Kriegt Indien die Kurve?
Indien muss seine Industrie modernisieren und die wachsende Bevölkerung mit Strom versorgen – ohne dabei das globale Klima zu zerstören.
Appapur liegt im Amrad-Tiger-Reservat im Bundesstaat Telangana über 1000 Kilometer südlich von Neu-Delhi. Doch die Ansammlung von Hütten und einfachen Betonhäusern, die über fünf Kilometer von der nächsten Straße entfernt liegt, hat etwas, das viele andere Dörfer Indiens nicht haben: Elektrizität. Denn Appapur ist ein „Solardorf“, ein Vorzeigeprojekt für das Programm der indischen Regierung, kleine, nicht elektrifizierte Dörfer mit Solarstrom zu versorgen. Hier hängen LED-Lampen in den bescheidenen Hütten. Es gibt Radios und Fernseher. Versorgt werden sie von kleinen Solarstromanlagen mit Bleibatterien als Speicher.
Doch mindestens 0,3 der 1,25 Milliarden Inder leben ohne Strom – wie bis vor einem Jahr auch die Dorfbewohner von Appapur. Und 250 Millionen Einwohner werden nur sporadisch mit Energie aus Indiens altersschwachem Stromnetz versorgt, meist für drei bis vier Stunden pro Tag. Der Strommangel betrifft Stadt und Land gleichermaßen und macht Indiens Bemühungen, den Lebensstandard zu heben und die Industrie des Landes zu modernisieren, oftmals zunichte.