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IdentitÀtsdiebstahl: Erste Hilfe bei Onlinebetrug unter Ihrem Namen

Markus Will
KĂŒnstlerische Darstelölung

(Bild: Shutterstock/Irina Anosova)

Kriminelle kaufen mit illegal erworbenen Login-Daten auf Ihre Rechnung ein oder posten Beschimpfungen in Ihrem Namen? Das sollten Sie jetzt tun.

Haben Sie den Verdacht, dass jemand unter Ihren Namen im Netz einkauft? Erhalten Sie Mahnungen von Firmen, deren Namen Sie noch nie gehört haben? Dann sind Sie möglicherweise Opfer eines IdentitÀtsdiebstahls geworden.

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Beim IdentitÀtsdiebstahl nutzen Cyberkriminelle die persönlichen Daten ihrer Opfer, um im Netz Straftaten zu begehen. Folgende Punkte gehören dazu:

Wir zeigen Ihnen, wie Sie handeln mĂŒssen, wenn Sie davon betroffen sind. Außerdem geben wir Tipps, wie Sie sich besser schĂŒtzen können.

Zu Beginn jedoch die Frage: Was ist eine digitale IdentitÀt? Eine digitale IdentitÀt ist das digitale Abbild einer realen Person. Ob mit der Anmeldung in einem sozialen Netzwerk, Online-Banking oder Shopping-Account: Alle Konten, die Sie im Netz nutzen, sind Teil Ihrer digitalen IdentitÀt.

Die TĂ€ter gelangen an Ihre persönlichen Daten, indem sie Datenbanken oder andere unzureichend geschĂŒtzte Unternehmensserver hacken. GefĂ€hrlich sind ebenfalls Phishing-E-Mails: Bei Ebay-Kleinanzeigen tĂ€uschen BetrĂŒger zum Beispiel den potenziellen KĂ€ufern ĂŒber eine gefĂ€lschte Webseite die "Sicher bezahlen"-Bezahlmethode vor. Die Opfer geben ihre Bankdaten ein, bestĂ€tigen die Transaktion und werden abgezockt [6]. Die Ware kommt nie beim Kunden an – stattdessen ist das Geld weg.

Eine weitere perfide Phishing-Masche: das Fake-Inserat. FĂŒr einen angeblichen Arbeitsplatz oder eine gĂŒnstige Wohnung sollen Sie ein Testkonto bei einer Onlinebank anlegen. Der versprochene Job oder die Wohnung existiert aber nicht. Stattdessen greifen Kriminelle Ihr neu angelegtes Online-Bankkonto ab, um kriminelle GeschĂ€fte wie GeldwĂ€sche abzuwickeln. [7]

Und auch das normale E-Mail-Postfach ist nicht sicher: Viele Phishing-E-Mails sehen aus wie offizielle Nachrichten eines Zahlungsdienstleisters, einer Versicherung oder eines Onlineshops, enthalten aber einen harmlos aussehenden Anhang, in dem sich ein Trojaner versteckt. Ist diese Datei geöffnet, installiert sich die Malware und ermöglicht dem Dieb, weitere Daten abzufangen.

Haben Sie auf Ihrem Bankkonto weniger Geld, weil es Überweisungen gab, die Sie nicht getĂ€tigt haben? Arbeiten Sie folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen der Reihe nach ab:

Haben Sie in Ihrem E-Mail-Postfach merkwĂŒrdige VorgĂ€nge festgestellt, etwa als gelesen markierte Mails, die Sie nie gelesen haben?

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Möglicherweise gibt es im E-Mail-Postfach Hinweise darauf, dass der TĂ€ter weitere Online-Accounts ĂŒbernommen hat. PrĂŒfen Sie deshalb die mit der E-Mail-Adresse verbundenen Online-Konten – zuerst jene, mit denen der Angreifer den grĂ¶ĂŸten finanziellen Schaden anrichten kann.

  1. Online-Banking und Paypal
  2. Shopping-Portale: Amazon, Ebay, Ebay-Kleinanzeigen, Lieferando, Zalando
  3. Spieleportale: GOG, Origin, Steam und Co.
  4. Cloud- und Streamingdienste
  5. Soziale Netzwerke

PrĂŒfen Sie in den Diensten, die Einstellungen und Logs. Vielleicht hat der Angreifer Spuren hinterlassen. Eventuell hat er in Ihren Accounts weitere KĂ€ufe getĂ€tigt, etwa bei Ebay Auktionen oder Kleinanzeigen einstellt. PrĂŒfen Sie auch alle KommunikationskanĂ€le – möglicherweise hat der Angreifer unter Ihrem Namen anderen Personen Nachrichten geschrieben. PrĂŒfen Sie zudem Ihren Rechner auf einen Trojanerbefall, etwa mit Desinfec't [11]. Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit einen infizierten Mailanhang geöffnet. Im schlimmsten Falle setzen Sie Ihren Rechner zurĂŒck und installieren das Betriebssystem erneut.

Betrug per Post

Ein Unternehmen schickt Ihnen eine Zahlungsaufforderung von Waren oder Dienstleistungen, deren Kauf Sie nicht veranlasst haben:

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Ein Mahnbescheid klingt zwar Ă€hnlich wie eine Mahnung, hat aber eine höhere Eskalationsstufe, da ihn ein Gericht ausstellt. Bei einem nicht oder zu spĂ€t erfolgten Widerspruch auf den Mahnbescheid mĂŒssen Sie im schlimmsten Falle zahlen – unabhĂ€ngig, ob Sie fĂŒr die Forderung verantwortlich sind oder nicht.

Ein per Post zugestelltes Inkassoschreiben kann in betrĂŒgerischer Absicht verschickt worden sein. GefĂ€lschte Inkassobriefe zielen darauf ab, Sie mit Drohungen unter Druck zu setzen, Geld zu ĂŒberweisen, obwohl den Forderungen jede Grundlage fehlt.

Übrigens: Wenn Sie eine Inkasso-E-Mail mit Ihren persönlichen Daten erhalten, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Phishing-Versuch handelt. Solche E-Mails werden in Massen versendet. Generell gilt: Klicken Sie auf keinen Fall auf den Anhang oder auf die Links. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen rĂ€t dazu, auf keinen Fall darauf zu reagieren und/oder die Forderungen zu zahlen. [15]

Melden Sie den IdentitĂ€tsmissbrauch bei einer Wirtschaftsauskunftei. Das sind Unternehmen wie die Schufa, die anfragenden Firmen PrĂŒfungen der KreditwĂŒrdigkeit von Neukunden ermöglichen. Eine Schufa-Einmeldung zum IdentitĂ€tsbetrug [16] sowie eine Einmeldung im DS-Portal von Crif BĂŒrgel [17] bieten zusĂ€tzlichen Schutz fĂŒr Betroffene von IdentitĂ€tsdiebstahl. Firmen, die eine Anfrage zur KreditwĂŒrdigkeit stellen, erhalten dann den Hinweis, dass die Person schon Opfer von IdentitĂ€tsdiebstahl war,

Die Schufa weist darauf hin, dass die Meldung das persönliche KreditwĂŒrdigkeits-Scoring nicht negativ beeinflusst. Allerdings ist es möglich, dass Firmen bei einem regulĂ€ren Online-GeschĂ€ft von Ihnen weitere Identifikationsmittel verlangen, um Betrug zu vermeiden, sodass sich die Bearbeitung verzögern kann.

Mit diesen Maßnahmen dĂŒrften Sie einem potenziellen Angreifer die Übernahme Ihrer Online-Konten enorm erschweren:

Achten Sie darauf, welche Daten Sie im Netz preisgeben. Klicken sie auf keine AnhĂ€nge und Links von E-Mails aus unbekannten Quellen. Rufen Sie zum Beispiel Ihren Bankaccount stets ĂŒber den Browser auf, nicht ĂŒber einen Link aus einer E-Mail.

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(mawi [21])


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-Cyberkriminelle-arglose-Jobsucher-rekrutieren-7452783.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Alte-Social-Media-Konten-loeschen-Sicherheit-durch-weniger-eigener-Daten-im-Netz-7321954.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/Wie-der-aktuelle-Stand-bei-digitalen-Ausweisen-ist-7452982.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Online-Handelsregister-laedt-zum-Datenmissbrauch-ein-7329228.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/EUid-Das-sind-die-Plaene-fuer-eine-europaeische-digitale-Identitaet-6666724.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-Betrueger-Sicher-bezahlen-auf-eBay-Kleinanzeigen-aushebeln-7184650.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-Cyberkriminelle-arglose-Jobsucher-rekrutieren-7452783.html
[8] https://www.sperr-notruf.de/
[9] https://www.polizei.de/Polizei/DE/Einrichtungen/Onlinewache/onlinewache_node.html
[10] https://www.heise.de/hintergrund/E-Mail-Konto-gehackt-Was-Sie-jetzt-tun-muessen-6207187.html
[11] https://www.heise.de/download/product/desinfect-71642
[12] https://www.heise.de/news/Bits-Boeses-Fisch-im-Netz-7341382.html
[13] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/gerichtliches-mahnverfahren-was-tun-bei-einem-mahnbescheid-10851
[14] https://www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/aktuelles/detailansicht/inkasso-betrug-so-reagieren-sie-auf-unberechtigte-forderungen/
[15] https://www.inkasso.de/newsdetail/vorsicht-fake-inkasso-das-sind-die-haeufigsten-absender
[16] https://www.schufa.de/kontakt/einmeldung-identitaetsbetrug/
[17] https://www.crif.de/identitaetsbetrugsmeldung/
[18] https://www.heise.de/ratgeber/Passwortmanager-Passwoerter-systematisch-verwalten-6489630.html
[19] https://www.heise.de/ratgeber/Passwortsicherheit-So-richten-Sie-Zwei-Faktor-Authentifizierungen-ein-6662342.html
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