Lieber Craig Federighi,
was habe ich mich gefreut, als im September bekannt wurde, dass jetzt Sie die Siri-Abteilung leiten. Sie genießen sowohl bei Ihren Mitarbeitern als auch außerhalb Apples eine hohe Wertschätzung. Sie besitzen Humor – davon kann Siri durchaus mehr vertragen – und den nötigen Einfluss: auf die Software-Entwickler, die Hardware-Ingenieure und das Management. Dennoch konnte ich im letzten halben Jahr keine nennenswerten Fortschritte bei Siri erkennen.
Apple hat nicht nur die konsequente Weiterentwicklung von Siri verschlafen, sondern auch, wieder einmal, die Konkurrenz unterschätzt. Google ist sichtbar bemüht, seinen Assistant voranzubringen. Amazons Alexa lernt sogar jede Woche neue Fähigkeiten dazu. In Deutschland hat bald jeder Hans und Franz so eine sprechende Dose im Wohnzimmer stehen. Ist doch kein Wunder: Der Echo Dot kostet 59 Euro! Kommen Sie mir jetzt nicht mit der Soundqualität. Natürlich klingt der HomePod um Klassen besser – aber Siri kann auf ihm nicht mehr, sondern weniger als auf dem iPhone (vgl. Seite 28).
Auf anderen Geräten ist es noch schlimmer. Bis die Assistentin auf der Watch antwortet, habe ich meist keine Lust mehr, mein Anliegen vorzutragen. Auf dem Apple TV drängt sich die Sprach- gegenüber der Fernbedienung geradezu auf, bleibt aber weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Auf dem Mac benutze ich Siri nie.
Sie haben es in der Hand. Führen Sie die Fäden aus den Entwicklungszweigen zusammen – und motivieren Sie bei der Gelegenheit auch gleich mal die Kollegen von CarPlay und HomeKit. Öffnen Sie Siri konsequent für die Apps von Dritt-Entwicklern. Widmen Sie den internationalen Sprachen mehr Aufmerksamkeit. Und vor allem: Lassen Sie Siri dazulernen. Das Machine Learning Kit ist doch ein guter Anfang. Künstliche Intelligenz wird unser Leben verändern, da bin ich sicher.
Es gibt viel zu tun. Aber Sie wissen ja, man wächst mit seinen Herausforderungen. ;-)
Herzlich,
Stephan Ehrmann