Sicherheit durch Selbstmord
Die Angst vor einer unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veränderter Bakterien ist groß. Ins Erbgut eingebaute Notausschalter sollen die Kunstmikroben unter Kontrolle halten. Wie zuverlässig das funktioniert, ist jedoch fraglich.
Um Züge oder S-Bahnen möglichst sicher fahren zu lassen, müssen Lokführer seit 1967 im Abstand von 30 Sekunden ein Pedal oder einen Taster drücken. Tun sie das nicht, geht die Sicherheitsschaltung davon aus, dass der Fahrer mindestens handlungsunfähig oder im schlimmsten Fall tot ist. Das daher umgangssprachlich auch Totmannschaltung genannte System aktiviert dann die Bremsen, der Zug kommt ohne weitere Eingriffe automatisch zum Stehen. James Collins vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) will dieses Prinzip nun auf synthetisch hergestellte Mikroben übertragen – damit sie nicht außer Kontrolle geraten.
Denn in Zukunft, davon gehen alle Experten aus, werden solche künstlich optimierten Bakterienfabriken immer häufiger in Medizin und Umwelt zum Einsatz kommen. In der Industrie sind sie oft sogar schon Realität: Artemisin, ein wichtiger Wirkstoff gegen Malaria, menschliches Insulin oder auch Medikamente, mit denen sich die Bluterkrankheit behandeln lässt, werden auf diese Weise produziert.