Tipps und Tricks zu Siri
Nur wenige Nutzer verwenden die Sprachassistentin regelmäßig, denn ihr Potenzial ist kaum bekannt. Wir zeigen, was Siri alles kann und wie man sie optimal konfiguriert und nutzt.
- Florian Schmidt
Artikel aus c't Special iPhone und iPad, S. 60
Anders als bei anderen Sprach-Assistenzsystemen versteht Siri semantische Anfragen. Daher braucht sie weder Training noch muss der Anwender Befehle pauken. Siri reagiert sowohl auf umgangssprachlich als auch auf eloquent Formuliertes. Doch in der Praxis nervt Siri nicht selten mit unpassenden Bing-Ergebnissen aus dem Internet oder antwortet mit einem hölzernen „Ich bin nicht sicher, was du gerade gesagt hast“. Viele Anwender verlieren daher früher oder später die Geduld.
Dabei liefert die Assistentin durchaus zufriedenstellende bis gute Ergebnisse bei Aufgaben, die sich mit den vorinstallierten Standardanwendungen erledigen lassen, also etwa beim Anlegen von Terminen oder Erinnerungen, beim Abfragen der Wetterprognose oder für den Anruf eines Kontakts. Besonders praktisch ist Siri, wenn man das iPhone gerade nicht bedienen kann, weil es beim Joggen oder Radfahren in der Hosentasche oder während der Fahrt in der Mittelkonsole des Autos liegt und man ihr per Headset oder Freisprecheinrichtung Befehle erteilt. Wie die Sprachsynthese technisch funktioniert, haben wir übrigens in Mac & i Heft 4, Seite 146 erklärt.
Hey Siri (15 Bilder)

Siri erinnert
Siri richtig konfigurieren
Per default ist Siri weiblich. In den Einstellungen unter „Allgemein/Siri“ lässt sich alternativ auch eine männliche Stimme auswählen. Wer mag, kann familiäre Bezüge in den Kontaktdaten über „Zugehörige Namen hinzufügen“ hinterlegen. Dann wählt Siri die richtige Nummer, wenn sie die Ehefrau, Mutter, den Opa oder Bruder anrufen soll. Fehlt eine derartige Verknüpfung, fragt die Assistentin nach dem dazugehörigen Kontakt und stellt diese selbst her.
Auch die eigene Adresse sollte man Siri mitteilen, was über „Einstellungen/Allgemein/Siri/Meine Info“ ruckzuck erledigt ist. Sie können zur Sprachassistentin zudem auch einfach sagen: "Nenne mich [Vorname]" und Siri antwortet: "Du möchtest, dass ich dich [Vorname] nenne?" Mit einem Tap auf "Ja" haben Sie den gewünschten Vornamen hinterlegt.
Nun öffnet sie auch auf den Befehl „Zeige mir die schnellste Route nach Hause“ die Karten-App und startet die Navigation dorthin. Hängt man ein „… mit dem Bus“ oder „mit dem Fahrrad“ an, sucht Siri eine Route mit öffentlichen Verkehrsmitteln heraus. Derzeit kennt Apple-Karten in Deutschland allerdings nur das ÖPNV-Netz von Berlin.
Hey Siri und Datenspeicherung
Ab iOS 8 lässt sich Siri optional mit „Hey Siri“ auf Zuruf wecken, wenn das iPhone an eine Stromquelle angeschlossen ist, beim iPhone 6s und 6s Plus geht das auch ohne externe Stromversorgung. Seit iOS 9 muss man allerdings Siri auf die eigene Stimme trainieren, damit nicht jeder per Zuruf die Spracherkennung missbrauchen kann.
Dazu spricht man nach dem Aktivieren von „Hey Siri erlauben” (unter Einstellungen/Siri) einige vorgegebene Sätze ein. Per Vibration bestätigt die Sprachassistentin, dass sie zuhört, wenn man sie durch langes Drücken des Home-Button animiert. Ruft man sie hingegen per „Hey Siri“-Befehl, meldet sie ihre Gesprächsbereitschaft mit einem Signalton. Neu ist seit iOS 9 außerdem, dass Siri auch App-Inhalte durchsucht, sofern die Entwickler ihre App dafür angepasst haben.
Siri speichert Daten auf Apples Servern
Siri setzt eine funktionierende Internetverbindung voraus, weil sie alle Ansagen zum Transkribieren an Apples Server übermittelt. Der Datentransfer beschränkt sich auf wenige Bytes pro Aktion. Trotzdem bittet das Assistenzsystem bei schwacher Netzverbindung darum, die Anfrage auf später zu verschieben.
Seit bekannt wurde, in welchem Ausmaß NSA & Co. Daten aller Netzteilnehmer sammeln, ist es eine berechtigte Frage, ob und wie lange die Sprachschnipsel auf den Servern liegen. Laut Apple verweilen die Aufnahmen bis zu zwei Jahre in den Rechenzentren und werden nach sechs Monaten anonymisiert. Will man die gespeicherten Daten löschen, genügt es, Siri in den Einstellungen vorübergehend zu deaktivieren, verspricht Apple. Prüfen lässt sich das freilich nicht.
Siri trainieren
Siri die richtige Aussprache beibringen
Siri zeigt den gesprochenen Befehl immer in Textform an. Ist er auf dem Display nicht zu sehen, kann man ihn mit einer Wischgeste nach unten wieder einblenden. Gelegentlich spricht die Assistentin einzelne Begriffe falsch aus oder versteht sie schlicht nicht. Dann unterstreicht sie diese mit blauen Punkten. Es lohnt sich, die falsch verstandenen Wörter anzutippen und manuell über die Bildschirmtastatur einzugeben. Spätestens nach ein paar Korrekturen sollte Siri die Aussprache gelernt haben.
Namen bereiten der Assistentin besonders häufig Verständnisprobleme. Seit iOS 7 kann man ihr mit einem Befehl wie „Aussprache Alexandra Afanasyeva“ auf die Sprünge helfen. Sowohl für den Vor- als auch den Nachnamen schlägt sie dann drei Beispiele vor, aus denen man die beste Variante auswählt.
Mit Siri Texte diktieren
Mit Siris Hilfe kann man die dienstliche oder private Korrespondenz abarbeiten, E-Mails oder iMessage-Nachrichten vorlesen lassen oder aber diktieren und verschicken. Für die Interpunktion genügt es, „Punkt“, „Doppelpunkt“, „Fragezeichen“, „Ausrufezeichen“, „Komma“ oder „Beistrich“, „Semikolon“ beziehungsweise „Strichpunkt“, „Bindestrich“, „Gedankenstrich“ oder „Unterstrich“ auszusprechen.
Auch Sonderzeichen wie „Anführungszeichen unten oder „Klammer auf“, „Dollarzeichen“ und „Prozentzeichen“ versteht Siri, ebenso wie „Klammeraffe“ und „Urheberrechtssymbol“. Maße, Beträge und Datumsformate spricht man wie gewohnt: „ein Euro und siebzehn Cent“ oder „acht Zentimeter“. Selbst Smileys setzt die Sprachassistentin richtig um, wenn man „lachendes Gesicht“, „zwinkerndes Gesicht“ oder „trauriges Gesicht“ diktiert. Sollte Siri das Diktat unvermittelt abbrechen, lässt es sich mit dem Befehl Notiz ergänzen oder E-Mail-Inhalt ergänzen meistens mit weiterem Text füllen. (jra)