2018 wird das internationale Ur-Kilogramm als Eichmaß voraussichtlich in Rente geschickt. Gute Chancen auf die Nachfolge hat eine Silizium-Kugel der physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Im Bild wird sie gerade mit einem Interferometer vermessen. Da schon Fingerabdrücke oder ein falsches Reinigungsmittel das Ergebnis verfälschen können, hat die PTB kürzlich auf einem internationalen Workshop mit 82 Teilnehmern aus 44 Ländern den richtigen Umgang mit der empfindlichen Kugel vermittelt.
BIOTECH
Parfüm aus Hefe
Hefen sind vielseitig einsetzbar – nicht nur in der Herstellung von Bier. Schon seit 2008 modifiziert das Bostoner Start-up Ginkgo BioWorks erfolgreich Mikroorganismen. Inzwischen arbeitet es mit dem französischen Parfümhersteller Robertet zusammen, dem es etwa Duftstoffe für Rosenöl liefert. Das aus der Kooperation resultierende Parfüm ist jetzt auf dem Markt. Weitere Aromen, die an Kokosnüsse, Pfirsiche, Aprikosen oder Mangos erinnern, sind in Arbeit.
Bei den Stoffen handelt es sich um ein Nebenprodukt, das die Hefen von Ginkgo BioWorks fertigen, während sie Zucker verarbeiten und wachsen. Um den Rosenduft herzustellen, studierten die Mitarbeiter gezielt die DNA der Rose. Denn am Ende sollten die gleichen Enzyme in der Hefe zum Einsatz kommen wie in der Pflanze.
Der Vorteil für den Parfümhersteller, der sonst aus Blütenblättern hergestelltes Rosenöl einsetzen würde, ist die gleichbleibende Qualität und beliebige Menge des von der amerikanischen Biotechfirma hergestellten Stoffes. Außerdem kommt es nicht zu Preisschwankungen durch Missernten oder Streik. Ginkgo BioWorks ist allerdings keineswegs auf eine Branche festgelegt: Die Biotechfirma arbeitet derzeit ebenfalls an einem organischen Pestizid mit sowie an neuen Süßungsmitteln. INGE WÜNNENBERG
AKUSTIK
MEMS machen Musik
Unten rechts der neue MEMS-Lautsprecher im Größenvergleich zu herkömmlichen Klangerzeugern.Foto: USound
Es dürfte der kleinste kommerzielle Lautsprecher der Welt sein. Um ihn herzustellen, setzt das österreichische Start-up USound auf Mikroelektromechanische Systeme (MEMS). Dies sind Bauelemente, die in winzigen Chips Platz finden und etwa als Beschleunigungssensoren in Smartphones dienen. USound will die Technik nun auch für Lautsprecher und Kopfhörer nutzen. MEMS-Klangerzeuger sollen 50 Prozent kleiner sein als ihre herkömmlichen Vorgänger und dabei nur 20 Prozent der Energie verbrauchen. Die Technik passt auf herkömmliche Platinen von Smartphones, Tablets oder Notebooks.
Auch beim Klang soll die MEMS-Technik überlegen sein, verspricht USound, etwa beim Frequenzbereich. Fünf Millionen Euro konnte das Start-up seit 2014 einsammeln. Bei Hardwareherstellern soll es bereits erste Interessenten geben, die die USound-Bauteile kaufen wollen. BEN SCHWAN
VERKEHR
Vorsicht, schlechter Fahrer!
Nexar ist eine intelligente Dashcam-App, die Autofahrten nicht nur aufzeichnet, sondern daraus auch ihre Schlüsse zieht (kostenlos, derzeit nur für iOS). Sie soll die Nutzer warnen, wenn etwa das Auto vor ihnen plötzlich scharf abbremst oder wenn eine gefährliche Kreuzung naht. Hat der eigene Wagen einen Unfall, schickt die App sofort Videos davon zu den Servern von Nexar, sodass sie nicht verloren gehen, wenn das Smartphone zerstört wird.
Zudem erfasst Nexar das Fahrverhalten der anderen Wagenlenker. Schneidet etwa ein Fahrer einen anderen, wird das samt dem dazugehörigen Autokennzeichen gespeichert. So will Nexar eine Bewertung für jedes erfasste Auto erstellen. Anfang nächsten Jahres soll die App auch warnen, wenn als schlecht eingestufte Fahrer im Blickfeld auftauchen.
Nexar räumt ein, dass dies Datenschutzbedenken wecken könnte. In den USA sei es aber legal, weil die Nummernschilder auf öffentlichen Straßen fotografiert werden und weil hochgeladene Ereignisse von Software und Menschen ausgewertet werden, um Fehlalarme auszusortieren. „Wenn wir Ihnen sagen, dieses Auto ist in unseren Augen gefährlich, ist unserer Meinung nach das richtige Gleichgewicht zwischen einem öffentlichen Gut und Privatsphäre erreicht“, sagt Nexar-Chef Eran Shir. „Wir wollen definitiv nicht wissen, woher Sie kommen und wohin Sie fahren.“
Laut Shir hat die App seit ihrem Start im Frühjahr Zehntausende Nutzer gewonnen. Inzwischen haben sie zusammen acht Millionen Kilometer zurückgelegt und 300000 Zwischenfälle in Städten wie San Francisco, Tel Aviv oder New York gemeldet. RACHEL METZ