Die Sonne fotografieren Kommentare
Am 20. MĂ€rz 2015 können wir unter anderem in Deutschland das seltene Schauspiel einer Sonnenfinsternis verfolgen. Mit einigen Sicherheitsvorkehrungen und unseren Fototipps ergibt das ein tolles Fotomotiv. Ăbrigens: Die nĂ€chste Sonnenfinsternis in Deutschland kommt erst wieder am 10. Juni 2021.
Als Lichtquelle ist die Sonne den Fotografen wohlbekannt und oft unverzichtbar. Als alleiniges Motiv steht sie allerdings weniger im Fokus und das aus gutem Grund: Die Sonne hoch am Himmel ĂŒberfordert mit ihrem gleiĂend hellen Licht jeden Kameraverschluss und Sensor. SchieĂt man ohne besondere Vorkehrungen trotzdem ein Foto, ist die Kamera danach womöglich nicht mehr zu gebrauchen. Noch gefĂ€hrlicher ist ein kurzer Blick durch den optischen Sucher einer Spiegelreflexkamera. Er fĂŒhrt fast unweigerlich zu schweren AugenschĂ€den, im schlimmsten Fall zur Erblindung. GröĂte Vorsicht ist also geboten, auch bei der im MĂ€rz anstehenden spektakulĂ€ren Sonnenfinsternis. Zum GlĂŒck kann man mit relativ einfachen Mitteln die LichtfĂŒlle bĂ€ndigen.
Die Sonne als Motiv
Zentrum unseres Planetensystems gelegen, dominiert die Sonne alles in ihrer Umgebung. An Masse ĂŒbertrifft sie die Erde mehr als dreihunderttausendfach. In ihrem Inneren erzeugt ein gigantischer Fusionsreaktor die Energie, die unser ganzes Planetensystem mit Licht und WĂ€rme versorgt und auf der Erde Leben ermöglicht. In unserer Galaxie, der MilchstraĂe, ist die Sonne zwar nur ein Stern unter vielen Milliarden. Aber als einziger Stern ist sie uns so nah, dass wir auf ihrer OberflĂ€che Einzelheiten erkennen können. Und da gibt es eine Menge zu sehen. Die heiĂen Gase der SonnenoberflĂ€che sind in stĂ€ndiger Bewegung. KrĂ€ftige Magnetfelder kanalisieren diese Ströme und fĂŒhren zu lokalen Temperaturunterschieden. KĂŒhlere Regionen erscheinen als dunkle Flecken, heiĂere als helle Fackelgebiete. Unter hoher VergröĂerung lĂ€sst die Struktur gröĂerer Sonnenflecken den komplexen Verlauf der Magnetfeldlinien erahnen. VergröĂert man noch weiter, verwandelt sich die scheinbar homogene SonnenoberflĂ€che in ein dichtes Netz kleiner Zellen mit dunklen ZwischenrĂ€umen, die sogenannte Granulation. Hier sieht man den WĂ€rmetransport aus dem Inneren förmlich in Aktion. Wie in einem Topf mit kochendem Wasser steigt in der Mitte der Zellen heiĂes Material nach oben, kĂŒhlt ab und sinkt in den Zell-ZwischenrĂ€umen wieder nach unten. Dabei geht es sehr turbulent zu: Die Zellen sind etwa tausend Kilometer groĂ, aber sie entstehen und vergehen rasant in wenigen Minuten. Nichts bleibt auf der Sonne, wie es ist. Auch groĂe Sonnenfleckengruppen Ă€ndern bereits nach wenigen Stunden ihr Aussehen. Verfolgt man ihre Entwicklung ĂŒber mehrere Tage, scheinen sie zudem von West nach Ost zu wandern. Das liegt aber an der Rotation der Sonne. FĂŒr eine Umdrehung braucht sie ungefĂ€hr 27 Tage.
Die brodelnden Konvektionszellen der SonnenoberflĂ€che erreichen eine GröĂe von 1000 km. Sie entstehen und vergehen in wenigen Minuten (1.8.2012) Canon EOS 5D Mark II | ISO 100 | 5000 mm | f/38 | 1/400 s | Sonnenfilter | 178 Aufnahmen
Mittels des U.S.-Satellits âSolar Dynamics Observatory [1] [1]â kann man die Sonne kontinuierlich im Auge behalten. Das regelmĂ€Ăig erneuerte Sonnenbild auf der Projekt-Webseite [2] [2] zeigt die aktuelle Fleckenverteilung. Noch dynamischer geht es oberhalb der SonnenoberflĂ€che zu. Ströme ionisierter Materie werden vom Magnetfeld zu riesigen Bögen aufgespannt, die einige zigtausend Kilometer Höhe erreichen können. Sie treten hĂ€ufig in aktiven Regionen zusammen mit Fleckengruppen auf und können mehrere Monate lang in scheinbarer Ruhe verharren. Manchmal entwickeln sich aus diesen sogenannten Protuberanzen plötzliche Eruptionen, bei denen innerhalb weniger Stunden Materie bis zu tausend Kilometer pro Sekunde schnell in den Weltraum geschleudert wird. Treffen diese Gasmassen auf die Erde, erzeugen sie imposante Polarlichter, gefĂ€hrden andererseits aber auch irdische Strom- und Kommunikationsnetze. Alle paar Jahre wird es richtig spektakulĂ€r. Dann schiebt sich der Mond bei seinem monatlichen Umlauf direkt zwischen Sonne und Erde. Verdeckt die dunkle Scheibe des Mondes nur einen Teil der Sonne, spricht man von einer partiellen Finsternis. Trifft der Mond die Sonne zentral, ist die Finsternis total. Am 20. MĂ€rz ist dies in einer schmalen Zone im Nordatlantik der Fall. In Deutschland reicht es nicht zur TotalitĂ€t, aber wir können uns auf eine hochprozentige partielle Finsternis hoch am Vormittagshimmel freuen. In Flensburg werden 82% der Sonne verdeckt, in Konstanz immer noch 70%.
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Links in diesem Artikel:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Solar_Dynamics_Observatory
[2] http://sdo.gsfc.nasa.gov/assets/img/latest/latest_1024_HMII.jpg
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