative.

Der Pierazzo-Krater auf der Mondrückseite besitzt einen Durchmesser von 9,3 Kilometern. Die schwarzen Spuren sind Mondgestein, das beim Aufprall geschmolzen ist. Foto: NASA/GSFC/Arizona State University

Das größte Augenmerk aber dürfte China gelten. Denn das Land der Mitte wendet sich der bisher unberührten Rückseite des Mondes zu. Welche Phänomene dort warten, zeigte nicht zuletzt das Bild des bizarren Pierazzo-Kraters, das ein Nasa-Mondorbiter 2017 aufnahm. Am 7. Dezember brach China mit der Mission Chang’e 4 dorthin auf. Voraussichtlich im Januar soll der Lander aufsetzen und einen Rover losschicken. Bereits seit Juni kreist der Relaissatellit Queqiao in einer Umlaufbahn um den Lagrange-Punkt L2 hinter dem Mond. Von dort, 60000 Kilometer vom Erdtrabanten entfernt, ermöglicht er die Funkverbindung zur Erde.

Internet aus dem All

Hunderte kleine und günstige Satelliten bringen den letzten Winkel der Erde ans Netz.

Welch gewaltige Vorsätze Greg Wyler für 2019 gefasst hat, zeigt sich am besten beim Blick auf die Zahlen: Der Gründer des Raumfahrtunternehmens OneWeb will Woche für Woche fünfzehn Satelliten in seiner neuen Fabrik in Florida herstellen. Jeweils drei Dutzend von ihnen sollen in eine russische Sojus-Rakete gepackt werden. Alle 21 Tage soll eine dieser Raketen abheben. Und vier Milliarden Menschen, vielleicht das ambitionierteste Ziel, sollen durch die neuen Satelliten schnelles Internet aus dem All erhalten – genau jene Hälfte der Menschheit, die bislang vom Netz der Netze abgehängt ist.

800 dieser Satelliten will OneWeb ins All schicken. Foto: OneWeb/ World Vu

Größenwahnsinnig? Es ist zumindest ehrgeizig. Und 2019 muss sich zeigen, ob Wylers Traum, die Menschheit flächendeckend mit Satelliten-Internet zu versorgen, nach vielen Verzögerungen endlich wahr werden kann. Wyler muss beweisen, dass OneWeb in der Lage ist, die technischen Herausforderungen in den Griff zu bekommen und das nötige Geld für eine Flotte aus mindestens 800 Satelliten aufzutreiben. Die Zeit drängt, denn die Konkurrenz – allen voran SpaceX – will ebenfalls im Internetmarkt mitmischen.

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