Breitband-Mobilfunk
Mit Long Term Evolution, der Spezifikation fĂŒr den Mobilfunk der vierten Generation, wird der Netzzugang nicht bloĂ drastisch schneller, sondern auch einfacher und flexibler als bei den VorgĂ€ngern.
In Long Term Evolution, der Spezifikation fĂŒr den Mobilfunk der vierten Generation, kombinierten die MobilfunkvĂ€ter den aktuellen Stand der Technik mit Erfahrungen aus der GSM- und UMTS-Welt. So wurde LTE nicht bloĂ drastisch schneller, sondern bei einer FĂŒlle von ausgeklĂŒgelten neuen Verfahren auch einfacher und flexibler als die VorgĂ€nger.
Mobile Breitbandnetze haben sich in den letzten Jahren etabliert. In vielen Mobilfunknetzen ĂŒbertrifft mittlerweile der Datenverkehr den Sprachverkehr um ein Mehrfaches. Weil ein Ende des Wachstums nicht in Sicht ist, stellen Regulierungsbehörden in vielen LĂ€ndern weitere FrequenzbĂ€nder fĂŒr mobile Breitbanddienste zur VerfĂŒgung. In Deutschland versteigerte die Bundesnetzagentur in diesem Jahr ein Spektrum von rund 360 MHz, um die Netzbetreiber mit zusĂ€tzlichen Ressourcen fĂŒr eine flĂ€chendeckende Breitbandversorgung auszustatten. Vor allem die Frequenzen aus dem Bereich der digitalen Dividende um 800 MHz sind fĂŒr die Netzbetreiber interessant, da diese hohe Reichweiten versprechen.
Mittlerweile haben die Netzbetreiber O2, Telekom und Vodafone AusbauplÀne in Deutschland bekannt gegeben und erste Standorte in Betrieb genommen. E-Plus hatte bei der Versteigerung zwar keine der begehrten 800-MHz-Blöcke ersteigert, kann LTE jedoch prinzipiell auch auf anderen Frequenzen verwenden.
GemÀà den Vorgaben der Bundesnetzagentur werden mittels Frequenzen im 800-MHz-Band zunĂ€chst weiĂe Flecken auf dem Land abgedeckt, also Bereiche ohne DSL-Versorgung, spĂ€ter dann auch Ballungsgebiete. Zugleich ist die Entwicklung der Mobilfunktechnik in den vergangenen Jahren weiter vorangetrieben worden â hauptsĂ€chlich, um noch höhere Datenraten bei mehr NetzkapazitĂ€t und verringerten Signaldurchgangszeiten durch die Mobilnetzelemente bereitzustellen (Latenz). Die Spezifikationen werden unter dem Dach des internationalen Third Generation Partnership Project, 3GPP, entwickelt. Dieses Gremium wendet technische Fortschritte im Rahmen der âHSPA Evolutionâ auch auf UMTS an, damit Netzbetreiber UMTS-Basisstationen optimal weiternutzen können (High Speed Packet Access, Verfahren zur beschleunigten DatenĂŒbertragung im UMTS).
In den FrequenzbĂ€ndern, die die Bundesnetzagentur versteigert hat, wird aber vor allem die neue Technik Long Term Evolution, LTE, eingesetzt. Die Initiative fĂŒr dieses neue Mobilfunknetz geht auf das Jahr 2004 zurĂŒck, als das 3GPP noch hauptsĂ€chlich die HSPA-Entwicklung vorantrieb. Mit LTE sollte auf lange Sicht â Long Term â eine von Grund auf neu konzipierte Technik den erwarteten steigenden Bedarf an Bandbreite stillen.
Staffellauf
Staffellauf
Die LTE-Urheber wollten gleich mehrere elementare Verbesserungen gegenĂŒber bisherigen Mobilfunktechniken erzielen. Das Hauptaugenmerk lag auf der Erhöhung der maximalen Datenrate; LTE sollte mehr als 100 MBit/s liefern. Weiterhin wollte man die spektrale Effizienz, also die Bitrate pro Hertz, im Vergleich zu heutigen HSPA-Lösungen um den Faktor 2 bis 3 steigern.
LTE sollte zudem insgesamt flotter reagieren. Die Durchlaufzeiten bei HSPA betragen 30 bis 50 ms. Um diese Werte zu unterbieten, wollte man die Antwortzeit senken und den Verbindungsaufbau beschleunigen. Ausgehend vom EndgerÀt bis zum letzten Element eines LTE-Netzes sollte ein Datenpaket nicht lÀnger als 20 bis 30 ms unterwegs sein, bevor es im Internet oder in einem Telefonnetz landet. Der Verbindungsaufbau sollte bei einem eingeschalteten GerÀt innerhalb von nur 100 ms beginnen. Bei HSPA dauert das noch ein bis zwei Sekunden.
Sowohl die ersten analogen Mobilfunknetze als auch GSM und UMTS nutzen zumindest fĂŒr Sprachsignale verbindungsortientierte Ăbertragungen mit fester Reservierung von Ressourcen. LTE ist nun das erste vollstĂ€ndig paketorientierte Mobilfunknetz. Davon abgesehen kann man die LTE-Architektur wie bei GSM und UMTS in zwei Teile unterteilen: das Funkzugangsnetz und das Kernnetz. Um die geforderten Verbesserungen zu erreichen, wurden beide Bereiche weitgehend neu konzipiert. Im weiteren stellen wir diese Verfahren vor, mittels denen LTE die Anforderungen erfĂŒllt und ziehen Vergleiche zur HSPA-Technik. Zum besseren VerstĂ€ndnis seien zunĂ€chst kurz die Charakteristiken von MobilfunkkanĂ€len erlĂ€utert.
Bei MobilfunkkanĂ€len Ă€ndert sich die ĂbertragungsqualitĂ€t stark mit der Zeit und der Frequenz. Daher sind Ăbertragungsverfahren wĂŒnschenswert, die diese Schwankungen zumindest tolerieren, wenn nicht sogar effizient ausnutzen. Die Schwankungen im Zeit- und Frequenzbereich sind in der Grafik âKanalqualitĂ€tâ fĂŒr zwei Nutzer (blau und gelb) exemplarisch dargestellt. Die KanalqualitĂ€t schwankt fĂŒr beide Nutzer unterschiedlich. Daher ist es sinnvoll, bei der Vergabe der Ressourcen den Nutzer zu bevorzugen, der gerade den besseren Kanal hat â dessen Ăbertragung ist dann schneller abgeschlossen und das Netz ist eher bereit fĂŒr die nĂ€chste Aufgabe. Diese Zuteilung ist im unteren Teil des Bildes dargestellt.
Zuteilungsfragen
Zuteilungsfragen
FĂŒr die Aufteilung der Ăbertragungsressourcen sind unterschiedliche Mechanismen entwickelt worden (Multiplexing). UMTS und in der Folge auch HSPA setzen W-CDMA ein, wĂ€hrend LTE eine Variante des vom aktuellen WLAN bekannten OFDM verwendet. Beide Techniken arbeiten auf verschiedene Weise um die punktuell und unvorhersehbar auftretenden Ăbertragungsstörungen herum.
OFDM, Orthogonal Frequency Division Multiplexing, nutzt eine Vielzahl von schmalbandigen UntertrĂ€gern. Damit lassen sich genau die Ressourcen im Frequenzbereich auswĂ€hlen, die fĂŒr einen Nutzer gegenwĂ€rtig gĂŒnstig sind. FĂŒr den Downlink, also die Ăbertragung von der Basisstation zum Teilnehmer, misst das Terminal die LeitungsqualitĂ€t anhand von Referenzsymbolen und sendet die Ergebnisse zur Basisstation. FĂŒr den Uplink, vom Teilnehmer zum Netz, kennt die Basisstation den Kanal aufgrund von eigenen Messungen, sobald das Terminal Daten ĂŒbertragen hat.
So lassen sich die guten Ressourcen dynamisch immer den Teilnehmern zuteilen, die gerade am meisten damit anfangen können. Es muss auch nicht die gesamte Bandbreite an einen Nutzer vergeben werden; die Basisstation kann zugleich mehrere versorgen. Dieser auf dem Kanalzugriffsverfahren OFDM aufsetzende Mehrnutzerbetrieb wird als Orthogonal Frequency Division Multiple Access, OFDMA, bezeichnet.
Der augenfĂ€lligste Unterschied zwischen LTE und HSPA liegt in der Ăbertragungstechnik. Anstelle von OFDMA wird bei UMTS das CDMA-Verfahren eingesetzt (Code Division Multiple Access). Bei dieser Methode wird das Datensignal mit einem höherfrequenten Pseudozufallssignal multipliziert und damit in der Bandbreite gespreizt. Mittels orthogonaler Zufallssequenzen werden mehrere Signale ĂŒberlagert. Dies bezeichnet man als Code-Multiplex.
Da es sich bei UMTS um Breitbandsignale handelt, die einen vollstĂ€ndigen Frequenzblock von 5 MHz belegen, können Kanalschwankungen nur im Zeitbereich ausgenutzt werden, indem die Ressourcen einem anderen Nutzer zugeteilt werden. Bei LTE lĂ€sst sich die Ăbertragung dagegen auch im Frequenzbereich an den momentanen Kanalzustand anpassen.
FĂŒr die Zuweisung der Ressourcen ist eine Signalisierung zwischen Basisstation und EndgerĂ€t erforderlich. Auch diese Signalisierung erfordert Ăbertragungsressourcen und zwar um so mehr, je kleiner die Ressourcenelemente sind; wenn man jedes Symbol einzeln zuweisen könnte, mĂŒsste man ein Vielfaches mehr signalisieren, was die EffektivitĂ€t deutlich verschlechtert.
Spektrums-Schnittchen
Spektrums-Schnittchen
Um mehr Ressourcen fĂŒr Nutzdaten freizuhalten, ist also eine Granulierung bis auf einen UntertrĂ€ger (15 kHz Bandbreite) nicht sinnvoll. Daher hat man bei LTE als die kleinste adressierbare Ressource eine Dauer von 1 ms und eine Bandbreite von 180 kHz festgelegt; das entspricht 12 UntertrĂ€gern. Durch die Kombination dieser Einheiten bis hin zur maximal spezifizierten Bandbreite lĂ€sst sich die Datenrate in hinreichend vielen Zwischenstufen regeln.
Die letztendlich verfĂŒgbare Nutzdatenrate hĂ€ngt aber noch von der eingesetzten Modulation und von der Code-Rate der Kanalkodierung ab; die Code-Rate legt den Anteil der Signalredundanz fest. Je schlechter der Kanal, desto mehr redundante Bits werden mitgesendet, um damit Ăbertragungsfehler zu kompensieren. LTE verwendet zur Kanalkodierung den bereits bei UMTS eingesetzten Turbo-Code. Als Modulationsverfahren stehen QPSK, 16QAM und 64QAM zur VerfĂŒgung. Pro Symbol werden also entweder 2, 4 oder 6 kodierte Bits ĂŒbertragen.
Auch das Modulationsverfahren wird an die Kanalbedingungen angepasst. Bei guten Kanalbedingungen kommt ein höherwertiges Modulationsverfahren verbunden mit wenig Redundanz zum Einsatz, wĂ€hrend bei schlechten Bedingungen das robuste QPSK und ein starker Kodierschutz eingesetzt wird. Innerhalb eines Ăbertragungsrahmens von 1 ms, der auch als Subframe bezeichnet wird, werden 14 OFDM-Symbole gesendet. Das bedeutet, dass sich in einem adressierbaren Block mit 1 ms Dauer und 12 UntertrĂ€gern insgesamt 168 Zeichen ĂŒbertragen lassen.
Nach der Decke gestreckt
OFDM lĂ€sst sich mit wenig Aufwand an unterschiedlich breite FrequenzbĂ€nder anpassen. Diese SpektrumsflexibilitĂ€t ist wichtig, weil abhĂ€ngig von den regulatorischen Vorgaben die verfĂŒgbaren FrequenzbĂ€nder unterschiedlich groĂ sein können.
AuĂerdem ist LTE damit bestens fĂŒr die Spektrumsmigration geeignet. So lĂ€sst sich LTE zum Beispiel zunĂ€chst mit geringer Bandbreite in einem Frequenzband betreiben, in dessen Nachbarschaft eine andere Technik funkt, die spĂ€ter abgeschaltet wird. Wenn das benachbarte Spektrum langsam frei wird und parallel die LTE-Netzauslastung zunimmt, kann man die Bandbreite auf den Nachbarbereich ausdehnen und damit die KapazitĂ€t schrittweise erhöhen.
Prinzipiell könnte die Systembandbreite in Stufen von 180 kHz gewĂ€hlt werden. Um sich bei der Implementierung auf eine ĂŒberschaubare Anzahl von Bandbreiten konzentrieren zu können und um die KomplexitĂ€t der Hardware möglichst gering zu halten, hat man sich allerdings auf eine Reihe von Bandbreiten zwischen 1,4 MHz und 20 MHz geeinigt (1,4, 3, 5, 10, 15 und 20 MHz). Diese Abstufungen schlieĂen alle wesentlichen, in der Praxis genutzten Bandbreiten ein.
Damit sich Sender und EmpfĂ€nger nicht gegenseitig ins Wort fallen, hat man unterschiedliche Duplex-Verfahren entwickelt. LTE lĂ€sst sich wie W-CDMA sowohl im Frequenzduplexverfahren (Frequency Division Duplex, FDD) als auch im Zeitduplexverfahren (Time Division Duplex, TDD) betreiben. Ersteres setzt ein Band fĂŒr die Ăbertragung in Richtung EndgerĂ€t und eines zur Ăbertragung in Richtung Basisstation voraus (gepaartes Spektrum). In der Regel verwendet die Basisstation das obere der beiden BĂ€nder. Beim Zeitduplexverfahren wird nur ein Band benutzt, aber Sender und EmpfĂ€nger wechseln sich bei den Ăbertragungen ab.
ZusĂ€tzlich kann man LTE auch mit dem Halb-Duplex-Verfahren als Mischform von FDD und TDD betreiben. Sender und EmpfĂ€nger nutzen zwar wiederum je ein Band pro Richtung, wechseln sich aber wie beim Zeitmultiplex ab (siehe nebenstehende Grafik). Das stellt geringere Anforderungen an die EndgerĂ€te, wodurch sie sich gĂŒnstiger herstellen lassen.
WĂ€hrend fĂŒr die AbwĂ€rtsstrecke, also Basisstation zum EndgerĂ€t, ein reines OFDM-Verfahren benutzt wird, nutzen die EndgerĂ€te eine leicht abgewandelte Quasi-EintrĂ€gerĂŒbertragung (single carrier FDMA), die gleichwohl auf dem OFDM-Prinzip grĂŒndet. Diese weist geringere Leistungsschwankungen als die reine OFDM-Ăbertragung auf und erfordert damit weniger aufwendige LeistungsverstĂ€rker. Das schont die Batterie des Handys und erlaubt gĂŒnstigere Bauteile.
Mehrantennenkonzepte
Mehrantennenkonzepte
Hohe Datenraten und die effiziente Nutzung des Kanals, insbesondere bei guten Bedingungen, sind sehr wichtige Eigenschaften moderner Mobilfunksysteme. Um bei einer Bandbreite von 20 MHz Datenraten von ĂŒber 100 MBit/s zu erzielen, setzt man heute fortschrittliche Mehrantennenkonzepte ein, die man unter der Bezeichnung Multiple Input Multiple Output, MIMO, zusammenfasst. Die LTE-Spezifikation nutzt verschiedene Mehrantennenverfahren: Single-User MIMO, Beamforming, Multi-User MIMO und Antenna Diversity.
Mit Single-User MIMO lassen sich mittels mehreren Sende- und Empfangsantennen gleichzeitig mehrere Datenströme ĂŒbertragen. Zum Beispiel erreicht LTE bei jeweils vier Antennen auf Sende- und Empfangsseite und guten Kanalbedingungen Datenraten ĂŒber 300 MBit/s.
Mehrere Antennen sind allerdings auch unter weniger guten Kanalbedingungen nĂŒtzlich. In solchen FĂ€llen bĂŒndelt die Basisstation ihre Sendeleistung per Beamforming, um Daten gezielt zu einem EmpfĂ€nger zu ĂŒbertragen und so die EmpfangsgĂŒte zu steigern. Beim rĂ€umlichen Mehrfachzugriff, dem Multi-User MIMO, werden unterschiedliche Ströme zu rĂ€umlich getrennten Nutzern ĂŒbertragen.
SchlieĂlich kann die Ăbertragung durch Mehrantennensysteme auch robuster gestaltet werden â zum Beispiel durch Verfahren, die die DiversitĂ€t des MIMO-Funkkanals nutzen. Laut Spezifikation darf eine Basisstation bis zu vier Antennen aufweisen. Die EndgerĂ€te sind aus KomplexitĂ€tsgrĂŒnden auf zwei Antennen eingeschrĂ€nkt.
Um einen leistungsfĂ€higen Daten-Highway zu schaffen, reicht es allerdings nicht aus, nur die maximalen Datenraten zu steigern. Gleichzeitig gilt es, die Latenz zu verringern. Im Mobilfunk ist dafĂŒr die Antwortzeit maĂgeblich, die Zeit, die ein Signal von der Basisstation zum EndgerĂ€t und zurĂŒck benötigt. Diesen Eckwert kann man in AbhĂ€ngigkeit von den aktuellen technischen Möglichkeiten und den gewĂŒnschten Anforderungen festlegen.
Bei LTE bestimmt die Subframe-Dauer die Latenz; einmal pro Subframe werden Ressourcen neu zugeteilt und Daten in Umlauf gebracht. Bei LTE hat man die Subframe-Dauer auf 1 ms festgelegt. HSPA ist in diesem Punkt langsamer, weil dafĂŒr seinerzeit 2 ms definiert wurden. Zudem wurde festgelegt, dass im Falle eines Ăbertragungsfehlers die Ăbertragung schon nach 8 ms wiederholt wird (HSPA 12 ms); dafĂŒr quittiert der EmpfĂ€nger den Verkehr kontinuierlich und der Sender erfĂ€hrt so detailliert, ob seine Daten korrekt oder fehlerhaft ankommen.
Letztlich sind mit derart geringen Verzögerungen auf der Luftschnittstelle je nach Topologie des Netzes Ende-zu-Ende-Antwortzeiten von 20 bis 30 ms erreichbar, sodass LTE selbst fĂŒr zeitlich anspruchsvolle Anwendungen wie Echtzeitspiele geeignet ist.
| LTE: Maximale Geschwindigkeit im Downlink | ||
| Anzahl Symbole fĂŒr eine Ressourcen-Einheit | 12 UntertrĂ€ger, 14 OFDM Symbole, 168 Zeichen | |
| maximale Modulationsstufe | 64 QAM, 6 Bit/Symbol | |
| damit | 1008 Bit pro Ressourcen-Einheit (1 ms) | |
| damit | Bruttodatenrate von 1,008 MBit/s fĂŒr 180 kHz | |
| 20 MHz | 100 Ressourcen-Einheiten | 100,8 MBit/s |
| maximale Bruttodatenrate | 4x4 MIMO | 403,2 MBit/s |
| Davon ist abzuziehen: Overhead der Kanalkodierung, Overhead durch Protokollheader, Overhead der Referenzsymbole zur Kanalmessung, Overhead fĂŒr Steuer- und Broadcast-KanĂ€le. Je nach Konfiguration lassen sich also maximale Datenraten von rund 330 MBit/s erreichen. | ||
Zentrale Instanz
Zentrale Instanz
In der Basisstation verteilt ein Scheduler die Ressourcen sowohl fĂŒr die Empfangs- als auch fĂŒr die Senderichtung. Dieser Scheduler passt die Ăbertragung dynamisch an die Kanalbedingungen an und nutzt so schnelle KanalĂ€nderungen. Pro Subframe wĂ€hlt der Scheduler sowohl die gerade versorgten Teilnehmer und Daten als auch die Ressourcen fĂŒr die anstehende Ăbertragung aus. Seine Wahl hĂ€ngt von den aktuellen Kanaleigenschaften, den PufferfĂŒllstĂ€nden im Terminal und der Basisstation sowie von DienstgĂŒteparametern ab.
Zudem wĂ€hlt er fĂŒr die selektierten Ressourcen das am besten geeignete Ăbertragungsschema, also die Coderate, das Modulationsverfahren (QPSK, 16QAM oder 64 QAM) sowie die verwendete Mehrantennentechnik aus. Diese Auswahl wird als Link-Adaption bezeichnet. So werden die Funkressourcen sehr effizient genutzt. Der Scheduler ist nicht standardisiert und unterscheidet sich daher von Hersteller zu Hersteller.
In Empfangsrichtung des Teilnehmers werden Steuerinformationen von der Basisstation im gleichen Subrahmen wie Nutzdaten ĂŒbertragen. Diese Daten nutzt der EmpfĂ€nger, indem er sie zunĂ€chst dekodiert und anschlieĂend mit daraus gewonnenen Kenntnisssen die Nutzdaten demoduliert und dekodiert.
Der Scheduler in der Basisstation regelt auch die Uplink-Ăbertragung der Teilnehmer und koordiniert so den Zugriff einer Vielzahl von EndgerĂ€ten. DafĂŒr mĂŒssen die TeilnehmergerĂ€te Informationen wie PufferfĂŒllstĂ€nde und KanalqualitĂ€ten an die Basisstation signalisieren. Liegen diese Informationen vor, trifft der Scheduler seine Wahl und teilt sie den EndgerĂ€ten mit, sodass sie wissen, welche Ressourcen ihnen zugeteilt sind. Danach schicken die EndgerĂ€te auf den zugewiesenen Uplink-Ressourcen die Daten an die Basisstation.
Zustandsmodell
Geringe Latenzen und hohe Batterielaufzeiten sind im Mobilfunk gegenlÀufige Anforderungen. Die einfachste Methode, Batterielaufzeiten zu verlÀngern, besteht darin, Komponenten so lange wie möglich abzuschalten. Das erhöht aber die Latenz, denn die Aktivierung der Komponenten und die Synchronisation mit der Gegenstelle und die Aktualisierung der Kanalinformationen brauchen Zeit. Um eine Balance zu finden, ist ein ausgereiftes Zustandsmodell eine Voraussetzung.
Das LTE-Zustandsmodell umfasst fĂŒr eingeschaltete EndgerĂ€te zwei HauptzustĂ€nde, Idle und Active. Im Zustand Idle ist das EndgerĂ€t dem Netzwerk zwar bekannt, es ist aber in keiner Zelle eingebucht. Sobald das EndgerĂ€t Daten senden möchte, meldet es sich an der Basisstation mit den aktuell besten Empfangsbedingungen an. Ist dieser Vorgang erfolgreich, erteilt die Basisstation dem EndgerĂ€t die Erlaubnis, sich zu identifizieren und eine Steuerverbindung aufzubauen. Mit Hilfe dieser Verbindung wird das EndgerĂ€t dann konfiguriert.
Sobald die Steuerverbindung steht, wechselt das Terminal in den Zustand Active und kann dann Daten ĂŒbertragen. Nun ist es in der Zelle bekannt und es misst die KanalgĂŒte. Sind alle Daten ĂŒbertragen, kann das EndgerĂ€t im Active-Zustand einen Schlafzustand einnehmen. In diesem Unterzustand darf das EndgerĂ€t Steuermeldungen der Basisstation ignorieren. Damit können groĂe Teile der Komponenten abgeschaltet werden und das spart Energie. Zu vordefinierten Zeiten wacht das GerĂ€t auf, um fĂŒr die Basisstation bei Bedarf erreichbar zu sein. Ist ĂŒber lĂ€ngere Zeit kein Datenaustausch erfolgt, fĂ€llt das EndgerĂ€t in den Idle-Zustand zurĂŒck.
Auf diese Weise kann auf eine batterieschonende Art eine sehr schnelle Interaktion mit dem Netzwerk erreicht werden.
Netzarchitektur
Netzarchitektur
LTE liegt eine völlig neue Systemarchitektur zugrunde, in der vor allem durch die Reduktion der Netzknoten und damit auch der Schnittstellen eine Vereinfachung erzielt wurde â beides verkĂŒrzt die Durchgangszeit von Signalen durch das Netz. Bei UMTS gibt es neben den Basisstationen noch den Radio Network Controller (RNC). Dieser stellt fĂŒr HSPA die zentrale Instanz im Funkzugangsnetz dar und ist vor allem fĂŒr den Wechsel zwischen den Funkzellen wichtig (Handover, MobilitĂ€t).
Die LTE-Architektur, die auch als Evolved Packet System (EPS) bezeichnet wird, kommt ohne einen solchen Knoten aus. In LTE gewĂ€hrleistet eine zusĂ€tzliche Schnittstelle zwischen den Basisstationen die MobilitĂ€t zwischen den Zellen, das X2-Interface. Ăber diese Schnittstelle lĂ€uft das Handover schneller ab als ĂŒber den RNC bei UMTS. Die Unterbrechung der DatenĂŒbertragung betrĂ€gt dabei nur etwa 20 ms.
Im Kernnetz (Evolved Packet Core, EPC) gibt es sowohl bei UMTS als auch bei LTE/EPS zwei Netzknoten. Bei UMTS sind dies der Serving GPRS Support Node und der Gateway GPRS Support Node, wobei Nutzerdaten beide Knoten durchlaufen. In der EPC-Architektur gibt es den Mobility Management Node und den Packet Gateway Node. Die Nutzerdaten passieren aber nur das Gateway. Hierdurch ist die Anzahl der Knoten, die an der Ăbertragung von Nutzerdaten beteiligt sind, halbiert worden.
Die Latenzverringerung auf der Luftschnittstelle und auch die verschlankte Architektur, die die Anzahl der erforderlichen Signalisierungsmeldungen reduziert, haben zusammen auch den Verbindungsaufbau beschleunigt. LTE stellt die Verbindung innerhalb von 100 ms her. Damit ist die Verzögerung zwischen dem Initiieren einer Anfrage und dem Beginn des Nutzdatentransfers gegenĂŒber HSPA (1 bis 2 s) spĂŒrbar gesunken.
Doch die schiere LeistungsfĂ€higkeit der LTE-Basisstationen stellt erhebliche Anforderungen bezĂŒglich ihrer Anbindung an das Kernnetz, den Backhaul. Wenn zum Beispiel eine Basisstation drei Zellen mit jeweils 2 x 2 MIMO versorgen soll, wĂŒrde sie schon bis zu 500 MBit/s befördern. Die wenigsten Basisstationen sind jedoch derart leistungsfĂ€hig angebunden, sodass parallel zum LTE-Netzaufbau auch das Transportnetz erweitert werden muss. DafĂŒr setzt man wie bisher Richtfunkstrecken und Glasfaserleitungen ein, allerdings fĂŒr LTE mit noch höherer KapazitĂ€t als ohnehin schon.
Paketvermittelter Sprachverkehr
Paketvermittelter Sprachverkehr
Die Bereitstellung von Sprachdiensten besitzt nach wie vor sehr groĂe Bedeutung fĂŒr Netzbetreiber, obwohl mittlerweile das Datenaufkommen in vielen Mobilfunknetzen die Oberhand gegenĂŒber dem Sprachverkehr gewinnt. Sprachdienste werden in GSM und UMTS leitungsvermittelt ĂŒbertragen. LTE ist aber ein rein paketvermitteltes Netzwerk. Sprache wird daher in LTE-Netzen ebenfalls per IP-Protokoll ĂŒbertragen und ein IP Multimedia Subsystem (IMS) gewĂ€hrleistet die erforderliche DienstgĂŒte. Das IMS soll sicherstellen, dass LTE auch allerhöchsten QualitĂ€tsanforderungen an Sprachdienste genĂŒgt.
Erst-Erfahrungen
Der Netzbetreiber TeliaSonera hat bereits im Jahr 2009 mit dem Aufbau eines LTE-Netzes in Schweden begonnen. Der weltweit erste kommerzielle LTE-Betrieb startete im Dezember 2009 in Stockholm auf Basis von Ericsson-Netztechnik. In der Zwischenzeit sind von verschiedenen Seiten umfangreiche Messungen durchgefĂŒhrt worden, die erste praktische Erfahrungen liefern. Den hier vorgestellten Ergebnissen liegt eine Bandbreite von 20 MHz zugrunde.
In der Draufsicht auf das Zentrum von Stockholm sind die an den jeweiligen Positionen gemessenen Nutzerdatenraten im Downlink zu sehen. Typischerweise wurden Datenraten von 30 bis 60 MBit/s verzeichnet,
in der Spitze bis zu 100 MBit/s. Die Datenraten liegen ĂŒber dem Niveau der heute schnellsten DSL-AnschlĂŒsse und die Antwortzeiten betragen rund 30 ms. Das Ziel ist damit erreicht, der Funkzugang liefert eine bessere QualitĂ€t als DSL.
ErgÀnzen muss man, dass die Netzauslastung aufgrund der noch geringen Verbreitung von LTE-EndgerÀten niedrig ist. Daher sind EngpÀsse in nÀchster Zeit nicht zu erwarten.
Ausblick
Ausblick
Dem hier beschriebenen LTE-System liegt die Spezifikation âRelease 8â zugrunde, die Ende 2008 fertig gestellt worden ist. Sie bildet die Grundlage fĂŒr die LTE-Systeme und EndgerĂ€te, die nun im Markt eingefĂŒhrt werden. Das sind zunĂ€chst USB-Erweiterungen fĂŒr PCs. SpĂ€ter kommen integrierte Breitbandmodule fĂŒr Laptops und auch leistungsfĂ€hige Mobiltelefone wie Smartphones hinzu. Die spĂ€ter eingefĂŒhrten GerĂ€te werden multistandardfĂ€hig sein, also neben LTE auch fĂŒr UMTS und GSM geeignet sein, sodass sie auch in Gebieten ohne LTE-Versorgung Mobilfunkdienste nutzen können.
Im 3GPP ist die Standardisierung bereits fortgeschritten. Release 9 des LTE-Standards ist fertig gestellt und bietet im Wesentlichen eine Erweiterung um einen Multimedia Broadcast und Multicast Service (MBMS). MBMS ermöglicht es, gleichzeitig Daten zu mehreren oder allen Nutzern im Empfangsgebiet zu schicken. MBMS eignet sich daher ganz besonders zum Verteilen von Informationen, die viele Nutzer interessieren: Nachrichten, Verkehrsinfos, Warnmeldungen und Ăhnliches.
Ein gröĂerer Schritt ist von Release 10 zu erwarten, die zur Jahreswende 2010/2011 fertig gestellt sein sollte. Hauptziele dieser Version sind es, die maximale Datenrate auf mehr als 1 GBit/s zu steigern und die Datenraten an den ZellrĂ€ndern signifikant zu erhöhen. Dieser Standardisierungsschritt wird auch als âLTE Advancedâ bezeichnet.
Das 1-GBit/s-Ziel soll durch je acht Sende- und Empfangsantennen sowie durch die Ausweitung der Bandbreite auf bis zu 100 MHz erreicht werden. Allerdings ist ein zusammenhĂ€ngendes Spektrum von 100 MHz fĂŒr Netzbetreiber eher die seltene Ausnahme als die Regel. Aber wieder erweist sich OFDM als Vorteil: Mehrere BĂ€nder lassen sich mit akzeptablem Aufwand zu einem âSpektrumâ aggregieren. Zum Beispiel könnten Netzbetreiber Spektren im 800-MHz-Band und im 2-GHz- oder 2,6-GHz-Band zusammenfassen.
Erhöhte Datenraten am Zellrand sollen Relaisstationen oder kooperierende Basisstationen liefern. LTE-Relais sind Zwischenstationen, die Signale empfangen, dekodieren und dann neu kodiert weiterschicken. Bei kooperierenden Basisstationen wird durch einen schnellen Informationsaustausch die Interferenz zwischen Funkzellen minimiert beziehungsweise die Empfangsleistung maximiert. Dieses Konzept kann als ein verteiltes Mehrantennenverfahren angesehen werden.
Fazit
Mit LTE geht in KĂŒrze eine Mobilfunktechnik an den Start, die sogar mit VDSL mithalten kann. Mit den hohen Datenraten und den geringen Latenzen, die LTE bietet, werden die Nutzer ganz neuer Mobilfunkerfahrungen teilhaftig. Aber auch Anforderungen von besonders datenratenhungrigen Anwendungen wie HDTV oder Echtzeitspielen mit strikten Anforderungen an Verzögerungen kann die Technik erfĂŒllen âŠ
Dr. Michael Meyer ist Abteilungsleiter im Bereich Forschung bei Ericsson.
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