USA
Spezialisten für trockene Böden
TR: Was zeichnet die Pflanzen in Ihrer Sammlung aus?
GARBER: Wir haben einige sehr besondere Arten und Sorten, die lange von den Ureinwohnern Arizonas angepflanzt wurden, wie etwa die Tepary-Bohnen. Sie können gut mit Trockenheit umgehen. Wässert man sie regelmäßig, fällt die Ernte enttäuschend aus. Aber lässt man sie dursten, entwickeln sie eine prächtige Blüte. Außerdem haben wir Sonnenblumen, die fast alle Unkräuter unterdrücken, die Felder sehen unglaublich sauber aus. Und wir haben Sorghumhirsen, die Schädlinge vertreiben.
Könnte man die Pflanzen dann nicht in großem Maßstab anbauen, um Wasser zu sparen oder weniger Pestizide spritzen zu müssen?
Viele dieser Eigenschaften sind für kleine Bauern hier in der Gegend tatsächlich sehr interessant. Wo konventionelle Sorten nicht gedeihen, kann ein Heimgärtner mit unseren Pflanzen auf wenigen Quadratmetern schon genug Gemüse für den Eigenbedarf erzeugen. Aber leider eignen sich die Nutzpflanzen nicht für den konventionellen Anbau. Sie wachsen nicht überall, sondern sind durch zahlreiche Anpassungen über Tausende von Jahren spezialisiert auf ihren Standort. Zudem fehlen ihnen die Eigenschaften, die moderne Hochleistungssorten auszeichnen: große Früchte, einheitliche Farbe, gleiches Aussehen.
Ließe sich das nicht durch Züchtung beheben?
Wir wollen natürlich, dass die Samen wieder angebaut werden. Aber große Konzerne schützen ihre Forschung mit Patenten und halten damit ein Gut von der Gemeinschaft fern, das eigentlich ihr gehört. Würde man unsere Sammlung nur als Genmaterial für die Weiterentwicklung der Hochleistungssorten sehen, hieße dies zudem, das System der modernen Landwirtschaft weiter zu unterstützen. Aber sie hat diesen genetischen Flaschenhals-Effekt ja erst herbeigeführt, der heute die Genbanken nötig macht. Auf unseren Feldern stehen nicht nur identische Zwillinge der Pflanzen, sondern auch Cousins dritten, vierten und fünften Grades. Nur diese Vielfalt ermöglicht die kontinuierliche Weiterentwicklung der Pflanzen von Generation zu Generation.
Aber neue Sorten auf der Basis Ihrer Sammlung könnten dazu beitragen, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.
Es gibt andere Wege, die Lebensmittelversorgung zu sichern, als nur die Produktion zu erhöhen. Fünfzig Prozent der Lebensmittelverschwendung in den Vereinigten Staaten geschehen bereits auf dem Feld. Viele der Konsumenten hierzulande finden Produkte mit kleinen Mängeln komplett unakzeptabel. Aber wenn die Leute ihr eigenes Gemüse anbauen, sind sie viel eher dazu bereit, auch krumm gewachsene Früchte zu essen. Es würde schon helfen, die Menschen wieder für die Pflanzen zu interessieren und sie zur Natur zurückzuführen.
Und wie wollen Sie dieses Interesse wieder wecken?
Wir bieten zum Beispiel Workshops zur Konservierung und zum eigenen Anbau an sowie grundlegende wissenschaftliche Kurse. Und wir liefern Samen und Gerätschaften dazu.
Arbeiten Sie auch mit den Ureinwohnern zusammen?
Wir versuchen es. Viele sind uns gegenüber noch sehr misstrauisch und haben den früher vorherrschenden Rassismus nicht vergessen. Die Stämme haben es auch nicht leicht: Es ist schwierig, an Land und Wasser zu kommen. Außerdem kämpfen sie mit Umweltproblemen: Im Nordosten Arizonas gibt es einige offene Uranminen und viel verseuchtes Wasser. Auch ging in der Vergangenheit viel Kulturgut verloren, weil die Menschen lange keinen Ackerbau betreiben konnten und in Internaten außerhalb der Reservate missioniert wurden. Aber das ändert sich gerade: Jetzt wird die erste Generation erwachsen, die nicht die Internate besuchen musste und die alten Traditionen wieder aufleben lassen will.
INTERVIEW: GREGOR HEPPEL