Genesis im Genlabor
Gensequenzen vom Reißbrett, Bakterien mit künstlichen Chromosomen und zusätzlichen Basen für den genetischen Code: Die synthetische Biologie macht rasante Fortschritte.
Warum sollte sich jemand so etwas vornehmen?“ Das fragte sich Jef Boeke, als er erstmals von dem Plan hörte, das Genom der Brauhefe oder auch Backhefe (Saccharomyces cerevisiae) komplett künstlich herzustellen. Doch dann habe er begriffen, dass diese Synthese der beste Weg sein könnte, den Organismus zu verstehen, erinnert sich der US-Forscher, heute Leiter des Synthetic Yeast Genome Project (Sc2.0).
Die Idee nahm auf einer Konferenz vor bald 15 Jahren Gestalt an. Mit der Hefe wählten die Wissenschaftler einen gut erforschten Organismus, dessen Erbmaterial bereits 1996 entschlüsselt war: 16 Chromosomen mit rund 13 Millionen Basenpaaren. Vor allem aber gehört Saccharomyces cerevisiae wie der Mensch zu den sogenannten Eukaryoten, und das Genom liegt ebenfalls in Chromosomen gebündelt im Zellkern vor. Zusätzlich teilen sich Mensch und Hefe nicht nur rund ein Drittel der 6000 Gene, beide Zellen enthalten auch ähnlich komplexe Strukturen. Boeke sieht deshalb in dem Einzeller ein großartiges Modell, um die „Grundschaltungen von höher entwickelten Zellen zu verstehen“. Damit wird das Hefeprojekt dazu beitragen, das menschliche Genom besser kennenzulernen. Und es soll zeigen, ob die synthetische Biologie auch völlig neue Organismen erschaffen kann.